FWF-Kunstpreis 2013

FWF-Kunstpreis 2013:
"ISS" – die Kulisse aus dem gleichnamigen Theaterstück von monochrom.

monochrom

ist ein international agierendes Kunst-Technologie-Philosophie Kollektiv. Gruppenmitglieder sind: Franz Ablinger, Daniel Fabry, Günther Friesinger, Evelyn Fürlinger, Roland Gratzer, Johannes Grenzfurthner, Harald List, Anika Kronberger, Frank Apunkt Schneider.

ISS

Bei monochrom sind alle Raumfahrt-Fans. Bei einem Besuch des Kennedy Space Centers in Florida kauft Johannes Grenzfurthner 2001 vier blaue Overalls. Sie sollen als Kostüme bei einem Theaterstück über das Leben auf der ISS, der International Space Station, zum Einsatz kommen, das sich kritisch mit dem Ende der Raumfahrt als utopischem Projekt auseinandersetzt. Es dauert aber noch mehr als zehn Jahre, bis es endlich realisiert werden kann. Aber dann, im Frühjahr 2011, erfüllt sich für uns ein alter Traum: die Reise ins All. Die Sitcom »monochrom's ISS« zeigt den Arbeitsalltag im Weltraum. Wie lebt und arbeitet es sich unter den besonderen Bedingungen einer Raumstation, unter Schwerelosigkeit und der Diktatur des Funktionalen? In elf Folgen sehen wir die Abenteuer der Crew als improvisierte Sitcom. Das Projekt ISS ist ein gutes Beispiel dafür, wie interdisziplinär monochrom arbeitet: zwischen Theater, Bildender Kunst, Medienkunst, Wissenschaft, Performance und Installation.

Das Theaterstück "ISS" beschäftigt sich darüber hinaus mit der impliziten Dialektik, die den Alltag auf einer Weltraumstation kennzeichnet. Zum einen repräsentiert sie die alte Utopie vom "Griff nach den Sternen", zum anderen widersprechen die realen Möglichkeiten (und Grenzen) interstellarer Fortbewegung der Science-Fiction-Idee von der Erforschung und Kolonialisierung des Weltraums und der möglichen Begegnung mit außerirdischen Zivilisationen. Dieses Thema wird auch von den Figuren des Stückes immer wieder gestreift. Hierbei wird auch das tatsächliche utopische Potenzial bemannter Weltraummissionen erörtert, das eher in der internationalen (grenzüberschreitenden und sozusagen: kosmopolitischen) Zusammenarbeit liegt als in den Entdeckungen unbekannter Zivilisationen. Es geht dabei um die Frage: Was bringt es den Menschen, in den Weltraum vorzudringen? Eine mögliche Antwort, die das Projekt gibt, könnte darin bestehen, dass der Weltraum (als Anderes zu den irdischen Verhältnissen) ihnen hilft, sich als Menschheit wahrzunehmen und die künstlich geschaffenen ethnischen und nationalstaatlichen Grenzen, die sich die Menschheit selbst gesetzt hat, zu überwinden. Dies ist wohl die wichtigste Aufgabe, der sich die Menschheit im neuen Jahrtausend stellen muss. (monochrom)