Anhang - Profile und Befangenheiten von GutachterInnen bzw. Zusammensetzungen von Jurys

1. GutachterInnen-Profil

  • GutachterInnen müssen wissenschaftlich aktive, international ausgewiesene ExpertInnen sein und sollten (in Relation zum akademischen Alter) mindestens das gleiche internationale Qualifikationsniveau wie die AntragstellerInnen aufweisen.
  • Es werden nur GutachterInnen aus dem Ausland angeschrieben. Waren GutachterInnen in der Vergangenheit in Österreich tätig, sollten sie erst nach mindestens fünf Jahren Abwesenheit aus Österreich begutachten. Bei Ausnahmen von diesem Prinzip müssen die/der AbteilungspräsidentIn zustimmen.
  • Eine Person soll nicht öfter als zweimal im Jahr ein Gutachten verfassen. Ausnahmen davon können im Fall von Neuplanungen gemacht werden.
  • Die GutachterInnen für einen Antrag dürfen nicht von der gleichen Institution kommen.
  • Eine Streuung der GutachterInnen nach Alter, Regionen und ggf. nach fachlicher Breite soll berücksichtigt werden:
    • Eine geeignete Mischung aus älteren und jüngeren GutachterInnen ist anzustreben.
    • Im Durchschnitt eines Jahres sollen nicht mehr als 15% GutachterInnen aus Deutschland/Schweiz (maximal 25% in den Geisteswissenschaften) begutachten. Dementsprechend ist auch eine zu starke Konzentration von GutachterInnen auf eine bestimmte Region oder ein Land zu vermeiden.
    • Bei Fachgebieten mit sehr kleinen Communities sollte man sich darum bemühen, mindestens auch eine/-n GutachterIn aus dem weiteren Umfeld bzw. eine/n Generalistin/en zu kontaktieren.
    • Der Anteil von Frauen als Gutachterinnen sollte im Durchschnitt eines Jahres mindestens 30% betragen. Zudem sollte angestrebt werden, bei SFB- und DK Hearings mindestens zwei Frauen als Gutachterinnen zu gewinnen.


2. Befangenheiten von GutachterInnen

2.1. Grundsätzliche Regeln

GutachterInnen sollten den Antrag nicht beurteilen, falls ein Interessenkonflikt besteht oder angenommen werden könnte. Daher gelten GutachterInnen als positiv oder negativ befangen, wenn:

  • die GutachterInnen beruflich, finanziell oder persönlich von der Bewilligung oder Ablehnung des Antrages profitieren könnten (inkl. direkter Konkurrenzverhältnisse);
  • die GutachterInnen mit den AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) in den letzten fünf Jahren gemeinsam publiziert, kooperiert, in professionsspezifischen und häufig und regelmäßig treffenden Gremien vertreten waren oder an der gleichen Forschungsstätte gearbeitet haben (siehe auch unten);
  • die GutachterInnen mit den AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) grundsätzliche wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten haben;
  • zwischen den GutachterInnen und den AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) andere berufliche und/oder persönliche Nahverhältnisse bestehen, die gegenüber unbeteiligten Dritten den Anschein der Befangenheit erwecken könnten.


2.2. Spezifikationen

Im Folgenden werden Voraussetzungen aufgelistet, unter denen GutachterInnen i.d.R. nicht befangen sind.

  • GutachterInnen sind i.d.R. nicht befangen, wenn gemeinsame Publikationen mit mehr als 20 AutorInnen vorliegen; es sei denn, die AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) oder GutachterInnen sind Erst- oder LetztautorInnen der Publikation, ausgenommen davon sind Publikationen mit alphabetischer Reihung (=gleichrangige Beiträge der AutorInnen).
  • GutachterInnen sind i.d.R. nicht befangen, wenn es AutorInnenschaften in denselben Sammelbänden oder Proceedings gibt. Ausgenommen sind Festschriften, bei denen die AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) oder GutachterInnen HerausgeberInnen oder LaureatInnen sind.
  • GutachterInnen sind i.d.R. nicht befangen, wenn gemeinsame Publikationen der GutachterInnen mit nationalen oder internationalen KooperationspartnerInnen der AntragstellerInnen (inkl. MitarbeiterInnen) bestehen.
  • Handelt es sich bei dem Antrag um eine überarbeitete Neuplanung, werden i.d.R. VorgutachterInnen angeschrieben, die substantielle und konstruktive Anregungen und Kritikpunkte gemacht haben. In jedem Fall müssen aber immer auch neue GutachterInnen ein Gutachten verfassen.

Die AntragstellerInnen sind nicht aufgefordert, selbst GutachterInnen für ihre Anträge zu benennen. Tun Sie es dennoch, sind diese Vorschläge nicht zu berücksichtigen.

Den Anträgen kann zu den Beilagen eine Negativ-Liste hinzugefügt werden. Das heißt, die/der Antragsteller/-in kann maximal drei potenzielle GutachterInnen, von denen sie/er der Ansicht ist, dass Befangenheiten vorliegen könnten, vom der Begutachtung ausschließen. Dem wird das Präsidium des FWF i.d.R. folgen. Handelt es sich beim Antrag um eine Neuplanung, können auch GutachterInnen des vormaligen Antrags von der/dem Antragsteller/-in auf die Negativliste gesetzt werden. (In Ausnahmefällen können die ReferentInnen über das Büro von den AntragstellerInnen eine Positiv-Liste anfordern lassen. Wenn Personen von der Positivliste begutachtet haben, muss dies auf den Sitzungsunterlagen vermerkt werden. In jedem Fall darf nur ein Gutachten von der Positivliste eingeholt werden.)

Der FWF geht davon aus, dass GutachterInnen im Sinne guter wissenschaftlicher Praxis auch in solchen Fällen, die nicht explizit durch den Regelkatalog des FWF abgedeckt sind, von einer Begutachtung Abstand nehmen und dies dem FWF mitteilen. In Zweifels- bzw. Grenzfällen, sollte immer auf eine Begutachtung verzichtet werden.

Übernehmen Institutionen im Auftrag des FWF die Begutachtung (wie z.B. Verlage beim Programm „Selbständige Publikationen“), ist in Zweifels- bzw. Grenzfällen mit dem FWF Rücksprache zu nehmen.


3. Zusammensetzung von Jurys und ähnlichen Gremien wie zB. Boards

Jurys sind für spezielle Programme (u.a. START-Programm, Wittgenstein-Preis, PEEK, KLIF) eingesetzte Gremien von internationalen WissenschafterInnen, die auf Grundlage von externen Gutachten dem Kuratorium des FWF einen Entscheidungsvorschlag in Form eines Rankings von miteinander in Wettbewerb befindlichen Anträgen unterbreiten. Für sie gilt:

  • Jurymitglieder müssen hochrenommierte internationale WissenschafterInnen ihres Fachgebietes sein, die zudem (a) einen Überblick über die engeren Grenzen ihres Gebietes hinaus und (b) entsprechende Erfahrungen mit ähnlichen kompetitiven Auswahlverfahren haben.
  • Jurys bestehen grundsätzlich aus WissenschafterInnen von Forschungsstätten außerhalb von Österreich. Personen, die in Österreich tätig waren, können erst nach mindestens fünf Jahren Abwesenheit aus Österreich in eine Jury aufgenommen werden.
  • Eine Jury sollte mindestens zu einem Drittel aus weiblichen Mitgliedern bestehen und eine möglichst breite regionale und institutionelle Streuung aufweisen.
  • Für die von der Jury zu behandelnden Anträge gelten dieselben Befangenheitsregeln wie für Kuratoriumsmitglieder und GutachterInnen. Falls eine Befangenheit gegeben ist, werden die Jurymitglieder nicht mit dem betreffenden Antrag befasst und müssen während der Diskussion des Antrags den Sitzungsraum verlassen.
  • Ein Jurymitglied wird i.d.R. für die Dauer von drei Jahren bestellt, mit der Möglichkeit einer zweimaligen Verlängerung (insgesamt: maximal neun Jahre). Gleichwohl sollte darauf geachtet werden, dass eine Jury nicht länger als sechs Jahre in der gleichen Zusammensetzung besteht.