Bereits fünf Tage vor der Budgetrede von Finanzminister Hartwig Löger präsentierte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann einen Teil seiner Pläne für die kommenden Jahre. Der Wissenschaftsfonds (FWF), Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung, erhält demnach für den Zeitraum 2018 bis 2021 zusätzlich 110 Millionen Euro. Bereits bekannt waren die Mittel der Nationalstiftung sowie des Österreich-Fonds für den FWF, die 2018 zusammen rund 40 Millionen Euro betragen werden. Das Grundbudget des FWF liegt derzeit bei jährlich 184 Millionen Euro.

Die nun erfolgte Budgeterhöhung für den FWF ist ein erstes, positives Signal in die richtige Richtung. Dennoch: „Mit diesen zusätzlichen Mitteln kann lediglich der Stillstand der vergangenen acht Jahre korrigiert werden. Der große Schritt muss aber noch gesetzt werden, um die ambitionierten Ziele des Regierungsprogramms zu erfüllen und Österreich an die Innovation Leader Europas heranzuführen“, so FWF-Präsident Klement Tockner. Positiv vernommen wurde bereits bei der Präsentation des Regierungsprogramms die Tatsache, dass die neue Bundesregierung erkannt hat, dass nur eine massive, finanzielle wie ideelle Aufwertung der direkten Forschungsförderung im qualitätsgetriebenen Wettbewerb und in der Grundlagenforschung dazu führt, international im Spitzenfeld mithalten zu können. „Wenn wir uns in Österreich für Exzellenz, Spitzenforschung und einen zukunftsorientierten Ansatz entscheiden wollen, dann gibt es zu diesem Weg einfach keine Alternative. Denn begnügt man sich in der Forschung nur mit einer Position im Mittelfeld, so fällt man de facto zurück“, so Tockner weiter.

Trotz der nun erfolgten Budgeterhöhung bleibt der FWF noch weit vom relativen Budget-Niveau etwa der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entfernt, das zumindest notwendig wäre, um im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe und kreativsten Ideen mithalten zu können. Klement Tockner würdigte zugleich die Kraftanstrengung des Ministeriums, zusätzliche Mittel für den Wissenschaftsfonds bereitzustellen. Zudem erwartet er, dass der FWF in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Wissenschaftsrat zeitnah mit der Ausarbeitung eines Exzellenzprogramms für Österreich beauftragt wird. Dies forderte zuletzt auch der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) in seiner Empfehlung vom 22. März 2018.

Dass die Budgeterhöhung geringer ausgefallen ist als ursprünglich in Aussicht gestellt, schmerzt und kann nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeit insbesondere der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Landes bleiben. Unter anderem ist fraglich, ob die vor einigen Jahren wegen Budgetknappheit eingeführte Beschränkung der Zahl der laufenden Projekte pro Forscherin bzw. Forscher wie geplant aufgehoben werden kann. Zuletzt ist – wohl auch aufgrund der hohen Erwartungshaltung auf die in Aussicht gestellte Budgeterhöhung – die Nachfrage nach FWF-Mitteln massiv gestiegen. Grundsätzlich ist das eine äußerst positive Entwicklung – umso enttäuschender und folgenreicher ist es für die Exzellenz am Forschungsstandort Österreich, wenn die gestiegenen Erwartungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht erfüllt werden können. „Wir werden im FWF auf Basis der aktuellen Budgetvorgaben nun unsere ambitionierte und bereits ausgearbeitete Strategie für die kommenden Jahre den neuen budgetären Gegebenheiten anpassen müssen“, betont FWF-Präsident Tockner.

Unantastbar bleibt für den FWF-Präsidenten der zentrale Leitgedanke des Wissenschaftsfonds, den qualitätsgetriebenen Wettbewerb im Bereich der Grundlagenforschung langfristig zu stärken. „Auf keine andere Weise kann internationale Spitzenforschung in Österreich gewährleistet werden“, zeigt sich Klement Tockner überzeugt. „Nach der so wichtigen Erhöhung der Mittel für die Universitäten braucht Österreich auch einen massiv gestärkten FWF. Nur so werden wir zu einem der attraktivsten Standorte in Forschung, Innovation und Ausbildung in Europa. Neben der Reputation der Universitäten und Forschungseinrichtungen ist eine nachhaltige, wettbewerbliche Forschungsförderung wie jene des FWF maßgeblich, damit die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Österreich kommen und bleiben“, so Tockner abschließend.

Kontakt:

Marc Seumenicht
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation

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