Christoph MARSCHNER

Christoph Marschner

Titel/akad. Grad
aoUniv.Prof. Dr.

Website
http://www.staff.tugraz.at/christoph.marschner/  

Schrödinger-Stipendium
j0700

Ort des Schrödinger-Stipendiums
USA Palo Alto, CA

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
Stanford University Chemistry Department  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Mein Schrödinger Stipendium führte mich nach Kalifornien an die Stanford University. In der Forschungsgruppe von Barry M. Trost zu arbeiten war für mich die Erfüllung eines Wunschtraums.

Der Beginn meiner Postdoc-Zeit war von großem Erstaunen geprägt. Ich hatte die Chemie von Trost maßlos bewundert und auf eine naive Weise erwartete ich ins Chemiewunderland zu kommen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich wirklich im Wunderland war, es hat nur nicht so ausgesehen, wie ich es erwartet hatte und etwas gedauert bis es mir bewusst wurde.

Meine Erwartungen waren vor allem bezüglich der Ausstattung der Labors völlig überzogen. Ich war überzeugt nur das Beste an Glasgeräten und Apparaten vorzufinden. Nur so war es meines Erachtens möglich die Hochklassigkeit der Trost'schen Chemie zu erklären. Meine Erwartungen wurden bitter enttäuscht und ich musste zur Kenntnis nehmen, dass die Ausstattung meines Labors während meiner Doktorarbeit ganz erheblich besser war als die in Stanford. Der wirkliche Unterschied zu den Verhältnissen in Graz war die Person von Berry Trost und die Motivation und intellektuellen Fähigkeiten der Gruppenmitglieder. Trost war ein kreativer Vulkan, der Ideen nur so hervorsprudelte. Ich habe heute noch eine Sammlung von Zetteln des Typs: Christoph! Look at this: <kurze Reaktionsskizze> see me BMT.

Trost hatte eine Reputation als "Schleifer", welche ich als wohlverdient bestätigen kann. "Saturday is just another working day" und "The labs are open also during the night" waren gängige Aussagen von ihm. Seine Arbeitsgruppe umfasste ca. 40 Leute, je zur Hälfte Doktoranden und Postdocs aus aller Herren Länder. Es herrschte eine Atmosphäre kreativer Konkurrenz und gleichzeitig war eine starke Gruppenidentität der "Trostketeers" gegeben. Die Summe brillanter Köpfe sorgte immer für Diskussionen auf höchstem Niveau.

Ich genoss die Zeit in Stanford, arbeitete viel, sah mir Kalifornien an und hatte "the time of my life".

Wissenschaftlich gesehen bedeutete die Zeit in Stanford für mich eine Hinwendung zur metallorganischen Chemie, weg von der Naturstoffchemie meiner Doktorandenzeit. Ich habe während dieser Zeit ein anderes Verständnis für wissenschaftliche Forschung entwickelt. Mein Stil eine Arbeitsgruppe zu leiten ist vielleicht nicht der eines "Sklaventreibers" vom Format Barry Trost, hat aber viel von seiner Art, wie ich versuche Enthusiasmus und Neugierde in meinen Mitarbeitern und Studenten zu wecken.
Meine Rückkehr nach Österreich empfand ich, nicht nur wegen des kälteren Klimas als Abkühlung. Die Dynamik und grenzenlose Begeisterung einer amerikanischen Top-Forschungsgruppe ist für viele Leute hier nicht vorstellbar und ich bin rückblickend dankbar, dass ich sie erleben durfte.

Was mache ich heute

Nach meiner Zeit in Stanford bin ich zurückgekehrt an mein Institut an der TU Graz. Kurze Zeit darauf wechselte ich an das Institut für Anorganische Chemie. Was ursprünglich als kurzer Abstecher ins Reich der Siliciumchemie geplant war, dauert mittlerweile 12 Jahre.

Als APART- Stipendiat der Akademie der Wissenschaften arbeitete ich an meiner Habilitation und verbrachte 1998 ein weiteres Jahr in Kalifornien, diesmal an der UC Berkeley als Visiting Scholar. Der START-Preis 1999 gestattete mir den Aufbau der Infrastruktur meiner Arbeitsgruppe. Seit 2002 bin ich ao.Univ.Prof. und arbeite mit meinen Mitarbeitern vornehmlich auf dem Gebiet der Organosiliciumchemie.

Persönliches / Mein "Credo"

Meine Zeit als Schrödinger Stipendiat hat mich als Wissenschaftler stark geprägt. Ich bin heute dankbar dafür einen Job zu haben, der eigentlich auch mein Hobby ist. Als akademischer Forscher kann man seiner Neugier ungehemmt frönen und das ist wohl auch mein persönliches Credo: "Man sollte tun was man gut kann und gerne tut."

In meinem Fall ist das präparative Chemie. Ich kann mich heute noch so über eine neue Verbindung meiner Mitarbeiter freuen, wie ich es als Diplomand und Doktorand tat. Immer noch erregt es mich das erste Spektrum einer möglichst spektakulären Substanz zu sehen.

Ich glaube, dass nur diese Art von Begeisterung wissenschaftliche Spitzenleistungen zulässt und dass es ungeheuer wichtig ist diese Begeisterung an seine Studenten weiterzugeben.