Thomas A. Henzinger

© IST Austria

Präsident, IST Austria
Wittgenstein-Preisträger
ERC-Advanced-Grant-Preisträger  


Offener Brief vom 31.03.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
sehr geehrter Herr Vizekanzler Spindelegger,

Wissenschaft und Forschung sind unverzichtbare Elemente der erfolgreichen Entwicklung einer Volkswirtschaft, so die einhellige Meinung aller Expertinnen und Experten, die auch uneingeschränkte Zustimmung der Politik findet, zuletzt in der Regierungserklärung vom Dezember 2013. Trotzdem stehen in den laufenden Budgetverhandlungen gravierende Einschnitte zur Diskussion, im speziellen bei der Finanzierung des FWF.

Ich war rund 25 Jahre wissenschaftlich im Ausland tätig und habe nach meiner Rückkehr zu meiner Freude festgestellt, dass Österreichs relativ kleine nationale Förderagentur, der FWF, keinen internationalen Vergleich scheuen muss. Das hoch kompetitive Vergabeverfahren ist exzellent strukturiert und administriert. Um seine zentrale Aufgabe der effizienten Förderung exzellenter Wissenschaft aber verwirklichen zu können, muss der FWF dauerhaft, sicher und ausreichend budgetiert werden. Selbst kurzfristige Unterfinanzierungen wirken sich langfristig enorm schädlich aus, sowohl auf die Forschungsleistung im Inland wie als Signal an das Ausland.

Zu einer wissenschaftlichen Karriere gehören der Mut, sich international zu messen sowie die Bereitschaft zu Risiko und Mobilität. Unterfinanzierung, gerade bei kompetitiver Forschung, bestraft die Mutigen im Land, forciert die Abwanderung der Besten unter dem wissenschaftlichen Nachwuchs und blockiert die Rückkehr derer, die nach erfolgreichen Lehr- und Wanderjahren wieder zurückkehren möchten. Auch für das IST Austria, das internationale Spitzenforscher anwerben will, ist es wichtig, auf stabile und gut dotierte nationale Fördermöglichkeiten verweisen zu können. Andernfalls haben wir im Wettbewerb um die besten Köpfe einen eindeutigen Nachteil gegenüber anderen Nationen in Europa, Amerika und Asien.

Darüber hinaus dient der FWF als vorbildliches Entwicklungsmodell für die Exzellenzorientierung der österreichischen Wissenschaft. Eine Schwächung des FWF würde nicht nur die bereits heute exzellent agierenden Forscherinnen und Forscher demotivieren, sondern die strukturelle Neuausrichtung der heimischen Wissenschaft an universitären und außeruniversitären Einrichtungen behindern.

Regierungen anderer europäischer Länder, wie beispielsweise Deutschland, haben gerade in der Krise die Investitionen im Bereich Wissenschaft und Forschung erhöht, um die langfristige Entwicklung des Landes zu sichern. Die österreichische Bundesregierung hat mit der Schaffung und langfristigen Finanzierung des IST Austria ein wichtiges, mutiges und weitsichtiges Zeichen gesetzt. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals für das Vertrauen und die Unterstützung bedanken. Österreichs Wissenschaft braucht aber auch einen starken FWF. Der Ruf des Landes in der internationalen ‚scientific community' – und damit seine Zukunft – stehen hier auf dem Spiel.

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas A. Henzinger
Präsident, IST Austria


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