Karl KUCHLER

Karl KUCHLER

Titel/akad. Grad
Prof. Dr. Dipl.-Ing.

Website
http://www.meduniwien.ac.at/medbch/MolGen/kuchler/  

Schrödinger-Stipendium
J 0487, von 1990 bis 1991

Ort des Schrödinger-Stipendiums
USA Berkeley, CA

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
University of California at Berkeley
Department of Biochemistyr and Molecular Cell Biology  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Die Zeit meines Schrödinger Stipendiums an der UC Berkeley war wissenschaftlich betrachtet die intellektuell wertvollste Zeit meines Lebens. Ich verbrachte fast drei Jahre an der UC Berkeley in der San Francisco "Bay Area". Das Schrödingerstipendium hat es mir nach meinem Max Kade Stipendium ermöglicht meine Arbeiten nicht nur weiterzuführen sondern auch sehr erfolgreich abzusschliessen.

Die UC Berkeley war und ist eine DER amerikanischen Topuniversitäten in den molekularen Biowissenschaften. Das Umfeld der Studenten und Postdocs ist geprägt von höchster Motivation, Respekt, "friendly competition" aber meist auch rückhaltloser gegenseitiger Unterstützung im Labor. Die UC Berkeley steht mit der wenige Kilometer entfernten UCSF Medical School sowie der Stanford University in einem freundlichen aber ständigem Wettbewerb der unglaubliche Synergien hervorbringt. Die Universitäten in der "Bay Area" (etwa 7 Millionen Einwohner) bringen jährlich die schier unvorstellbare Summe von etwa 5 Milliarden Euro rein privater Sponsormittel auf. Dementsprechend sind nicht nur die besten WissenschafterInnen sondern auch die besten StudentInnen und Postdocs aus der ganzen Welt in der "Bay Area" zu finden. Nach fast drei Jahren in Berkeley hatte ich mir ein Netzwerk von KollegInnen und Freunden aufgebaut, das heute über ganz Amerika verteilt ist und alle Spitzenuniversitäten von Ost nachWest inkludiert.

Als Postdoc der Biowissenschaften sollte man in Berkeley sieben Tage die Woche, möglichst 12 Stunden am Tag arbeiten um Fortschritte zu erzielen. Man kommt um 10 oder 11 Uhr morgens, verlässt das Labor spät abends oder um Mitternacht, und geht danach noch entspannt einkaufen. Morgens trinkt man den Kaffee zu Hause, im Auto, auf der Strasse oder im Bus. Das Alltagsleben ist somit wunderbar unkompliziert und macht somit auch grossen Leistungsdruck erträglich.

Die Menschen in Kalifornien sind offen. Es ist daher sehr leicht Kontakte aufzubauen, Freunde zu finden und soziale Integration zu erfahren. Ansonsten ist Amerika extrem bürokratisch aber sehr effizient. Es dauert einen Tag, um eine Telefonnummer zu erhalten, ein Haus zu mieten oder den Führerschein zu machen. Die unmittelbare Umgebung der "Bay Area" ist eine der schönsten Gegenden der Welt. Die Natur innerhalb von zwei Autostunden ist einfach unbeschreiblich schön, soferne man natürlich Zeit findet diese wunderbare Welt allein oder mit Familie zu geniessen. Wie immer im Leben, ist alles nur eine Frage der Organisation, und so hatte ich genug Gelegenheit neben der Wissenschaft auch diese Seite von Amerika ausgiebig kennenzulernen.

Was mache ich heute

Meine derzeitige Arbeitsgruppe in den Max F. Perutz Laboratories am Campus Vienna Biocenter umfasst etwa zehn Personen. Ein aktuelles Hauptinteresse unserer Arbeit liegt in den molekularen Mechanismen in der Entwicklung von antifungalen Resistenzen, mit besonderem Augenmerk in der Erforschung dieser Vorgänge im Modellsystem Hefe sowie in pathogenen Pilzen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten liegt in der Charakterisierung der molekularen Grundlagen der Genregulation und Stressantwort in Hefe, im speziellen die Rolle von ABC Transportern und deren physiologische Funktionen in der Stressadaptierung. Seit kurzem koordiniere ich ein neues interdisziplinäres Forschungsnetzwerk über molekulare Aspekte von Wirt-Pathogen Interaktionen, mit dem Schwerpunkt Wechselwirkung von Blutzellen mit pathogenen Pilzen. Das Ziel ist ein besseres molekulares Verständnis von Virulenz und Pathogenizität.

In Zukunft werden wir auch neue interdisziplinäre Forschungsthemen auf Basis bestehender Interessen etablieren bzw. ausbauen. Das Gebiet der "ABC Transporters and Human Disease" ist hier von besonderem Interesse. Durch deren pharmakologische Relevanz werden wir das Hauptaugenmerk auf neue ABC Transporter der Leber und des Darms richten. Wir werden insbesonders "systembiologische" Projekte verfolgen, die in interdisziplinären Ansätzen die Funktion krankheitsrelevanter ABC Gene unter Einsatz von Molekularbiologie, Zellbiologie, Genetik, Genomik, Proteomik, Mausmodellen, Bioinformatik und mathematischer Modellierung analysieren. Weitere Details zu unserer Arbeit sind im Internet http://www.meduniwien.ac.at/medbch/MolGen/kuchler/ abrufbar.

Persönliches / Mein "Credo"

Die intellektuelle Freiheit der Grundlagenforschung ist für mich die wichtigste Motivation und Triebkraft meiner Arbeit. Die Zukunft der Forschnung in den Biowissenschaften liegt in der Verschmelzung von theoretischen Gebieten wie Mathematik mit den experimentellen Biowissenschaften. Engste wissenschaftliche Kollaborationen der Disziplinen sind dafür unabdingbar. Für meine Arbeitsgruppe gilt bei wissenschaftlichen Kollaborationen die goldene Regel "communicate, network and collaborate whenever you can - be fair, open and transparent and give credit only to those who deserve credit".

Weiters betrachte ich die Kommunikation von WissenschafterInnen mit der breiten Öffentlichkeit als eine wichtige Bringschuld der Wissenschaft. Die Wissensvermittlung an SchülerInnen oder die breite Öffentlichkeit durch inhaltlich ausgewogene und allgemein verständliche Information zu allen Fragen der Biowissenschaften ist daher für mich zu einem unverzichtbaren Teil meiner täglichen Arbeit geworden. Als einer der Mitgründer von dialog<>gentechnik (www.dialog-gentechnik.at) verfolge ich dieses Ziel seit nahezu zehn Jahren.