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VW-Käfer: Österreichisches Nationalgefühl dank deutscher Wertarbeit? Dass Österreichs BewohnerInnen sich heute als echte ÖsterreicherInnen fühlen, haben sie auch einem deutschen Auto zu verdanken: dem VW-Käfer. Dies ist das erste Ergebnis eines Projektes des Wissenschaftsfonds FWF, das untersucht, inwiefern Konsumgüter die Bildung der österreichischen Nation beeinflusst haben. Dabei zeigt sich, dass der "Volkswagen" in den entscheidenden Jahrzehnten der Nationsbildung zum Identifikations- und Integrationsobjekt der ÖsterreicherInnen wurde. In einem nächsten Schritt wird nun auch der Einfluss von Lebensmitteln auf diesen Prozess untersucht. Dass der lahmende Autoabsatz in der derzeitigen Finanzkrise das Nationalgefühl der ÖsterreicherInnen erschüttert, wird wohl kaum Bestätigung finden. Umgekehrt belegt ein Projekt des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien zum Thema "Produkte und die Konstruktion der österreichischen Nation" nun jedoch, dass die starke Präsenz und Verbreitung einer bestimmten Automarke in den Nachkriegsjahrzehnten wesentlich den Aufbau eines österreichischen Gemeinschafts-Gefühls unterstützt hat. Diese Leistung hat der deutsche VW-Käfer erbracht. Ein Produkt, das nicht inländisch war und am österreichischen Markt auch nicht "austrifiziert" wurde, z. B. durch Österreich-betonte Werbung. Der Käfer war jedoch das erste Auto, das für die breite Masse von ÖsterreicherInnen leistbar war und so einen Großteil der Bevölkerung in den Prozess der Motorisierung integrierte. Dadurch ergab sich eine kollektive Identifikation der ÖsterreicherInnen mit "ihrem" Volkswagen, was auch das allgemeine Wir-Gefühl stärkte. Symbol auf vier Rädern 1957 wurde in Österreich mit dem Steyr Puch 500, Modell Fiat, auch ein eigener "Volkswagen", ein erschwingliches Auto aus heimischer Produktion, auf den Markt gebracht. Als Auto, das speziell auch zur Bewältigung der alpinen Landschaft geeignet sei, sollte dieses Symbolcharakter für die ganze Nation haben. Das österreichische Auto schlechthin, der wahre Volkswagen blieb jedoch der Käfer, wie das Projekt aufzeigt: Während der Steyr Puch 1958, in seinem besten Jahr kurz nach seinem Markteintritt, nur einen Anteil von rund 12 Prozent an den Neuzulassungen erreichte, hielt der Käfer lange bei einem Fünftel der Neuzulassungen und schaffte zu seinen besten Zeiten bis zu 27 Prozent. Deutschland - in oder out? Im Rahmen des Projektes wurde bisher primär die Bedeutung von Autos untersucht, deren Erwerbung in der Regel intensive Kaufüberlegungen vorangehen. In einem nächsten Schritt stehen nun auch Nahrungsmittel - relativ billige Produkte von alltäglicher Notwendigkeit - im Fokus. So wird uns das FWF-Projekt in Zukunft auch wissen lassen, wie Kaffee von Julius Meinl, Almdudler oder Fast Food von McDonalds das nationale Selbstverständnis der ÖsterreicherInnen geprägt haben.
Der Wissenschaftsfonds FWF Redaktion & Aussendung
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