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Presseaussendung Braunbären: Fortpflanzung mit List und Tücke Weibliche Braunbären "treiben es" mit vielen Partnern - aber nicht aus Lust, sondern als Teil einer ausgeklügelten Strategie zum Schutz des zukünftigen Nachwuchses. Diese überraschende Erkenntnis ist das Ergebnis eines umfangreichen Projekts des Wissenschaftsfonds FWF, für das Bärenpopulationen in Skandinavien intensiv in freier Wildbahn beobachtet wurden. Die heute publizierten Daten aus über zwanzig Jahren tragen zu einem besseren Verständnis dieser in Europa wieder heimisch werdenden Art bei.
Tod dem anderen Gen Aus dieser instinktiven Vorgehensweise ergeben sich für den individuellen Braunbären gleich zwei Vorteile: Zum einen werden jene Jungbären eliminiert, die Gene eines anderen Vaters weitervererben würden; zum anderen kann das nun empfängnisbereite Weibchen mit den eigenen Erbanlagen befruchtet werden. Für das weibliche Muttertier hat die Tötung des eigenen Wurfes einen bedeutenden Nachteil: Eine Generation mit ihren Erbanlagen geht verloren. Das Team der Universität für Bodenkultur konnte nun analysieren, dass in jenen Bärenpopulationen, wo diese Tötungen des Nachwuchses gehäuft auftraten, die Bärenweibchen eine Gegenstrategie entwickelt haben. Schutz durch Promiskuität Paart sich das Weibchen mit mehreren Männchen, ist keineswegs immer der erste Partner der biologische Vater. Vielmehr legt die Studie den Schluss nahe, dass Bärenweibchen die Möglichkeit haben, ihren Eisprung zu kontrollieren, und sich erst nach der Befruchtung für die Spermien eines bestimmten Partners entscheiden. Obwohl noch nicht geklärt ist, wie dies möglich ist, zeigen die Daten, dass bei der Wahl des Vaters insbesondere zwei Kriterien eine wichtige Rolle spielen: die Körpergröße und der Grad an Mischerbigkeit - also die Vielfalt der Erbinformation. Letztere erlaubt eine größere genetische Vielfalt innerhalb des Wurfes und damit bessere Überlebenschancen für die gesamte Population. Diese überraschenden Erkenntnisse über die fein aufeinander abgestimmten Fortpflanzungs-Strategien wurden möglich durch umfangreiche Beobachtung von europäischen Braunbären in Skandinavien. Um das Verhalten der Bären zu studieren, wurden zwischen den Jahren 1984 und 2003 erwachsene Braunbären sowie Weibchen mit ihren Jungen eingefangen und mit Radiotransmittern ausgestattet. Die nun im Rahmen des FWF-Projekts ausgewerteten Daten leisten einen wichtigen Beitrag zum bisher kaum erforschten Paarungsverhalten von europäischen Braunbären, die auch in Österreich zunehmend wieder heimisch werden. Originalpublikation vom 02. November 2005: The dilemma of female mate selection in the brown bear, a species with sexually selected infanticide. Proceedings of the Royal Society, - Biological Sciences. doi:10.1098/rspb.2005.3331 Wissenschaftlicher Kontakt Der Wissenschaftsfonds FWF Redaktion & Aussendung Wien, 02. November 2005
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