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Presseaussendung
FWF im Spannungsfeld der
Umgestaltung der österreichischen Forschungsförderungsszene
Bedeutung und Konsequenzen der internationalen
Evaluierung
Bei der heutigen Pressekonferenz präsentierten Professor Wick in
seiner Funktion als Präsident des FWF gemeinsam mit Erik Arnold,
Technopolis U.K., und Andreas Schibany, Joanneum Research, als Repräsentanten
des Evaluierungs-Konsortiums Ergebnisse der internationalen Analyse des
Wissenschaftsfonds. Neben den Ausführungen der beiden Evaluierungsexperten
zielte Professor Wick vor allem darauf ab, die ersten Umsetzungsschritte
des FWF als Konsequenz der Evaluierungsergebnisse zu beschreiben.
Rückenwind für den FWF - das Kerngeschäft wird exzellent
erledigt
Lob und Anerkennung von überaus kompetenter Seite ist ein wertvolles
Gut. Der FWF wird für die Erfüllung seines gegenwärtigen
Kerngeschäfts sehr gelobt. Die Wichtigkeit der fünf Eckpfeiler
des Selbstverständnisses des FWF: Autonomie, Gleichbehandlung aller
Wissenschaftsgebiete, Bottom-up-Forschung, International Peer-Review und
Projektqualität als einziges Auswahlkriterium wurden im Rahmen der
Evaluierung anerkannt und bestätigt. Die Wirkungsanalyse - so betont
Andreas Schibany - belegt die Wichtigkeit der Arbeit des FWF und zeigt
eindrucksvoll, dass der wissenschaftliche Output und der erreichte Impact
beachtlich sind. Die Fortsetzung des Kerngeschäfts steht für
die internationalen Evaluatoren außer Streit. Gleichzeitig ist der
Wissenschaftsfonds gut beraten, die geäußerten Kritikpunkte
und die Fülle an Anregungen ebenfalls sehr ernst zu nehmen.
Neue Aufgaben, neue Mittel
Im Zuge der internationalen Evaluierung wurde unter anderem folgende Schlussfolgerung
gezogen: Die Dotierung des FWF hält gegenwärtig bei weitem nicht
internationalen Vergleichen stand und soll deshalb nachhaltig erhöht
werden. Dem Präsidenten des FWF war und ist aber dabei immer eines
wichtig: Zuerst ist man gefordert zu erklären, wofür man ein
Mehr an Mitteln einsetzen möchte; dann erst soll genannt werden,
in welchen Dimensionen sich der Mehrbedarf bewegt. Wenn Themen wie "zusätzliche
Dotierung von Overheadkosten und Mittel zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur
an Universitäten" von unabhängiger Seite zur Umsetzung
empfohlen werden, dann freut das doppelt. Die Leitung des FWF liegt damit
ganz auf Linie des Evaluierungskonsortiums.
Neue Herausforderungen in autonomen Strukturen
Der wohl umfassendste Kritikpunkt der Evaluatoren betrifft den Umstand,
dass der Wissenschaftsfonds sich neuen Herausforderungen in nur unzureichendem
Maße gestellt und in diesem Sinne strukturkonservativ agiert hat.
So sei bislang das Potenzial, sich in strategische Fragestellungen der
Forschungsförderung einzubringen, nicht eingesetzt worden. Der Ansatz,
sich ausschließlich auf die Bottom-up-Forschungsförderung zu
konzentrieren, gilt den Ergebnissen der internationalen Evaluierung folgend
nicht mehr als zeitgemäß. Sich hier neu zu positionieren wird
als zentrale Herausforderung des Wissenschaftsfonds gesehen. Der FWF ist
bereit, von der exzellenten Grundlagenforschung ausgehend die Förderungslücke
zu verkleinern bzw. ganz zu schließen.
Die am 24. Mai 2004 erfolgte Ausschreibung des "Translational-Research-Programms
des FWF" - der Übersetzung von reiner Grundlagenforschung in
anwendungsnahes Wissen - ist ein erster konkreter Schritt, der beweist,
wie ernst die Ergebnisse der internationalen Evaluierung genommen werden.
Gegenwärtig wird auch die interne Organisationsstruktur des FWF umgestaltet,
um die strategische Komponente der Forschungsförderung, die Programmentwicklung
und die Internationalisierung des Wissenschaftsfonds weiter zu stärken.
So soll sichergestellt werden, dass sich der Wissenschaftsfonds in Österreich,
aber auch im entstehenden europäischen Forschungsraum aktiv in gewohnter
Qualität einbringen kann.
Begrüßt wird vom FWF auch die Abwicklung von strategischen
Forschungsprogrammen, wie sie von den Evaluatoren angeregt und empfohlen
wird. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Wissenschaftsfonds frühzeitig
in den Strategieprozess, d. h. in die Themenauswahl eingebunden wird.
Der Präsident des FWF, Professor Wick ist voller Zuversicht, dass
der FWF auch in diesem Zusammenhang sehr schnell eine wichtige Rolle als
umfassender und zuverlässiger Partner der österreichischen Forschungspolitik
einnehmen kann. In Anspielung an eine Darstellung des Evaluierungsteams
merkt Professor Wick an: "Wir erweitern unser Portfolio. Neben der
Antwort auf den Forscherdrang (Science push) tritt die vermehrte Berücksichtigung
der gesellschaftlichen Bedürfnisse (Demand pull)."
Das FTFG vor der parlamentarischen Behandlung
Auch das FTFG, wie es vom Ministerrat beschlossen wurde, sieht Bestimmungen
vor, die als Konsequenz der Ergebnisse der internationalen Evaluierung
zu verstehen sind. Die Verschlankung der Führungs- und Steuerungsstrukturen
(Stichwort: Governance) des Wissenschaftsfonds sind dazu zu zählen.
Nicht zufrieden ist der FWF mit geplanten Regelungen hinsichtlich des
Aufsichtsrates. Die Erstellung eines Wahlvorschlages für den FWF-Präsidenten
durch den Aufsichtsrat und nicht - wie bisher vorgesehen - durch die Delegiertenversammlung
ist ein schwerer Eingriff in die Autonomie des Fonds. Verschärft
wird dieser Eingriff durch die Regelung, dass sich die Bundesregierung
jederzeit eine Mehrheit im Aufsichtsrat verschaffen kann. Wick abschließend:
"Der politische Durchgriff wäre damit perfekt."
Rückfragen:
Mag. Stefan Bernhardt, MBA
Wien, 2. Juni 2004
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