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Kurzbeschreibung des Projekts
Die Glykokonjugate der Zelloberfläche und ihre Liganden spielen eine bedeutsame
Rolle bei Interaktionen zwischen verschiedenen Zellen, sowohl innerhalb eines
Organismus als auch zwischen Symbionten bzw. Pathogenen und ihren Wirten. Protozoen,
u.a. diverse Amöben und Trypanosomatide, exprimieren eine Bandbreite an kürzlich
entdeckten, glykosylierten, Makromolekülen, z.B. Lipophosphoglykane (LPG)
und Glykosylinositolphospholipide (GIPLs), und für diese Organismen spezifische
O-Glykane.
Die Vertreter des Genus Acanthamoeba sind weit verbreitete, in Gewässern
und Böden lebende Amöben, die allerdings im Menschen auch ernsthafte
Erkrankungen, v.a. Keratitis ("Amöbenkeratitis") bei Kontaktlinsenträgern
bzw. granulomatöse Amöbenenzephalitis bei Immunsupprimierten, hervorrufen
können. Im Falle der Amöbenkeratitis (ein Mannose bindendes Protein
ist bei der Anhaftung an die Cornea beteiligt) ist oftmals eine Transplantation
der Cornea unumgänglich, die granulomatöse Amöbenenzephalitis hingegen
verläuft in der Regel tödlich.
Das Genom eines Acanthamoeba castellanii Stamms, "Neff-Stamm", wird
gegenwärtig im Zuge eines Projekts entschlüsselt, über sein "Glykom"
ist hingegen wenig bekannt. Vor über 30 Jahren wurde zwar ein Lipophosphonoglykan
hinsichtlich seines Fettsäure-, Inositol-, Phosphoethanolamin- und Monosaccharidgehalts
beschrieben, seine Gesamtstruktur wurde jedoch nicht ermittelt. Rückblickend
könnte dieses Glykokonjugat durchaus Ähnlichkeit mit den Lipophosphoglykanen
der Trypanosomatiden bzw. denen von Entamoeba histolytica, aufweisen. Aus diesem
Grunde ist es eines der Hauptziele des beantragten Projekts das besagte Lipophosphonoglykan
in Acanthamoeba unter Anwendung moderner analytischer Methoden, u.a. MALDI-TOF,
ESI und GC gekoppelter Massenspektrometrie, zu charakterisieren. Ähnliche
Methoden werden auch angewandt werden, um die N-Glykane dieser Spezies hinsichtlich
ihrer Unterschiede und Ähnlickeiten zu den N-Glykanen anderer Einzeller,
u.a. der Trypanosomatiden und der freilebenden, nicht pathogenen Amöbe Dictyostelium
discoideum, zu untersuchen. Dies wird zu einer tieferen Kenntnis des Glykoms des
Genus Acanthamoeba führen, welche, falls ausreichende Unterschiede hinsichtlich
des Glykoms bei den diversen Spezies dieses Genus beobachtet werden, auch einer
neuen Methode der taxonomischen Unterscheidung von Acanthamoeba Isolaten den Weg
bereiten könnte. Weiters werden diese Untersuchungen glykobiosynthetische
Studien ermöglichen, die zur Entdeckung neuer Zielmoleküle für
Chemotherapien führen könnten.
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