Peter Michor

Forschungsstätte
Fakultät für Mathematik der Universität Wien

Akademische Position
Professor of Mathematics, retired


In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren 80% der mathematischen Zeitschriften in der Hand von Universitäten oder wissenschaftlichen Vereinen. 20% wurden von kommerziellen Verlegern publiziert. Bibliotheken von bedeutenden Instituten führten alle relevanten Zeitschriften. Neugegründete Universitäten waren durchaus in der Lage, eine vollständige Bibliothek zu kaufen. Am Ende des 20. Jahrhunderts hat sich das Verhältnis umgedreht und die Preise der Zeitschriften haben sich verhundertfacht: alle Universitätsbibliotheken weltweit haben dadurch finanzielle Probleme.

Die "Open Access" Bewegung versucht, die Finanzierung wissenschaftlicher Zeitschriften von den Abonnenten (Bibliotheken) zu den Autoren und ihren Projektgebern zu verlagern und dadurch die Krise zu vermindern, in bester Absicht für das Gedeihen der Wissenschaft.

Allerdings hat es sich schnell herausgestellt, dass die großen wissenschaftlichen Verlage dies gleich als Möglichkeit gesehen haben, ihr Einkommen ohne wirkliche Gegenleistung zu steigern. Zudem hat es dazu geführt, dass viele neue Verlage entstanden sind, die mit neuen Open-Access Zeitschriften Autoren über E-Mail anschreiben und zur Publikation einladen ("only 3 Dollars per page"). Ich erhalte mehrere solche Emails pro Tag; das "Antarctica Journal of Mathematics" ist mir in Erinnerung geblieben. Zudem erweckt eine Publikation unter dem "Open Access" Modell den Anschein, dass der Autor sich die Publikation erkauft hat.

Eine Lösung wäre, dass Bibliotheken bedeutender Institute je eine Zeitschrift herausgeben und finanzieren, welche dann im Internet frei zugänglich wäre. Eine aus meiner Sicht optimale Organisation des Publikationswesens würde wie folgt funktionieren: Wissenschaftliche Arbeiten werden von den Autoren zuerst in Preprint-Servern wie arXiv.org zugänglich gemacht. Editoren und von Ihnen ernannte Referees suchen in den Preprint-Servern nach für sie interessanten Arbeiten, besprechen sie, und die Editoren laden dann die Autoren ein, in der entsprechenden Zeitschrift zu publizieren. Ich persönlich mache alle meine Arbeiten über meine persönliche Homepage zugänglich. Die nicht digital geborenen Arbeiten habe ich eingescannt. Alle digital geborenen Arbeiten sind außerdem in arXiv.org zugänglich. Seit 1990 habe ich in jedem Buchvertrag verlangt, dass das Werk nach 4 Jahren oder 1200 verkauften Exemplaren im Internet frei zugänglich gemacht wird. Ich plane, meine Homepage der Bibliothek und emis.de zu vermachen mit dem Auftrag, sie weiter zu pflegen: dies sind dann meine elektronischen (digitalen) gesammelten Werke. Ich folge dabei einem Vorschlag des "Committee for Electronic Information and Communication" der Internationalen Mathematischen Union.

Wenn ich eine Arbeit suche, verwende ich MathSciNet und Zentralblatt-Math für publizierte Arbeiten. Falls meine Universität die Zeitschrift abonniert hat, kann ich gleich dort das pdf-file anklicken. Falls nicht, suche ich in arXiv.org oder suche die persönliche Homepage eines Autors. Scholar.google.com ist auch hilfreich, gibt allerdings Bücher nur seitenweise preis.

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