Walter Schachermayer

© Suchart Wannaset

Professor, Fakultät für Mathematik, Universität Wien
Wittgenstein-Preisträger
ERC-Advanced-Grant-Preisträger  


Offener Brief vom 28.03.2014


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
sehr geehrter Herr Vizekanzler Spindelegger,
sehr geehrter Herr Minister Mitterlehner,

ich wende mich an Sie, um auf die dramatische Situation der Finanzierung der Grundlagenforschung aufmerksam zu machen. Eine zentrale Rolle nimmt hier der FWF ein, der für eine faire, kompetitive und international orientierte Förderung der Wissenschaft steht.

Als Mitglied des Kuratoriums des FWF habe ich in der letzten Sitzung sehr schmerzlich erlebt, wie wir bereits jetzt gezwungen sind, auch sehr gut beurteilte Projekt-Anträge abzulehnen. Aus dem einfachen Grund, dass zu wenig Geld verfügbar ist.

Ich habe darüber in einem „Kommentar der Anderen“ im Standard im Jänner dieses Jahres berichtet:

Standard-Artikel "Wer zahlt, schafft an" von Walter Schachermayer

Ich war beeindruckt von dem starken positiven feedback, das nicht nur aus der wissenschaftlichen community kam. So hat der CEO von MONDI Europe & International, Peter Oswald, dazu einen Leserbrief im Standard verfasst, den ich hier ausdrücklich zitieren möchte.  

 

  • Grundlagenforschung gehört mehr gefördert

    Dankenswerterweise hat Prof. Schachermayer in seinem exzellenten Beitrag „Wissenschaft und Wirtschaft: wer zahlt, schafft an“ zurecht auf die Unterdotierung des FWF, der Grundlagenforschung fördert, mit nur knapp 200 Millionen Euro hingewiesen, ein Drittel des Schweizer Niveaus. Standortpolitisch ist dies extrem bedenklich, weil gerade die Grundlagenforschung aufgrund des finanziellen Risikos vom Staat gefördert werden muss oder sonst schlichtweg nicht stattfindet. Leider fördert unser politisches Anreizsystem kurzfristiges Denken, sodass die Versuchung gross ist, hier kurzfristig zu sparen, während die Schäden bzw Versäumnisse erst langfristig sichtbar werden. Auch der Lobbyismus ist hier schwächer, weil anders als in der Anwendungsforschung (FFG) kaum konkrete wirtschaftliche Interessen berührt werden. Für Minister Mitterlehner ist dies eine schöne Gelegenheit, durch eine Aufstockung der Mittel mutig zwei Werte zu dokumentieren: nachhaltiges Wirtschaften zugunsten der nächsten Generation und ein Herz für die Wissenschaft, die der Wirtschaft (eigentlich nur deren kurzfristigen Interessen) eben nicht untergeordnet wird.

    Peter Oswald, CEO Mondi Europe & International  


Ich denke, dass der Leserbrief deutlich zeigt, dass höchstkarätige Manager dieses Landes einen Weg in die Richtung von Schweizer Verhältnissen in der Grundlagenforschung als Vorbild sehen. Was jetzt droht, ist der Weg in die entgegengesetzte Richtung.

Die Situation ist in der Tat dramatisch und es erfolgen gerade entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft Österreichs. Meine Bitte an Sie lautet daher, in den laufenden Budgetverhandlungen die Mittel des FWF nicht zu kürzen sondern, ganz im Gegenteil, aufzustocken.

Hochachtungsvoll,

Walter Schachermayer


zurück