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Kurzbeschreibung des Projekts
| Projektnummer |
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Einzelprojekte
P19857
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| Titel |
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Schlafprozessmodellierung mit Kontext- und Multi-Sensordaten |
| ProjektleiterIn |
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DORFFNER Georg |
| Bewilligungsdatum |
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06.03.2007 |
| Universität / Forschungsstätte |
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Institut für Medizinische Kybernetik und Artifical Intelligence, Medizinische Universität Wien |
| Gebiet(e) |
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| Keywords |
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sleep modeling, Rechtschaffen and Kales scoring, multi-sensor data fusion, Dynamic Bayesian Networks, sleep regulation factors, probabilistic sleep models |
| Homepage |
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http://www.meduniwien.ac.at/user/georg.dorffner
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Der Mensch verbringt in etwa ein Drittel seines Lebens im Schlaf. Um die Rolle
des Schlafs zu verstehen betrachtet man am besten was geschieht, wenn wir nicht
schlafen. Schlafmangel beeinflusst die Funktionalität des Gehirns. Bei andauerndem
Schlafentzug werden die Bereiche des Gehirns, die der Sprache, dem Gedächtnis
und der Zeitwahrnehmung zuzuordnen sind, stark beeinträchtigt. Nach 17 Stunden
ununterbrochenem Wachsein sinkt die Leistungsfähigkeit auf ein Niveau ähnlich
einem Alkoholisierungsgrad von 0,5 (das entspricht 2 Gläsern Wein).
Aus der Forschung ist bekannt, dass Personen mit Schlafentzug oftmals Schwierigkeiten
haben, auf sich schnell ändernde Situationen zu reagieren oder vernünftige
Einschätzungen zu treffen. Die Konsequenzen für den Alltag sind schwerwiegend
und dem Schlafentzug wird zugeschrieben, zumindest mit ein Auslösefaktor
für eine Vielzahl von internationalen Unglücksfällen gewesen zu
sein. Als Beispiele seien hier die Exxon Valdez, Tschernobyl, Three Mile Island
und der Absturz der Raumfähre Challenger genannt. Schlafentzug wirkt sich
aber nicht nur auf kognitive Funktionen aus. Auch emotionale und gesundheitliche
Beschwerden können auf Schlafmangel zurückgeführt werden. Störungen
wie die Schlafapnoe bewirken extreme Tagesmüdigkeit und werden mit Stress
und Hypertonie in Zusammenhang gebracht. In der Forschung wird Schlafmangel auch
mit einer erhöhten Neigung zu Übergewicht verbunden, da chemische Botenstoffe
und Hormone, die den Appetit und die Gewichtszunahme steuern, im Schlaf ausgeschüttet
werden.
Um die Struktur, Regulationsmechanismen und Effekte des Schlafs auf das menschliche
Verhalten besser zu verstehen, wird die Modellierung des Schlafprozesses aus wissenschaftlicher
Sicht immer wichtiger. Das zurzeit auf breiter Basis akzeptierte Modell des Schlafs
basiert auf der Annahme, dass verschiedene Schlafstadien im Zyklus zwischen Schlaf
und Wach involviert sind. Vor beinahe 40 Jahren wurden die Regeln von Rechtschaffen
und Kales (R&K) als Referenzmethode zur Normierung der Definition der Schlafstadien,
auf der Basis von EEG und anderen Biosignalen, eingeführt. Trotz seiner Unzulänglichkeiten
wurde das Handbuch von R&K zum weltweit akzeptierten Standard der Schlafstadien-Klassifikation
und hat enorm zum besseren Verständnis des Schlafprozesses und dessen Störungen
beigetragen. Trotzdem hat die tiefgehende Validierung der Regeln von R&K,
die in den letzten Jahren durchgeführt worden ist, einige wichtige Einschränkungen
aufgezeigt. Als Folge dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden neue Modelle
des Schlafprozesses vorgeschlagen. Insbesondere Modelle, die auf profunden wahrscheinlichkeitstheoretischen
Ansätzen beruhen, haben zu viel versprechenden Ergebnissen geführt.
Nichtsdestotrotz existieren bis heute kein systematischer Vergleich und keine
Validierung dieser alternativen Schlafmodelle. Außerdem gibt es bei diesen
Modellen einige fundamentale theoretische und konzeptionelle Einschränkungen,
weshalb diese Ansätze von einer Mehrheit der Schlafforscher bis jetzt abgelehnt
wurden. Ziel dieses Projekts ist die systematische Erweiterung der aktuellen probabilistischen
Schlafmodelle, mit Biosignalen wie EEG als Input, durch gezielte Beseitigung der
bekannten Einschränkungen. Das soll unter Verwendung neuer, fortschrittlicher
Modell-Architekturen, Lernalgorithmen und Datenrepräsentationen, beeinflusst
von der vorhandenen theoretischen und experimentellen Expertise aus früheren
Projekten, erreicht werden. Die Verfügbarkeit einer großen Anzahl an
Schlafdaten, die während früherer Projekte gesammelt wurden, bietet
die einzigartige Möglichkeit, die korrekte Validierung der geplanten Erweiterung
der aktuellen Schlafmodelle methodisch zu untermauern. Das Projekt fußt
auf dem neuen Ansatz der dynamischen Bayes'schen Netzwerke, die zur systematischen
wahrscheinlichkeitstheoretischen Fusion der Daten von Vielfach-Sensoren und Kontext-Information
verwendet werden sollen. Bis heute wurde diese Vorgehensweise in der Schlafforschung
noch nicht angedacht. In diesem Projekt sollen auch die Effekte der circadianen,
homöostatischen und Schlafumgebungs-Faktoren in einem prinzipiell probabilistischen
Ansatz als Vorgabe, die das letztendlich ermittelte Schlafprofil beeinflusst,
untersucht und modelliert werden.
Die wissenschaftlich herausfordernde Novität dieses Projekts wird nicht nur
das bessere Verständnis des Schlafprozesses fördern, sondern auch neue
Einblicke in die Schlafregulation und auf den Schlaf beeinflussende Faktoren ermöglichen.
Zusammenfassend wird von den in diesem Projekt erzielten Ergebnissen erwartet,
dass sie einen entscheidenden Schritt hin zu einem neuartigen und auf breiter
Ebene akzeptierten Ansatz zur Schlafmodellierung darstellen - ein seit langer
Zeit erhofftes Ziel der Schlafforschungs-Gemeinde.
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Hinweis |
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