|
Presseaussendung
FWF-Jahrespressekonferenz: "Harte Zeiten
für die österreichische Grundlagenforschung"
Mit rund 148 Mio. EUR im Jahr 2009 fiel das Bewilligungsvolumen des
FWF um rund 28 Mio. EUR unter das Rekordniveau 2008 von 176 Mio. EUR.
Die neue, solide Finanzierungsbasis durch das BMWF beginnt im Jahr 2010
zu greifen.
Bei der heutigen Jahrespressekonferenz des Wissenschaftsfonds FWF zog
Präsident Christoph Kratky Bilanz über das Jahr 2009 und gab
im Lichte seiner Wiederwahl als Präsident einen Ausblick auf die
wichtigsten Vorhaben des FWF im Jahr 2010.
Wachstumspfad wurde verlassen
Nach Jahren mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 9 Prozent per annum
erfolgte im Jahr 2009 - dem krisenbedingt fast sechs Monate andauernden
Bewilligungsstopp geschuldet - ein Einbruch im FWF-Bewilligungsvolumen.
Das Gesamtbewilligungsvolumen reduzierte sich von 176 Mio. EUR im Vorjahr
auf knapp 148 Mio. EUR. Dieser Rückgang ist in absoluten Zahlen der
stärkste Abfall des Bewilligungsvolumens in der über 40-jährigen
Geschichte des Wissenschaftsfonds. Als Konsequenz wurde der Wettbewerb
um die knapperen Forschungsmittel spürbar härter als in den
Vorjahren. Von erstrebenswerten Bewilligungsraten um die 40 Prozent ist
der FWF gegenwärtig weit entfernt. Die Bewilligungsrate über
alle FWF-Programme gerechnet lag 2009 bei 34 Prozent (Anzahl) bzw. bei
24,3 Prozent (Beträge); im Vorjahr lagen die entsprechenden Werte
noch bei 43 Prozent (Anzahl) bzw. 32 Prozent (Beträge). Daraus ist
erkennbar, wie sehr die Wettbewerbsintensität im Bereich der Drittmitteleinwerbung
Marke FWF im Berichtszeitraum zugenommen hat.
Neue Qualität für die FWF-Finanzierungsbasis
So unerfreulich diese Entwicklung war, so sehr kann darauf hingewiesen
werden, dass sich ab dem Jahr 2010 die solide Finanzierungsbasis des Wissenschaftsfonds
auch auf die Entwicklung des Bewilligungsvolumens auswirken wird. Jene
Finanzierungslücke, die sich im Jahr 2009 im Ausmaß von 70
Mio. EUR aufgetan hatte, konnte auf Basis einer mittelfristigen, bis in
das Jahr 2013 reichendenden Budgetzusage durch das BMWF geschlossen werden.
In einer "Marathonsitzung" im Mai 2009 wurde aus der prall gefüllten
Projekt-Pipeline der Überdruck genommen und der FWF konnte nach einem
annähernd halbjährigen Bewilligungsmoratorium seine Entscheidungstätigkeit
wieder aufnehmen. Das Gesamt-Bewilligungsvolumen soll - inklusive der
Beauftragung für das Translational-Research-Programm durch das BMVIT
- im Jahr 2010 laut Finanzplanung rund 170 Mio. EUR betragen. "Angesichts
der Ausgangssituation, in der wir uns befunden haben, ist es gelungen,
in Sachen Planbarkeit und Kontinuität des Finanzmittelzuflusses 2009
einen entscheidenden positiven Impuls trotz erheblich reduzierter Budgets
für Neubewilligungen zu setzen.", resümiert Christoph Kratky.
Und weiter: "Ich möchte allen danken, die dazu beigetragen haben,
die prekäre Situation zu Beginn des Berichtszeitraums in eine stabile
Arbeitsbasis verwandelt zu haben."
Akzente im Bereich der Nachwuchspflege
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hat der Wissenschaftsfonds im
Jahr 2009 bewusst Akzente in jenen Programmen gesetzt, die insbesondere
dem Ausbau der wissenschaftlichen Humanressourcen des Landes dienen. So
wurden beispielsweise mit acht neu bewilligten Doktoratskollegs Strukturen
finanziert, die Spitzenforschungs-arbeitsplätze für bis zu 176
KollegiatInnen an österreichischen Hochschulen schaffen. Das Bewilligungsvolumen
bei den Doktoratskollegs erreichte 2009 mit 18,2 Mio. EUR einen bis dato
unerreichten Rekordwert. Ebenfalls forciert wurden die Programme zur "Karriereentwicklung
von Wissenschafterinnen" sowie die Mobilitätsprogramme des Wissenschaftsfonds.
Per 31.12.2009 hatte der FWF erstmalig mehr als 3.300 wissenschaftlich
arbeitenden, vorrangig junge Menschen auf seiner "Payroll".
Diese positive Entwicklung ist den Rekordbewilligungsvolumina der Vorjahre
geschuldet.
Die wichtigsten Vorhaben für das Jahr 2010
Als wichtigste Maßnahme im Jahr 2010 wird der FWF sein Kerngeschäft
stärken sowie die Programme zur Erweiterung der Humanressourcen ausbauen.
Angesichts der krisenbedingt kleiner werdenden öffentlichen Haushalte
wird es auch darum gehen, dass neben der gesicherten Finanzierungsbasis
des FWF neue, zusätzliche Formen der Mittelaufbringung für Investitionen
in gute Grundlagenforschung erschlossen werden können. Strukturell
entscheidende Weichenstellungen herbeizuführen, wie die Etablierung
der Exzellenzcluster oder die derzeit ausgesetzte Abgeltung von Overheadkosten
für bewilligte Projekte, wird auf der Wunsch-Agenda des Wissenschaftsfonds
bleiben.
Zusätzlich wird es notwendig sein, stärker als bisher auf die
Bedeutung der Grundlagenforschung für Österreich im politischen
Diskurs hinzuweisen. Die gegenwärtig an Intensität zunehmende
Diskussion, wo und wie öffentliche Mittel in das österreichische
Innovationssystem investiert werden sollen, was Staatsaufgaben sind und
was nicht, wird weiter zu führen sein.
Wien, 26. März 2010
Rückfragen
Mag. Stefan Bernhardt
nach oben
|