|
Kurzbeschreibung des Projekts
| Projektnummer |
|
Einzelprojekte
P17974
|
| Titel |
|
Leben mit Bildern in Ephesos und Ostia |
| ProjektleiterIn |
|
ZIMMERMANN Norbert |
| Bewilligungsdatum |
|
29.11.2004 |
| Universität / Forschungsstätte |
|
Institut für Kulturgeschichte der Antike, Österreichische Akademie der Wissenschaften |
| Gebiet(e) |
|
|
| Keywords |
|
Klassische Archäologie, Römische Wandmalerei, Wohnbauforschung, Kulturgeschichte, Ephesos, Ostia |
| Homepage |
|
http://www.oeaw.ac.at/antike/institut/mitarbeiter/zimmermann.html
|
Wandmalereien mit Bildern sind ständige Begleiter des Lebens im römischen
Wohnhaus, in dem sie konkrete Themen vor Augen führen oder auch unbewußt
Atmosphäre schaffen. Sie differenzieren Repräsentations-, Wohn- und
Wirtschaftsbereiche und bilden gemeinsam mit der Architektur und weiteren Ausstattungselementen
die Bühne der häuslichen Lebenswelt. Während dies in den vom Vesuv
verschütteten Städten an zahlreichen Beispielen erforscht ist, standen
bislang gut datierbare Wohnkomplexe mit Malerei der nachpompejanischen Zeit kaum
zur Verfügung. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren besonders in
Ephesos im Osten und Ostia im Westen durch neue Forschungen stark gebessert, sowohl
was die Qualität als auch die Quantität der Befunde betrifft. So konnten
in Ephesos sechs Peristylhäuser aus der Insula des Hanghauses 2 erschlossen
werden. In zusammenhängenden Raumgruppen sind in mehreren Schichten Wandmalereien
erhalten, die zum Großteil bis vor kurzem stilistisch in die Spätantike
datiert wurden. Jüngste Studien dagegen weisen sie dem frühen 2. bis
fortgeschrittenen 3. Jh. zu und lassen für diesen Zeitraum ein differenziertes
Bild des Wohngeschmacks und der einzelnen Etappen der kunstgeschichtlichen Entwicklung
nachzeichnen. Ähnlich umfassend sind Wohnhäuser dieser Zeit samt ihrer
Malereien bislang nur noch aus Ostia bekannt. Auch dort haben jüngste Forschungen
für zahlreiche Wohnhäuser ein wesentlich klareres Bild der Chronologie
und Entwicklung der Malerei ergeben. Neue Bauforschungen und Grabungen in den
Case a Giardino lassen für die Wohnsituationen zwischen Domus und Luxusmietappartements
Phasenfolge und differenzierten Anspruch der Malereien bestimmen. Wie in Ephesos
gelingt es nun auch in Ostia, die bislang meist nur nach strittigen stilistischen
Kriterien geordneten Malereien genauer und z.T. ganz anders zu datieren.
Somit ist jetzt ein idealer Zeitpunkt, diese neuen Ergebnisse der Grundlagenforschung
an zwei Zentren des römischen Reiches in einer vergleichenden Studie auszuwerten
und die Art und Weise zu untersuchen, wie mit der Wandmalerei Wohn- und Lebensraum
gestaltet wurde und sich im Laufe der Zeit in Ost und West das Bildrepertoire
und die Dekorationssysteme verändern. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in
der Disposition der Malerei für Haupt- und Nebenräume, der Themenwahl
für Repräsentations- und Wohnbereiche und der Struktur der Wandsysteme
lassen lokale Vorlieben und zeitstilistische Charakteristika deutlich abgerenzen.
Während bestimmte Wandsysteme und Ornamente sehr ortstypischen Charakter
zeigen, bezeugen ähnliche Bildthemen oder der Verzicht auf figürliche
Malerei in Repräsentationsbereichen zugunsten von Marmorverkleidungen gleiche
Moden in Ost und West. Für das 2. und 3. Jh. gibt es bislang keine entsprechende
Studie, da die Monumente nicht zur Verfügung standen und oft auch die Fortdauer
der aus den Vesuvstädten bekannten Verhältnisse angenommen wurde. Die
Untersuchung der Malerei im Wohnhaus leistet einen wesentlichen analytischen Beitrag
zum Verständnis der kunsthistorischen Entwicklungen und Beziehungen der nachpompejanischen
Wandmalerei, für die sie eine Gruppe von Leitmonumenten erschließt.
Zugleich sucht sie einen innovativen Zugang zu weiterführenden kulturhistorischen
und soziologischen Fragestellungen, indem sie das Verhältnis von Auftraggebern
und Malern der Ausstattungen sowie von Besitzern und/ oder Bewohnern untersucht,
die diese Häuser ihrer Lebensweise als angemessen empfanden. So kann versucht
werden, den großen Veränderungen im römischen Reich des 2. und
3. Jhs. in zwei städtischen Zentren im Spiegel des privaten Wohnens und seiner
Bilderwelt nachzugehen.
| |
Hinweis |
|
| |
Die Inhalte der Abstracts werden vom FWF nicht überarbeitet, die Verantwortung liegt bei der Verfasserin bzw. beim Verfasser. |
|
|