Hans Sünkel

© TU Graz/Frankl

Professor, Institut für Theoretische Geodäsie und Satellitengeodäsie der Technische Universität Graz
Aufsichtsratsmitglied des FWF  


Offener Brief vom 21.03.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
sehr geehrter Herr Vizekanzler Dr. Spindelegger,
sehr geehrter Herr Bundesminister Dr. Mitterlehner,

Die Zukunft eines hochentwickelten Landes wie Österreich ist bekanntlich von seiner Innovationskraft sowie der Qualität seiner Produkte und deren Bestehen im internationalen Wettbewerb abhängig. Um in diesem zunehmend globalen Wettbewerb reüssieren zu können, müssen wir zumindest so gut sein wie wir teuer sind. Dies gilt ganz besonders für unser Land, das über keinen Reichtum an Rohstoffen verfügt, jedoch historisch reich ist an Kultur, Intellekt und Leistungsfähigkeit.

Und Intellekt in Verbindung mit Innovationskraft stehen ursächlich mit Forschung in Verbindung - mit ausgeprägt angewandter Forschung, die auf einer qualitativ hochwertigen und stabilen Plattform der Grundlagenforschung aufbaut. Unser Wissenschaftsfonds FWF steht für Grundlagenforschung in unserem Land - und ich beeile mich hinzuzufügen - der FWF steht dabei für höchste Qualität, Transparenz und Fairness gleichermaßen.

Die jüngsten budgetären Entwicklungen im Wissenschaftsbereich im Allgemeinen und für den FWF im Besonderen geben jedoch ernsthaft Anlaß zur Sorge, zumal damit Assoziationen zur Aktivierung der Schubumkehr im Zustand des Steigfluges geweckt werden. Sollte nämlich das Budget des FWF in den nächsten Jahren nicht angemessen wachsen, sondern vielmehr stagnieren oder gar fallen, so hätte dies unweigerlich schwerwiegende Konsequenzen für den gesamten Forschungssektor und aus Gründen forschungsgeleiteter Lehre auch für den gesamten höheren Bildungssektor. Unser Land würde durch eine solche budgetrestriktive Maßnahme buchstäblich jenen Ast an- oder gar absägen, auf dem wir alle sitzen. Die Folgewirkungen im sequentiellen Stenogrammstil: Budgetkürzung – Abbau ... Und dieses Negativ-Szenario darf für unser Land und seine Gesellschaft ganz einfach nicht stattfinden!

Sehr geehrter Herr Vizekanzler, sehr geehrter Herr Bundesminister, ich ersuche Sie daher eindringlich, sich dieser äußerst negativen Folgen für unser Land mit stark nachhaltiger Wirkung bewußt zu sein und dem FWF jene budgetäre Ausstattung zuteil werden zu lassen, die für eine gute zukünftige Entwicklung unseres Landes unerläßlich ist.

Johann Nestroy hatte sich einmal sehr pointiert zur österreichischen Seele geäußert: "Der typische Österreicher blickt voll Zuversicht in die Vergangenheit und voll Mißtrauen in die Zukunft". Die beachtenswerte und auch international viel beachtete Entwicklung unseres Landes ist jedoch dazu angetan, ihn Lügen zu strafen und trotz oder gerade wegen des gegenwärtigen HAA-Desasters unseren Mut in beide Hände zu nehmen und energisch an unser aller Zukunft zu arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen,

Hans Sünkel
Aufsichtsrat des FWF
Rektor der TU Graz (2003 - 2011)
Vorsitzender der Österreichischen Universitätenkonferenz (2010 - 2011)


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