Beatrix GRUBECK-LOEBENSTEIN

Beatrix GRUBECK-LOEBENSTEIN

Titel/akad. Grad
Univ.-Prof. Dr.

Website
http://www.iba.oeaw.ac.at  

Schrödinger-Stipendium
J 0087, von Oktober 1985 bis Jänner 1988

Ort des Schrödinger-Stipendiums
GB London

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
Kennedy Inst. of Rheumatology, Sunley Bldg., 1 Aspenlea Road, Hammersmith, UK - London W6 8LH (damals "The Charing Cross Sunley Research Centre")  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Ich zögere nicht, die Jahre, die ich als Erwin-Schrödinger Stipendiantin in der Gruppe von Marc Feldmann am damaligen Charing Cross Sunley Research Centre in London (dem heutigen Kennedy Institute of Rheumatology, Sunley Building) verbracht habe, als ganz besonders glücklich und produktiv zu bezeichnen.

Vor meinem England-Aufenthalt war ich hauptsächlich als Klinikerin tätig gewesen, ich hatte gerade den Facharzttitel für Innere Medizin erworben. Die kompetente und stimulierende wissenschaftliche Betreuung durch Prof. Werner Waldhäusl an der damaligen I. Med. der Universität Wien hatte in mir großes Interesse an der Erforschung von Autoimmunerkrankungen geweckt. Mir war allerdings klar, dass für kompetitive Forschung in diesem Bereich eine solide Grundausbildung in Basisimmunologie nötig wäre und dass diese auch eher früher als später erfolgen müsste. Ich war schließlich zu diesem Zeitpunkt schon über 30.

Ich entschloss mich deshalb, mich um ein Erwin-Schrödinger-Stipendium zu bewerben, um bei Marc Feldmann die Grundlagen der Immunologie zu erlernen und meine Forschungen auf das Studium der T-Zellen von Patienten mit Autoimmunerkrankungen auszudehnen. Marc Feldmanns Labor beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt nicht ausschließlich mit Rheumatologie. Targetorgane verschiedener Autoimmunerkrankungen wie Inselzellen und die autoimmune Schilddrüse waren ein weiterer wichtiger Fokus.

Nachdem mir das Schrödinger-Stipendium zuerkannt worden war, übersiedelte also die Familie - meinem Mann war es gelungen, ein Sabbatical zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit zu bekommen, unsere Kinder waren 2 Jahre bzw. 5 Wochen alt - nach London. Unser Nachbarmädchen aus Österreich, eine junge Englischstudentin, kam als Au Pair-Mädchen mit.

Trotz der zugegeben etwas schwierigen familiären Situation war ich vom ersten Tag an von meinem neuen Arbeitsbereich begeistert. Die Kollegen kamen aus aller Herren Länder wie z.B. aus den Vereinigten Staaten, Neuseeland, Indien, China, Italien, dem Iran, usw. Eine derartige Internationalität war man damals in Österreich noch nicht gewöhnt. Marc war ein hervorragender Supervisor. Meine Arbeit verlief sehr erfolgreich. Bald hatte ich Freunde und Kooperationspartner. Marco Londei, der bereits ein Nature- und ein Science-Paper über T-Zellen aus der autoimmunen Schilddrüse publiziert hatte, und ich waren nicht nur gute Freunde, sondern auch bald ein extrem produktives Team. Mit meinem Heimatinstitut in Österreich hatten wir eine gute Kooperation aufgebaut. Von dort schickte mir mein Kollege Klaus Pirich, der bei Prof. Waldhäusl tätig war, jede Woche Schilddrüsengewebe, das in England nur schwierig zu bekommen war. Jeder Tag brachte neue Überraschungen und neue Erfolge - für mich eine ganz neue Welt.

Besonders glücklich war ich, als es mir nach dem ersten Jahr gelang, durch ein weiteres Schrödinger-Stipendium und die gleichzeitige Unterstützung des British Council meinen Forschungsaufenthalt auf fast 3 Jahre auszudehnen. London war damals - und ist es vermutlich noch immer - eine Drehscheibe zwischen Ost und West. Ich war von der Berühmtheit der durchreisenden und das Labor besuchenden Wissenschaftler beeindruckt. Gustav Nossal, Robert Gallo und Tadatsugu Taniguchi waren nur einige unter vielen prominenten Gästen. Die T-Zell Symposien, die Marc Feldmann jedes Jahr in Oxford organisierte, waren stets exzellent besetzt und die Diskussionen sehr stimulierend. Ich erinnere mich noch an talks von Jack Strominger, Andrew McDavid und Diane Mathis, die "cutting edge"-Themen behandelten.

Für mich neu waren auch Marc Feldmanns gute Beziehungen zu Industrie und Klinik. Es war eines seiner Prinzipien, Reagenzien nie zu kaufen, sondern von seinen Freunden geschenkt zu bekommen. So waren wir z.B. eines der ersten Labors, das von der Firma Gene&Tech hergestelltes rekombinantes TGF-? an humanen Zellsystemen testen konnte. Über Marcs erfolgreiche Kooperation mit Tiny Maini brauche ich, glaube ich, nicht weiter zu berichten. Es ist heute allgemein bekannt, dass die in der Klinik weit verbreitet angewendeten Antikörper gegen TNF-? als Folge dieser jahrelangen Kooperation entwickelt wurden.

Der wissenschaftliche Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich kann auf eine große Zahl sehr guter Publikationen aus meiner Zeit in London, wie zum Beispiel im Journal of Clinical Investigations, PNAS und FASEB, zurückschauen.

Meine Kinder nützten die Zeit in London ebenfalls, u.a. indem sie heute perfekt Englisch sprechen. Das kam vor allem meinem Sohn, der mittlerweile sein Studium in Oxford abgeschlossen hat und jetzt in Harvard ist, sehr zugute.

Zusammenfassend hat mir das Erwin-Schrödinger-Stipendium nicht nur neue Dimensionen der Wissenschaft eröffnet, sondern hat mir auch klargemacht, dass die immunologische Grundlagenforschung in Zukunft den Schwerpunkt meiner Forschung darstellen würde. Dieses Ziel konnte ich auch verwirklichen.

Was mache ich heute

Heute bin ich Direktorin des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck. Primäres Forschungsziel des Instituts ist es, durch Grundlagenforschung Erkenntnisse zu gewinnen, mittels derer der Funktionsverlust von Zellen im Alter verhindert und Alterserkrankungen vorgebeugt werden kann.

Neben meiner Tätigkeit als Direktorin bin ich Leiterin der Abteilung Immunologie. Schwerpunkt der Abteilung ist die Entwicklung neuer Strategien zur Stärkung des Immunsystems im Alter sowie die Verbesserung von Impfungen für alte Personen. Das Institut hat 40 Mitarbeiter, 10 davon sind Immunologen.

Ich bin nun seit über 10 Jahren in der Alternsforschung tätig und habe in dieser Zeit gelernt, dass es sich um ein extrem interessantes Feld handelt, das in unserer Zeit eine wirkliche Herausforderung darstellt. Fast jede Woche zeigen Publikationen in Science, Nature und Cell, dass der Traum von gesunder Langlebigkeit wahrscheinlich bald keine Utopie mehr sein wird. Hier wollen und können wir mithalten, denn es ist ein wesentliches Anliegen unserer Gesellschaft, Langlebigkeit mit Gesundheit und hoher Lebensqualität zu verknüpfen.

Zusammenarbeit ist für meine Arbeit wesentlich, mit meinem ausgezeichneten Team am Institut, mit der Medizinischen Universität Innsbruck, mit der wir ein Doktoratstudium zum Thema Altern ausrichten, mit Kollegen in Österreich, mit denen wir in einem vom FWF geförderten nationalem Netzwerk zum Thema Zellalterung zusammenarbeiten, mit Kollegen in Europa, mit denen wir in vielen durch die EU-Kommission geförderten Konsortien kooperieren, und schließlich mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, mit denen uns mittlerweile viele Kooperations- und freundschaftliche Bande verbinden.

Internationale Kontakte und Interdisziplinarität werden auch dadurch unterstützt, dass wir am Institut die Fachzeitschrift Experimental Gerontology herausgeben, deren Editor-in-Chief ich bin. Mein Co-Editor ist Tom Johnson aus Boulder, Colorado, der Entdecker des Altersgens im C.elegans.

Bei all diesen Aktivitäten kommt es mir sehr zugute, dass ich nicht nur auf eine Ausbildung in der immunologischen Grundlagenforschung, sondern auch auf eine langjährige klinische Tätigkeit zurückblicken kann. Sie erleichtert mir nicht nur Kontakte zu Medizinern, sondern ermöglicht es mir auch, gut abschätzen zu können, welche Ergebnisse der Grundlagenforschung sich zur klinischen Anwendung eignen. So wird es hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft möglich werden, Meilensteine auf dem Weg zum gesunden Altern zu setzen.