Jörg Schmiedmayer

© Bernd Euring

Professor, Vienna Center for Quantum Science and Technology (VCQ), Technische Universität Wien
Wittgenstein-Preisträger
ERC-Advanced-Grant-Preisträger  


Offener Brief vom 07.04.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler
Sehr geehrter Herr Vizekanzler und Finanzminister
Sehr geehrter Herr Wissenschaftsminister

Ich bin 2007 nach fast 25 Jahren in USA, Europa und China mit meiner Gruppe junger WissenschaftlerInnen an die TU Wien zurückgekehrt. Oft wurde ich gefragt, warum? Für mich war damals die klare Strategie und der festgeschrieben Plan den Rückstand in Wissenschaft und Bildung aufzuholen (z.B. der Neun-Prozent-Wachstumspfads für das Budget des Forschungsfonds FWF) eine starke Motivation hier aktiv beizutragen. Die erfolgreiche Entwicklung einiger Wissenschaftsgebiete wie zum Beispiel die Lebenswissenschaften und die Quantenphysik war ein klares Zeichen, dass es in Österreich tätigen WissenschaftlerInnen, allen Unkenrufen zum Trotz, möglich ist, eine weltweite anerkannte Spitzenstellung zu erlangen. Es war offensichtlich, dass es gelingt exzellente WissenschaftlerInnen aller Altersklassen nach Österreich zu bringen, und dass unser Land dadurch vielen herausragenden jungen Köpfen eine intellektuelles Zuhause und eine Zukunft geben kann. Leider hat sich in den letzten 7 Jahren vieles an dieser Perspektive geändert.

Die politische und wirtschaftliche Zukunft Österreichs lebt vor allem von der Einbindung und Förderung herausragender Köpfe auf allen Ebenen, insbesondere auch vom wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie lebt von Vertrauen in Zusagen der Politik, dem Wissen um Planbarkeit, und von einer Gemeinschaft, die stark genug ist, sich im internationalen Wettbewerb durchzusetzen.

Eine blühende Wissenschaftslandschaft wachsen zu lassen, ist ein langsamer und schwieriger Prozess. Seit den 90'er Jahren war Österreich auf dem richtigen Weg. Eine aktive Wissenschaftslandschaft ist aber sehr leicht zu zerstören. Sie ist aufgrund des steten Wettbewerbs um die Besten Köpfe sehr fragil. Die Signale der letzten Monate, im Speziellen eine unsichere Zukunft und eine eklatante Unterfinanzierung von den zentralen Einrichtungen wie die Universitäten, die ÖAW und der FWF und die dadurch bedingte erstmalige Aussetzung der SFB und Doktorats Programme, signalisieren einen erschreckenden Schritt in diese Richtung. Sie können in einem einzigen Jahr 20 Jahre Aufbauarbeit zerstören.

Zentral für ein Überleben der österreichischen Wissenschaftslandschaft ist die Erhaltung einer offenen, qualitätsorientierten und kompetitiven Wissenschaftsförderung. Die Sicherung einer ausreichenden Budgetausstattung des FWF ist Garant dafür, dass Mittel qualitätsgesichert für Forschungsprojekte und Schwerpunktsetzungen an die Universitäten und an andere Forschungsstätten fließen. Die Möglichkeiten des FWF der ÖAW und der Universitäten müssen nicht nur erhalten, sondern signifikant ausgeweitet werden.

Unsere Gesellschaft ist in ständigem globalem Wettbewerb begriffen, diesem können auch wir uns nicht entziehen. Österreichs großer Erfolg in der Bewältigung der letzten Jahre ist zu einem wichtigen Teil durch die Innovationskraft und das intellektuell - wissenschaftliche Potential in unserm Land bestimmt. Daher muss es eine zentrale Aufgabe der Politik sein, dies nicht nur zu erhalten sondern aktiv zu fördern und auszubauen.

Der FWF - Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung - ist mit seiner kompetitiven, nicht nach Quoten sondern ausschließlich nach Exzellenz orientierten Wissenschaftsförderung, hierbei eine zentrale Institution. Er ist allen Wissenschaften in gleicher Weise verpflichtet und orientiert sich in seiner Tätigkeit ausschließlich an den Maßstäben der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft. Durch die nicht Einhaltung des ursprünglichen Plans und die jetzige Budgetsituation und Diskussion sehen ich und viele meiner Kollegen diese für den gesamten Wissenschaftsstandort Österreich zentrale Einrichtung gelähmt.

Eine klare und kompetitive Finanzierung von Wissenschaft und Forschung, wie sie durch den FWF garantiert wird, stellt den effizientesten Einsatz von Ressourcen dar. Jeder durch Österreich in kompetitive und international herausragende Wissenschaft investierter Euro kommt vielfach ins Land zurück.

Es sollte daher für jede verantwortungsvolle Politik von höchster Priorität sein, für den FWF, die ÖAW und die anderen Forschungseinrichtungen ein gesichertes Budget zu garantieren und so das Vertrauen in die Planbarkeit der Wissenschaft in Österreich wieder herzustellen. Dies kommt besonders jungen NachwuchswissenschaftlerInnen zu gute (über 2500 werden jährlich allein durch den FWF finanziert), die damit eine klare Perspektive gewinnen können. Eine funktionierende Forschungsförderung ist die Visitenkarte, mit der wir uns im Wettbewerb um die besten Köpfe präsentieren.

Viele meinen, in einer Situation wie der jetzigen müsse man eben reduzieren. Gerade die Krisensituation der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine klare und kompetitive Finanzierung von Forschung essenziell und sowohl mittel- wie langfristig zukunftsorientiert ist. Der Erhalt und Ausbau einer blühenden Wissenschaftslandschaft ist der beste Garant für das Innovationspotenzial um die Zukunft zu meistern. Die Grundlagenforschung ist dabei die wichtigste Basis um innovative Wirtschaftsbereiche aufzubauen. Ohne Forschung kein wirtschaftlicher Fortschritt! Investition in die Grundlagenforschung garantiert eine vielfache Wertschöpfung. Das bedeutet Arbeitsplätze, Entwicklung und Wohlstand für das ganze Land.

Als Wissenschaftler und Österreicher wende ich mich daher mit großer Eindringlichkeit an Sie, als die politisch Verantwortlichen im Land:

Beweisen Sie Weitsicht: Garantieren Sie das Budget für Wissenschaft, Forschung und Bildung in der Höhe des vor der Krise dargelegten - und allgemein akzeptierten Wachstumspfads.

Als ein Zeichen für Österreich und seine Zukunft fordere ich Sie auf: geben sie 1% des Geldes welches sie in die Alpe-Adria stecken als frei verfügbare kompetitiv zu vergebene Zusatzmittel für Nachwuchsförderung an den FWF und die ÖAW. Sie werden damit entscheidend zur Zukunft Österreichs beitragen.


Jörg Schmiedmayer


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