FWF-Kunstpreis 2012

FWF-Kunstpreis 2012:
"76543210", Graphit und Tusche auf Leinwand, 150 x 110 cm, 2000/2011

Franz Graf

arbeitet nun schon länger extensiv ornamental und intensiv symbolisch zugleich. DAMIT widmet er sich Problemen, die einer angestrengten AUFKLÄRUNG einmal überholbar schienen. Es geht in solcher Überholung weniger um die abstraktiven oder gegenstandslosen, die konkreten und materialen TENDENZEN DER KUNST in der Moderne unseres Jahrhunderts selber, die das Ornamentale und das Symbolische erledigt hätten.

DIESE ERLEDIGUNG GESCHAH NUN VOR ALLEM in ihrer Interpretation. Und das durchaus nicht ohne Widerspruch in Anfängen und dann schließlich zum RESULTAT. […]

Wenn Graf nun das Ornamentale fürs Heute wieder aufgreift, dann geht er zunächst in die VOLLEN seines Grundprinzips, der REIHUNG GLEICHER ELEMENTE, welche sich der zentral dem Ornamentalen innewohnenden ZEIGEFUNKTION VERDANKT, nicht der demgegenüber sekundären Schmuckfunktion. Und er gerät dabei auf die GEOMETRISCHEN RUNDFIGURATIONEN, die der Zeigefunktion sofort Symbolisierungen zu KOSMOSASPEKTEN HIN ZULAGERN. […]

Und doch sind ja den Zeilenfolgen Strukturen der Bedeutsamkeiten eingetragen, die alles andere als den Charakter des ABLAUFLICHEN ins UNAUFHÖRLICHE haben, wenngleich der Literaturtyp des Epischen dem nahekommen möchte.

DOCH SELBST DAS EPISCHE ergibt auf der Bedeutungsebene Kreisbildung, ein zyklisches also, andere Literaturtypen verknoten zur DRAMATIK, wieder andere streuen die Bedeutungskomposition AUSEINANDER, wieder andere VERDICHTEN in den Lyrismus und so weiter und sofort bis zu SCHNITT und UNTERBRECHUNG. Graf folgt dem KEHREN SCHLAGEND BIS ZUR UMKEHR der SCHRIFTBILDLICHKEITEN im Kopfstand und zu Entwurzelungen aus dem ZEILENGRUND HERAUS, lauter gezogene Buchstaben, aufgezogen auf HÄNGEFÄDEN ZU ZAHNKETTEN gleichsam in neuerlich straffer SPANNUNG EINES BUCHSATZES. […]

Graf beschäftigt sich ornamental-symbolisch mit Problemen im Feld einer konkreten POESIE, die nicht mehr nur instrumental bewusst macht und das überprüft, womit Poetisches immer gearbeitet hat, sondern er erzählt mit Verfahren konkreter Poesie neue Geschichten, die sich EPISCHZYKLISCH ANEINANDERHÄNGEN ÜBER TATEN UND LEIDEN DER BUCHSTÄBLICHKEIT. […]

Aus Ornament – Symbol – Schriftkehre – Schattenriss; von Burghart Schmidt (Auszüge)