Jahrespressekonferenz 2016
Im Bild: Kaufmännische Vizepräsidentin Dorothea Sturn (links) und Interimspräsidentin Christine Mannhalter © Für redaktionelle Zwecke bei Nennung der Quelle kostenfrei: FWF/Krisztian Juhasz

Das Präsidium des FWF analysierte im Jahresbericht die Entwicklung der Förderungstätigkeit im Jahr 2015 sehr detailliert. In der Jahrespressekonferenz wurde dies reflektiert und ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für den Wissenschaftsfonds und die Grundlagenforschung in Österreich gegeben. Abhängig vom Blickwinkel gab es im Jahr 2015 ereignisreiche, erfreuliche aber auch sorgenbereitende Momente.

Wechsel in der FWF-Führung, die FTFG-Novelle und ihre Folgen
Mitte August 2015 wechselte Pascale Ehrenfreund, die im September 2013 ihr Amt als FWF-Präsidentin angetreten hatte, als Vorstandsvorsitzende ans Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die vakant gewordene Position der Präsidentin wurde aufgrund der mit 1. Oktober 2015 gerade vor dem Inkrafttreten stehenden FTFG-Novelle (Forschungs- und Technologieförderungsgesetz) nicht unmittelbar nachbesetzt, sondern nach dem neuen Gesetz ausgeschrieben. Vizepräsidentin Christine Mannhalter stellte sich als Interimspräsidentin zur Verfügung, die zentralen Aufgaben der Präsidentin sowie die gesetzliche Vertretung nach außen bis zur Neubesetzung der Position wahrzunehmen.

Das novellierte Forschungs- und Technologieförderungsgesetz erforderte eine Neukonstituierung der Delegiertenversammlung und des Aufsichtsrats. Für erstere sah das neue FTFG erstmals einen Vorsitz vor. Die unter den Mitgliedern abgehaltene Wahl fiel dabei auf Josef Glößl, Vizerektor für Forschung und Internationale Forschungskooperation an der Universität für Bodenkultur Wien. Der Aufsichtsrat, dessen Aufgabe die Beratung und Kontrolle des FWF einerseits sowie strategische Planung und Entwicklung andererseits ist, konstituierte sich Mitte Dezember 2015. Dabei wurde Hans Sünkel, Professor für Theoretische Geodäsie an der Technischen Universität Graz und ehemaliger Rektor der TU Graz sowie ehemaliger Präsident der Universitätenkonferenz, zum Vorsitzenden gewählt.

Zur Lage der Forschung
Eine starke, freie und unabhängige Grundlagenforschung ist von zentraler Bedeutung für einen prosperierenden Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Der FWF leistet einen zentralen Beitrag beim Auf- und Ausbau von forschungsstarken Gruppen und Personen in Österreich, die auch international sehr sichtbar sind. Die jüngsten Erfolge Österreichs beim European Research Council (ERC) unterstreichen diesen Befund eindrucksvoll: Von elf ERC Advanced Grantees wurden zehn unter anderem vom FWF gefördert, d.h. sie weisen auch einen "FWF Track Record" vor.

"Die diesjährige hohe Zahl an ERC Advanced Grantees und ihre Verbindung zum FWF belegen einmal mehr den unmittelbaren Zusammenhang zwischen starken nationalen Förderungsstrukturen und dem erfolgreichen Einwerben von Drittmitteln auf europäischer Ebene", sagt FWF-Interimspräsidentin Christine Mannhalter, und weiter: "Wir freuen uns außerordentlich über das hervorragende Abschneiden Österreichs."

Zur Lage des FWF
Die Bedeutung von Drittmitteleinwerbung als Finanzierungskomponente und Performance-Indikator von Forschungsstätten sowie als Leistungsindikator für Wissenschafterinnen und Wissenschafter nimmt beständig zu. Der FWF hat dabei eine zentrale Rolle. Zurzeit laufen rund 2.300 vom FWF geförderte Forschungsprojekte, in welchen über 4.100 zumeist junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter beschäftigt werden. Während ein Teil von ihnen in der Forschung verbleibt, beleben die anderen durch neue, innovative Denkansätze und Methoden Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

"Dieser Effekt des Wissenstransfers wird leider häufig nicht ausreichend wahrgenommen und oft sehr unterschätzt", analysiert Christine Mannhalter, und weiter: "Die Grundlagenforschung in Österreich und mit ihr der FWF leisten einen zentralen Beitrag zur kulturellen Entwicklung, zum Ausbau der wissensbasierten Gesellschaft und zur Steigerung von Wertschöpfung und Wohlstand in Österreich."

Insgesamt bewilligte der FWF im vergangenen Jahr 655 Projekte, das Gesamtbewilligungsvolumen lag bei 204,7 Mio. € (2014: 211,4 Mio. €). Dies bedeutet erstmals seit dem Krisenjahr 2009 eine rückläufige Bewilligungsentwicklung. Die Anträge hingegen steigen weiterhin an, so kam es vor allem im Bereich der Internationalen Mobilität (+ 17,6 %) und der Karriereentwicklung für Wissenschafterinnen (+ 16,5 %) zu massiven Antragssteigerungen. Als Resultat der gegenläufigen Entwicklungen von Anträgen und Bewilligungen sank die Bewilligungsquote weiter ab, diese lag im Jahr 2015 bei 20,3 % (ohne koordinierte Programme: SFB, DK).

Mit den Ansprüchen an kompetitive Forschungsförderung im Allgemeinen und an Förderungsorganisationen wie den FWF im Besonderen sollte auch das Forschungsförderungsbudget, das derzeit der wachsenden Nachfrage klare Grenzen setzt, steigen. Eine Senkung der Bewilligungsquoten unter das derzeitige Niveau ist ökonomisch ineffizient, weil viele, vor allem humane Ressourcen in sehr gute Projektanträge gesteckt werden, die letztlich – rein aus Geldmangel – nicht bewilligt werden könnten.

Befund und Ausblick
Dem FWF ist es in den letzten Jahren gelungen, für die Initiierung und Finanzierung von Grundlagenforschungsprojekten neue Partner zu gewinnen. Im „Matching-Funds-Programm“ finanzierte der FWF gemeinsam mit den Bundesländern aus Mitteln der Nationalstiftung zusätzliche Projekte zu jeweils gleichen Teilen. Diese Initiative hat sich mit einem Volumen von etwa 2,5 Mio. € vonseiten der Bundesländer erfreulich verstetigt, insbesondere das Bundesland Tirol zeigt sich als ein aktiver Partner. Ebenfalls erfolgreich weitergeführt werden konnte der aus privaten Stiftungsmitteln finanzierte Weiss-Preis, der zuletzt im Bereich der Anästhesie vergeben wurde. Ganz neu und gerade erst in Ausschreibung befindlich ist der ebenfalls aus privaten Mitteln finanzierte ASMET-Forschungspreis, der mit 300.000 € die Metallforschung in Österreich stärken soll. Die Christian-Doppler-Gesellschaft beauftragte den FWF im Rahmen der Initiative "Partnership in Research" für eine Million Euro Grundlagenforschungsprojekte mit künftigem Anwendungspotenzial, aber noch ohne Unternehmenspartner, auszuschreiben. Wenngleich sich der FWF bemüht, zusätzliche Förderungsmittel für die Wissenschaft aufzutreiben, so können und sollen diese Partnerschaften die öffentliche Basisfinanzierung des FWF nicht kompensieren.

"Neben den dringend notwendigen zusätzlichen Mitteln für die Grundlagenforschung zeigen diese Initiativen eine zunehmend breiter werdende Wahrnehmung der Bedeutung von Grundlagenforschung als Fundament für Innovationen", so Dorothea Sturn, Kaufmännische Vizepräsidentin des FWF, und weiter: "Wir setzen auf die Vorbildwirkung dieser Initiativen und erhoffen uns einen weiteren Ausbau dieser Zuwendungen an den FWF in der Zukunft."

Sehr aktiv und international zunehmend sichtbar sind die Open-Access-Aktivitäten des FWF. Hier ist es in den letzten Jahren gelungen – laut Studien des EU-Netzwerkes PASTEUR4OA – eine der sechs effektivsten Open Access Policies einer Förderungsorganisation weltweit zu etablieren. Konkret bedeutet dies unter anderem, dass 83 % der 4.600 qualitätsgeprüften Publikationen, gelistet in den Endberichten 2015, Open Access waren. Für den FWF ist dies Bestätigung und Auftrag zugleich, weiter in diesem Bereich federführend aktiv zu sein.

Eine Neuerung wird es im Bereich der strukturierten Doktoratsausbildung geben: Nach zehn Jahren Aufbauarbeit und Finanzierung beendete der FWF die Doktoratsförderung in der jetzigen Form. Zukünftig sollen strukturierte Doktoratsprogramme von den Universitäten selbst initiiert werden, die dann für die thematische Ausrichtung, die Schaffung entsprechender Strukturen und Rahmenbedingungen sowie den Aufbau, die Finanzierung und die Qualitätssicherung verantwortlich sein werden. In enger Abstimmung mit DK-Sprecherinnen und -Sprechern, mit der Universitätenkonferenz und der Aufsichtsbehörde wurde ein Nachfolgeprogramm konzipiert und im März 2016 beim Österreich-Fonds eingereicht: Demnach sollen ab 2017 im Rahmen des neuen Programms "doc.funds" Mittel zur Finanzierung von Doktorandinnen und Doktoranden sowie für ausbildungsbezogene Leistungen von Forschungsstätten mit Promotionsrecht beim FWF eingeworben werden können.

"Der FWF wird auch in Zukunft ein aktiver Partner der Forschenden, der Forschungseinrichtungen, der Politik sowie anderer Organisationen und Stakeholder sein, um Österreichs Innovationssystem zu verbessern und es in Richtung der ‚Innovation Leaders‘ zu bringen", so Christine Mannhalter und Dorothea Sturn unisono. "Eine Erhöhung des Anteils an kompetitiv eingeworbenen Drittmitteln ‚Marke FWF‘ wäre dabei eine Win-Win-Situation für alle beteiligten Player und Stakeholder", so Mannhalter und Sturn abschließend.

Links

FWF Zahlen & Fakten 2015(pdf, 555KB)

FWF-Jahresbericht 2015(pdf, 3.4MB)

FWF-Jahresberichte (Archiv)

Kontakt:

Marc Seumenicht
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation

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