Harald KOLLEGER

Harald KOLLEGER

Titel/akad. Grad
Dr., Univ.Prof.

Website
http://members.chello.at/harald.kollegger/  

Schrödinger-Stipendium
J 0455, von Mai 1990 bis November 1991

Ort des Schrödinger-Stipendiums
Irland Dublin

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
Trinity College Department of Biochemistry  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Aufatmen, aufatmen schon bei der Abreise, aus dem einen und einzigen Grund, für eine Weile von der ärztlichen Routinearbeit im Allgemeinen Krankenhaus Wien lange genug befreit zu sein, um einem neurochemischen Forschungsprojekt am Trinity College in Dublin nachgehen zu können.
Später, als die Ergebnisse der ersten Experimente vorliegen, ein neues Konzept hinsichtlich der Chemoarchitektur des Nervensystems und dessen Funktionsstörungen. Weitreichende und tiefgehende Lektüre über molekulare Läsionsmuster vom Typ excitotoxicity. Zunehmend intensivere Kontakte zu den lokalen Wissenschaftern und den anderen postdocs. Ausbau und Verfeinerung des experimentellen Modells der Inkubation von Rattenhirnschnitten. Erste überraschende Ergebnisse stacheln meine Neugier an, erhöhen die Motivation. Im Labor des Department of Biochemistry herrscht beste Stimmung, wiewohl die Mittel begrenzt sind und der Betrieb nur durch Maximalkooperation (Ausborgen von Apparaturen, Chemikalien und Know-how) aufrecht zu erhalten ist. Die fester werdende Überzeugung, dass nicht nur die irischen Wissenschafter, sondern auch der Großteil der übrigen Einwohner dieses Landes Meister(innen) im Helfen sind. Erste Publikation in der immer noch reichlich ungewohnten Wissenschaftsprovinz Neurochemie. Versuch eines Brückenschlags von den experimentellen Ergebnissen zu einigen klinisch vertrauten neurologischen Erkrankungen. Erste Vorträge in Englisch bei einem Neuroscience Meeting in Tipperary.
Antrag beim FWF um Verlängerung des Schrödinger-Stipendiums. Lektüre der Bücher ‚Was ist Leben?' und ‚Mein Leben, meine Weltansicht' von Erwin Schrödinger, der selbst, vom Nazi-Regime verfolgt, am Institut for Advanced Studies in Dublin eine zweite Heimat gefunden hat. Schrödingers Kapitelüberschrift zum Thema ‚Was ist wirklich?` lautet:‚Wir werden der Gemeinsamkeit der Welt nur durch die sprachliche Verständigung inne'. Diesen Satz als Ausgangspunkt genommen für die Erkenntnis, dass ein toleranter Wissenschafts- und Klinikbetrieb nur dann möglich ist, wenn deren Protagonisten auf mehrere Identitäten (fachliche, sprachliche, nationale, persönliche) verweisen können. Wehmütiger Abschied im hereinbrechenden Winter 1991 trotz weiter bestehender Kooperationsprojekte. Insgesamt bei meiner Rückkehr nach Österreich damals die tiefe Überzeugung, dass die Erfahrungen, die ich am Trinity College in Dublin gesammelt habe, prägend sein werden, was meine weitere Laufbahn als Neurochemiker und Neurologe anlangt.

Was mache ich heute

Mein heutiger Tätigkeitsbereich umfasst die Betreuung neurologisch kranker Menschen als Professor und stationsführender Oberarzt an der Universitätsklinik für Neurologie in Wien, wobei meine Arbeitsschwerpunkte entzündliche und Autoimmunerkrankungen umfassen. Der Aufbau eines neurochemischen Labors ist mir im Rahmen der Klinik und unter Mithilfe einiger motivierter Mitarbeiter trotz widriger Umstände wie Personalmangel und rudimentärer Unterstützung durch Vorgesetzte zwar gelungen, ich habe mich aber vor einigen Jahren freiwillig aus meiner Position als Laborleiter zurückgezogen, als ich erkennen musste, dass vernünftige Forschungsinitiativen nur in einem verständnisvollen und kooperativen Klima erfolgreich sein können, diese Bedingungen jedoch an meiner Arbeitsstelle nicht nur nicht geschaffen, sondern systematisch untergraben wurden. Aus diesem Grund liegen derzeit viele meiner wissenschaftlichen Qualifikationen, die ich mir bei meinem Forschungsaufenthalt im Ausland erworben habe, brach. Ich bin aber zuversichtlich, dass meine Fähigkeiten und meine Motivation als Forscher unter anderen Gegebenheiten wieder aufleben werden.

Persönliches / Mein "Credo"

Wer die Kritik anderer am eigenen (auch wissenschaftlichen) Handeln nicht ernst nimmt, begibt sich auf einen Holzweg, der früher oder später in dogmatische Verhärtungen mündet, die mit demokratischen Mitteln nicht beizulegen sind. Es gibt kaum etwas Unangenehmeres als mit selbsternannten Experten arbeiten zu müssen, die nichts zustande bringen. Ein offener Diskurs ohne größere Empathiedefizite ist die wichtigste Ingredienz einer Wissenschaft, der es langfristig gelingt, die Aufmerksamkeit für das as Wesentliche zu bewahren.