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Presseaussendung Rote Äpfel - Quantensprung im Denken In einem Alter von etwa vier Jahren erlangen Kinder sprunghaft die Fähigkeit zu erkennen, dass ein Objekt je nach Perspektive unterschiedlich beschrieben werden kann. Diese so scheinbar einfache Leistung ist allerdings erst aufgrund kognitiver Veränderungen möglich, die genau in diesem Alter weit genug vorangeschritten sind. Zu diesem Ergebnis kam man nun im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF an der Universität Salzburg im Fachbereich Psychologie. Die Untersuchung trägt damit auch zum besseren Verständnis von Entwicklungsbeeinträchtigungen wie Autismus und Aufmerksamkeitsstörung bei. Vor dem vierten Lebensjahr können Kinder Objekte sehr gut klassifizieren - und sich so bereits in einer komplexen Welt zurechtfinden. Sie sortieren mühelos Objekte wie z. B. rote Äpfel entweder nach Farbe oder Form. Wurde ein Apfel allerdings erstmal als APFEL eingeordnet, ist das Objekt für sie endgültig klassifiziert. Den Apfel auch noch als ROT zu sehen, ist nicht nötig und - auch nicht möglich. Denn um zu verstehen, dass ein Objekt beides gleichzeitig sein kann, bedarf es quasi eines kognitiven Quantensprungs. ROT aber nicht APFEL Für Dr. Kloo stellte sich nun die Frage, ob Kinder vor diesem Alter
überhaupt schon in der Lage sind, Eigenschaften bei gleichzeitiger
Wahrnehmung voneinander zu unterscheiden. Dazu Dr. Kloo: "Durch eine
simple Erweiterung der Versuchssituation konnten wir zeigen, dass Dreijährige
tatsächlich gleichzeitig mit den Eigenschaften ROT und APFEL arbeiten
- allerdings nur, solange die beiden Eigenschaften nicht zum selben Objekt
gehören. Durch Verwenden einzelner Spielkarten mit zum Beispiel einem
roten Kreis und einem farblosen Apfel konnten die Dreijährigen den
roten Kreis nach der Farbe sortieren und den Apfel nach der Form. So konnten
wir sehr schön belegen, dass bereits Dreijährige fähig
sind, Eigenschaften bei gleichzeitiger Wahrnehmung voneinander zu unterscheiden,
und dass wohl speziell das Umbeschreiben eines Objekts Schwierigkeiten
bereitet." Diese Aufspaltung der Eigenschaften auf zwei Objekte hat jedoch bei Erwachsenen nicht die gleichen Auswirkungen: Denn ihnen erleichtert dies die Sortier-Aufgabe nicht wesentlich - ein Hinweis darauf, dass die Art zu denken sich bei ihnen grundlegend verändert hat. Hürde auch für Erwachsene Für sie deuten die Ergebnisse sogar an, dass mit etwa vier Jahren die Voraussetzungen für Verhaltensweisen wie Einfühlungsvermögen, Respekt und damit Toleranz geschaffen werden. Die mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF gewonnenen Ergebnisse geben damit nicht nur neue Einblicke in die neuropsychologischen Veränderungen im Laufe der menschlichen Entwicklung, sondern liefern Hinweise auf Interventionsmöglichkeiten bei Entwicklungsbeeinträchtigungen wie Autismus und Aufmerksamkeitsstörungen. Wissenschaftlicher Kontakt Der Wissenschaftsfonds FWF Redaktion & Aussendung Wien, am 17. Juli 2006
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