Hannah Monyer

© IST Austria

Professorin, Abteilung Klinische Neurobiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, Deutschland
Aufsichtsratsmitglied des FWF  


Offener Brief vom 23.03.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
sehr geehrter Herr Vizekanzler Dr. Spindelegger,
sehr geehrter Herr Bundesminister Dr. Mitterlehner,

als ich gefragt wurde, ob ich im Aufsichtsrat des FWF mitwirken würde, stimmte ich sofort zu, und das aus zwei Gründen: 1) Seit der Gründung des ISTA bin ich Mitglied des Scientific Advisory Board und viele Besuche gaben mir die Möglichkeit, mich mit der Forschungslandschaft in Österreich vertraut zu machen. Ich wollte als Mitglied des FWF Aufsichtsrats weiterhin behilflich zu sein, und zwar über die Grenzen des ISTA hinaus. 2) Als Neurowissenschaftlerin und Leiterin eines Labors von ca. 30 Wissenschaftlern werde ich seit dreißig Jahren von dem Pendant des FWF, der DFG gefördert. Es begann mit einem Postdoc-Stipendium, es folgten 'zig Einzelanträge, SFB- und Schwerpunktprogramm-Anträge und nicht zuletzt der Leibniz Preis. Ich kam aus Stanford nach Deutschland auch deshalb zurück, weil mir diese Förderung fair und sicher erschien und meine Einschätzung war richtig. Es verwundert nicht, dass ich mich der DFG zutiefst verpflichtet fühle und deshalb oft als Gutachterin in diversen Gremien tätig war und bin. Ich weiß aus langjähriger Erfahrung, dass die kompetitive Mittelvergabe und die Förderung der besten Köpfe das Programm der DFG bestimmt. Als in Spanien und Italien Forschungsgelder gekürzt wurden, erfolgte in Deutschland eine Steigerung. Es überrascht nicht, dass gut ausgebildete junge Forscher aus Griechenland, Italien und Spanien ihre Zukunft nicht nur in den USA suchen, sondern zunehmend mehr auch in Deutschland, was für uns Forscher und das Land ein großer Gewinn ist. Mit diesem Schreiben möchte ich darauf hinweisen, was für jeden erfahrenen Wissenschaftler offensichtlich ist: Budgetkürzungen in Forschung und Wissenschaft, auch wenn sie nur kurzfristig sind, haben verheerende Folgen, weil sie nicht nur eine Generation Doktoranden und Postdocs betreffen. An allen universitären Einrichtungen erfordert die erfolgreiche Weitergabe und Vermittlung von Wissen eine lückenlose Wissenschaftler-"Kette", bestehend aus Professor-Postdoc-Doktorand-Masterstudent. Eine auch noch so kurze Unterbrechung dieser Kette, d.h. der kontinuierlichen Förderung der Nachwuchswissenschaftler, kann tiefgreifende Folgen haben, die mehrere Generationen von Wissenschaftlern betreffen. Junge Wissenschaftler wissen nur allzu gut, dass jedes Jahr in ihrer Karriere kritisch ist und zählt. Sie können sich nicht erlauben zu warten, wenn sie international konkurrenzfähig sein wollen. Deshalb bleibt ein brain-drain überall dort nicht aus, wo aus finanziellen oder politischen Gründen Einschränkungen erfolgen. Als jemand, der mit 17 Jahren aus politischen Gründen aus Rumänien geflüchtet ist, weiß ich, wovon ich spreche.

Hannah Monyer
Abteilung für Klinische Neurobiologie, Medizinische Fakultät der Universität und DKFZ Heidelberg


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