Juliane Besters-Dilger

© Universität Freiburg

Professorin, Slavisches Seminar der Universität Freiburg, Deutschland
Aufsichtsratsmitglied des FWF  

Offener Brief vom 24.03.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Vizekanzler,
sehr geehrter Herr Bundesminister,

als Mitglied des Aufsichtsrats des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) protestiere ich mit allem Nachdruck gegen die geplante eklatante Kürzung des FWF-Budgets.

Der FWF ist das wichtigste Instrument der österreichischen Forschungsförderung, das die ihm zur Verfügung gestellten Mittel kompetitiv vergibt. Wer den FWF finanziert, unterstützt damit automatisch die besten WissenschaftlerInnen Österreichs. Durch die ausschließlich internationale Begutachtung ist außerdem sichergestellt, dass nur diejenigen ForscherInnen profitieren, die im Vergleich mit dem Ausland Herausragendes leisten. Eine bessere Kontrollmöglichkeit dafür, dass Qualität und nur Qualität den Ausschlag gibt, gibt es nicht.

Die geplante Kürzung des FWF-Budgets würde nicht erst 2016, sondern sofort drastische Folgen haben. Die Bewilligungsquote für Forschungsprojekte müsste so stark gesenkt werden, dass es zu einem Lotteriespiel wird, wer zu den ganz wenigen gehört, die gefördert werden können, und wer nicht. Dies wird sehr schnell zu einem Rückgang der Anträge und damit der Forschung in Österreich führen, viele AbsolventInnen österreichischer Hochschulen (DoktorandInnen, PostDocs) werden so rasch wie möglich das Land verlassen oder sich anderen Tätigkeiten zuwenden. Ebenso wichtig ist, dass das Land für ausländische ForscherInnen unattraktiv wird. Damit droht eine wesentliche Säule des Wohlstandes Österreichs wegzubrechen, denn als rohstoffarmes Land ist Österreich auf Innovation durch Forschung angewiesen.

In seinem „Programm Österreich 2050“ hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung genau dies festgestellt und fährt fort: „Um zu den innovativsten Forschungsnationen aufzuschließen, ist die ins Stocken geratene Dynamik wieder zu beschleunigen (…) Die Universitäten und mit ihnen die Grundlagenforschung in Österreich sind unterdotiert. Ohne Grundlagenforschung verliert die angewandte Forschung ihre Dynamik (…). Technologieintensive Unternehmen orientieren sich in der Standortwahl an der Qualität der Forschungseinrichtungen in einem Land.“

Angesichts dieser Zusammenhänge und angesichts der Tatsache, dass dem FWF zugewiesene Mittel in Wirklichkeit wettbewerbsorientiert an die österreichische Spitzenforschung weitergeleitet werden, fordere ich Sie auf, die geplante Kürzung der Mittel für den FWF nicht zu vollziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Juliane Besters-Dilger


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