![]() ![]() |
![]() |
| |
|
|
Die Kunst zu überleben: Private Kunstsammler in der UdSSR Die international erste Gesamtdarstellung privater Kunstsammlungen
in der UdSSR kommt aus Österreich und ist jetzt als Buch veröffentlicht
worden. Auf Grundlage von bisher großteils unveröffentlichtem
Material wird darin gezeigt, wie die lang repressierte private Sammlergemeinde
die Sowjetzeit "überlebte" - und so kulturelles Erbe sicherte.
Möglich wurde das Buch durch intensive Forschung im Rahmen einer
Hertha-Firnberg-Stelle, die vom Wissenschaftsfonds FWF finanziert wurde.
Das Werk zeichnet dabei nicht nur ein umfassendes Bild von privaten KunstsammlerInnen
in der ehemaligen Sowjetunion, sondern räumt gleichzeitig mit gängigen
Mythen auf. Das Ergebnis ist eine international einzigartige Darstellung der Entwicklung und Eigenschaften des privaten Sammelmarktes in der Sowjetunion, eines Marktes, der offiziell nicht existierte. Unter dem Titel "Gerettete Kultur: Private Kunstsammler in der Sowjetunion, 1917-1991" schildert Dr. Waltraud Bayer von der Universität Graz, Institut für Geschichte, die Situation von der Revolution bis zur Perestrojka. Dabei zeigt sie detailreich, welche konkreten Voraussetzungen SowjetbürgerInnen erfüllen mussten, um Kunst ansammeln zu können. Schutzurkunden Aufgrund neuer Erkenntnisse räumt das Buch auch mit dem Mythos einer ständigen Konfrontation zwischen privater Sammlergemeinde und Staatsapparat auf. Vielmehr zeigt das Quellenmaterial, dass die beiden Kontrahenten wiederholt zur Zusammenarbeit bereit waren: Die wenigen übrig gebliebenen KunstsammlerInnen kooperierten oftmals mit dem sowjetischen Regime und erhielten bei politischem Wohlverhalten "Schutzurkunden". Gerettete Kultur Dieses Verdienst der KunstsammlerInnen wurde mit der Perestrojka schließlich auch gewürdigt. Die öffentliche Anerkennung zuvor verborgener Kunstwerke führte zu einem Boom an Ausstellungen. Einheimische SammlerInnen, die zu Sowjetzeiten vor allem durch kulturelles Fachwissen und gute Kontakte profitierten, konnten diese neuen Bedingungen jedoch nicht lange nutzen. Denn nach dem Umbruch wurden hohe finanzielle Mittel immer wichtiger - nicht selten übernahm eine neue ökonomische Elite ganze Kollektionen von ihren VorgängerInnen. Erst aufwändige Recherchen in staatlichen wie privaten Archiven, Bibliotheken, Sammlungen und Museen im Rahmen einer Hertha-Firnberg-Stelle - eines Programms des FWFs zur Förderung von Frauen zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere - machten diese Erkenntnisse möglich. Recherchiert wurde dabei erstmals nicht nur in den kulturellen Zentren Moskau und St. Petersburg, sondern auch in vielen anderen Teilen der ehemaligen UdSSR. Einzigartig ist aber auch die Einbeziehung konkreter Einzelfälle auf Grundlage von 100 Kurzbiographien und Interviews. Aufgrund dieser in die Tiefe gehenden Untersuchungen und der neuen Erkenntnisse stellt das Buch nun eine hohe Messlatte für zukünftige Publikationen dar. Waltraud Bayer, Gerettete Kultur: Private Kunstsammler in der Sowjetunion, 1917-1991. Turia + Kant, Wien 2006, ISBN 978-3-85132-463-1 Weitere Information: www.waltraudbayer.at Wissenschaftlicher Kontakt Der Wissenschaftsfonds FWF Wien, 18. Dezember 2006
|
|
|||||||||||
|
|
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) Haus der Forschung, Sensengasse 1, A-1090 Wien T +43-1-505 67 40 F +43-1-505 67 39 office@fwf.ac.at - www.fwf.ac.at |
|