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Presseaussendung Streitfall Evolution - FWF-Präsident
Wick befürchtet Rückfall in die Gegenreformation -
Der Präsident des Wissenschaftsfonds nimmt zu der von Kardinal Schönborn
ausgelösten Diskussion Stellung Für den FWF, der als zentrale Förderinstitution der Republik Österreich alle Wissenschaftsdisziplinen ohne Vorbehalte - ausschließlich nach internationalen Qualitätsstandards - fördert, zeigt die derzeit laufende Diskussion über den Streitfall Evolution und "Intelligent Design" sehr eindrucksvoll, wie schwierig ein Dialog zwischen Wissenschaft und Religion sogar heute noch sein kann. Die dabei mitschwingende Emotionalität macht darüber hinaus deutlich, wie anachronistisch dieser Diskussionsvorgang ist, denn er berührt unter anderem eine grundlegende Frage: Wird die einstige Polarität zwischen Kirchen als Trägerinnen der Religionen (und hier konkret der römisch-katholischen Kirche) und den Wissenschaften wieder neu aufgerollt, oder bleibt der respektvolle Abstand, der sich seit der Aufklärung entwickelt hat, bestehen? Vieles spricht dafür, diesen Respektsabstand bestehen zu lassen, denn es hat sich seit der erstrittenen Freiheit der Wissenschaften (Stichwort Galilei) gezeigt, dass die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen untrennbar mit der freien Entwicklung der Wissenschaften einhergeht. Wenn nun behauptet wird, der Neodarwinismus sei dogmatisch, wo hingegen die Ansichten des Kardinals durch Vernunft gestützt seien, so ist dies eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Kardinal Schönborn hat in einem Punkt recht, nämlich, dass es "inakzeptabel sei, wenn eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma wird, das nicht mehr hinterfragt werden darf". Im kritischen Hinterfragen liegt ja gerade der eigentliche Kern wissenschaftlichen Denkens. Wo stünde die Wissenschaft, wenn nicht laufend einzelne Annahmen in der Sicht unserer Welt in Frage gestellt bzw. neue Antworten gesucht würden? Allerdings hat sich in der Wissenschaft eine Methode bekanntlich bewährt
und ist Grundlage unseres abendländischen Weltbildes geworden: wissenschaftliche
Hypothesen - gleichgültig ob sie zu Theorien verdichtet werden oder
nicht - müssen durch empirische Befunde untermauert oder deduktive
Beweise belegt werden. Jede Hypothese ist solange gültig, als sie
nicht durch wissenschaftliche Befunde widerlegt wird. Nach übereinstimmender Meinung aller WissenschafterInnen konnte
die Evolutionstheorie bis zum heutigen Tage nicht erschüttert werden,
im Gegenteil: durch jüngste Ergebnisse der Genomforschung hat sie
eine eindrucksvolle Bestätigung erfahren. Kardinal Schönborn hinterfragt aber nicht ein "wissenschaftliches
Dogma", sondern versucht, einer bisher unwidersprochenen Theorie
mit einem Dogma ("von Gott geplantes Design") zu begegnen. In
der Glaubenslehre möge Dogmenstreit eine Berechtigung haben, in der
Wissenschaft ist dies vehement abzulehnen. "Als Präsident des
Wissenschaftsfonds muss ich darauf hinweisen, dass diese Attacke auf die
Wissenschaft ein schwerer Rückfall in die Zeit der Gegenreformation
darstellt. Schade, dass das gewachsene Vertrauen zwischen Religion und
Wissenschaft durch solche Äußerungen nun auch in Österreich
gefährdet wird. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft
ist ein bewährtes Grundrecht unserer Gesellschaft und die so gewonnenen
Resultate müssen gegen Angriffe - von welcher Seite auch immer -
verteidigt werden" so Wick abschließend. Persönlicher Nachsatz: "Als Wissenschafter und praktizierender Katholik habe ich übrigens kein Problem damit, auch im Wirken des Zufalls in der Evolution ein höheres Prinzip zu sehen." Rückfragen Wien, 13. Juli 2005
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