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Kurzbeschreibung des Projekts

Projektnummer   Einzelprojekte  P21129
Titel   Das neolithische Landwirtschaftssystem in den Inneralpen
ProjektleiterIn   OEGGL Klaus
Bewilligungsdatum   06.10.2008
Universität / Forschungsstätte   Institut für Botanik Abteilung für Systematik, Palynologie und Geobotanik, Universität Innsbruck
  Institut für Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter und Neuzeitarchäologie, Universität Innsbruck
Gebiet(e)  
Keywords   Neolithic, Copper Age, transhumance, alpine pastural systems, agricultural regime, archaeobotany
Homepage   http://www.uibk.ac.at/himat/


Der Forschungsstand über inneralpine Landwirtschaftssysteme während des Neolithikums ist schlecht, vor allem wegen des Fehlens von multidisziplinären Untersuchungen unter Einbindung der Archäobotanik und Archäozoologie. Nichtsdestotrotz wurde im Zuge der Forschungen an der neolithischen Gletscherleiche "Ötzi" zahlreiche Fragen bezüglich seiner gesellschaftlichen Stellung aufgeworfen, und heute gilt seine Einbindung in eine lokale saisonale Transhumanz (frühe Almweidewirtschaft) als allgemein anerkannte Ursache für sein Aufsteigen in so große Höhen. Die Existenz einer solchen frühen saisonalen Transhumanz im Neolithikum basiert aber allein auf Pollenanalysen aus der unmittelbaren Umgebung des Fundortes und ist bis heute durch keine archäologischen Funde validiert. Im Gegenteil, jüngste Koprolithenanalysen an über einhundert Kotballen von Ziegenartigen, die aus dem Eis der Eismann-Fundstelle geborgen und auf den Zeitraum zwischen 5400 - 2000 v. Chr. datiert wurden, werfen zusätzliche Zweifel an der Praxis einer solch frühen Almweidewirtschaft in den Alpen auf. Die Analyse dieser Dungproben zeigt, dass alle von Wildtieren (Steinbock oder Gämse) und nicht von Haustieren (Schaf/Ziege) stammen.
Darüber hinaus mangelt es auch an palaeoethnobotanischen Studien im Vinschgau sowie im übrigen Südtirol, so dass wenig über neolithische Landwirtschaftssysteme in den Inneralpen bekannt ist. Die Entdeckung kupferzeitlicher Kulturschichten bei Latsch im Vinschgau letzten Jahres mit gut erhalten Knochen-, Getreide- und anderen Pflanzenresten eröffnet neue Möglichkeiten die neolithische Landwirtschaftspraxis im Gebiet, in dem der Eismann lebte, zu untersuchen. Die Schlüsselfragen, die in diesem Forschungsvorhaben beantwortet werden sollen, sind:
1) Gab es zu Lebzeiten des neolithischen Eismannes "Ötzi" eine lokale, saisonale Transhumanz (Almweidewirtschaft), in der die Tiere von den Tallagen des Vinschgaus auf die alpinen Hochweiden nördlich des Alpenhauptkammes getrieben wurden?
2) Welche Kulturpflanzen wurden zu Lebzeiten des Eismannes im Vinschgau angebaut, und wie stimmen diese mit dem Kulturpflanzeninventar, das beim Eismann gefunden wurde, überein?
Die Beantwortung dieser Fragen verspricht essentielle neue Kenntnisse und Daten zur spätneolithischen Landwirtschaftspraxis - vor allem zur wenig erforschten Almweidewirtschaft - in den Inneralpen. Des Weiteren liefern die Pollenanalyse mit einer detaillierten Vegetations- und Siedlungsgeschichte des Gebietes südlich des Alpenhauptkammes einen weiteren essentiellen Hintergrund für die Gesamtauswertung des Eismann-Fundes.



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