In seinem Gastkommentar "Sprachforschung: Zurück ins 19. Jahrhundert ..." für die Tageszeitung "Die Presse" vom 22.09.2015 (http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4826339/Sprachforschung_Zuruck-ins-19-Jahrhundert-) im Namen des Vorstands der Gesellschaft Österreichisches Deutsch behauptet Rudolf Muhr über die Entscheidungsverfahren des Wissenschaftsfonds FWF zum Spezialforschungsbereich (SFB) "Deutsch in Österreich" das Folgende:

Die Entscheidung wäre "… ohne (a) das übliche Peer-Reviewing, (b) ohne Befragung von einschlägig auf diesem Gebiet ausgewiesenen Experten in Österreich, (c) ohne eine gründliche Vorstudie – etwa im Delphi-Format –, die die zu erforschenden Desiderata eruiert, zustande gekommen … und (d) ohne eine öffentliche Ausschreibung, die eine Bewerbung anderer Institutionen ermöglicht hätte …"

Diese Behauptungen sind nicht nur nachweislich falsch, Herr Muhr hätte sich darüber hinaus sehr einfach über die Website des FWF die korrekten Informationen beschaffen können.

Spezialforschungsbereiche (SFBs) werden, wie alle anderen Forschungsprojekte des FWF, von internationalen FachgutachterInnen beurteilt. Dieses Prozedere ist in den allgemeinen Prinzipien des Entscheidungsverfahrens transparent beschrieben (www.fwf.ac.at/de/forschungsfoerderung/entscheidung-evaluation/entscheidungsverfahren/). Darin wird unter anderem festgehalten, dass GutachterInnen aus Österreich nicht involviert werden, um sowohl positive wie negative Befangenheiten soweit als möglich zu minimieren.

Das Programm SFB (www.fwf.ac.at/de/forschungsfoerderung/fwf-programme/sfbs/) wird einmal im Jahr ausgeschrieben und Konsortien aus WissenschafterInnen aller Fachdisziplinen in Österreich können sich mit einem Thema ihrer Wahl bewerben. Der FWF hält sich dabei in jeder Hinsicht an das Bottom-up-Prinzip, das heißt, er gibt weder Themen noch beteiligte Personen vor!

Dabei ist der Begutachtungsaufwand bei SFBs (www.fwf.ac.at/fileadmin/files/Dokumente/Downloads/sfb-abweichungen.pdf) aufgrund der vergleichsweise hohen Förderungssummen viel aufwendiger als bei anderen Programmen: Zunächst wird ein Konzept eingereicht, das von vier bis fünf internationalen FachexpertInnen begutachtet wird. Auf Basis dieser Gutachten werden die besten Konzepte vom Kuratorium des FWF eingeladen, einen Vollantrag zu verfassen. Diese Vollanträge werden dann wiederum von vier und mehr internationalen GutachterInnen schriftlich beurteilt. Anschließend findet mit diesen GutachterInnen und den AntragstellerInnen eine Präsentation und Diskussion des Antrags (Hearing) in Wien statt. Nach einer abschließenden Bewertung der GutachterInnen entscheidet letztendlich das Kuratorium des FWF, welche Anträge gefördert werden können. Aufgrund begrenzter Förderungsmittel können nicht immer alle als ausgezeichnet beurteilte Anträge gefördert werden.

Genau diesem Verfahren wurde auch der SFB "Deutsch in Österreich" unterzogen. Der SFB hat aufgrund einer einheitlich exzellenten Begutachtung sowohl bei der Evaluierung des Konzepts als auch des Vollantrags die Förderung erhalten.

Wenn Herr Muhr und der Vorstand der Gesellschaft Österreichisches Deutsch eine andere wissenschaftliche Position vertritt als die Geförderten, steht es ihnen nicht nur frei, ihre Argumente in der internationalen Fachliteratur vorzubringen, sondern sie können dafür auch über die verschiedenen Förderungsprogramme des FWF mit einem Thema ihrer Wahl die entsprechenden Mittel beantragen. Statistisch gesehen stehen die Chancen in den Sprach- und Literaturwissenschaften nicht schlecht, da diese Disziplinen eine Bewilligungsquote über dem Durchschnitt aufweisen (www.fwf.ac.at/de/ueber-den-fwf/foerderungsstatistiken/).

Es ist die Essenz von Wissenschaft, dass Thesen kritisiert und widerlegt werden können und müssen. Zur Redlichkeit in der Wissenschaft gehört es aber vor allem, dass die Kritik auf nachvollziehbaren Quellen beziehungsweise Daten beruht.

Kontakt:

Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation

Marc Seumenicht

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