Kurt KOTRSCHAL

Kurt KOTRSCHAL

Titel/akad. Grad
a.o.Univ.Prof.Dr.Mag.

Website
http://www.klf.ac.at/  

Schrödinger-Stipendium
J 0367, von 1.8.1989 bis 31.7.1990

Ort des Schrödinger-Stipendiums
USA Denver, CO

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
University of Colorado Health Sciences Center  

Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Was mache ich heute

Noch als Schrödinger Stipendiat in den USA erhielt ich im Frühjahr 1990 den Anruf von John Dittami, Abt. für Ethologie an der Universität Wien, ob ich als sein Assistent die Leitung der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau übernehmen wolle. Ich wollte. Seitdem erweckten wir die vom Nobelpreisträger 1973 gegründete Forschungsstelle aus dem Dornröschenschlaf. Heute arbeiten wir mit 10-15 MitarbeiterInnen, Post-docs, Dissertantinnen und Diplomanden, aus Österreich und anderen europäischen Ländern an den sozialen und kognitiven Mechanismen bei den Wirbeltieren. Als Modellsystem fungieren die traditionellen Graugänse, aber auch Raben, Dohlen und Waldrappe. Zur Lehre gehören neben der Betreuung der StudentInnen an der Forschungsstelle vor allem die Vorlesungen an der Universität Wien.

Aufgrund der geringen Ausstattung der Forschungsstelle mit Basismittel erfolgt die Forschungsfinanzierung über kompetitive Drittmittel, also vor allem über FWF-Projekte. So schließt sich der Kreis. Denn mein Schrödinger-Stipendium 1989 war eine der wichtigen Vorraussetzungen dafür, dass wir heute dem FWF relativ erfolgreich "auf der Tasche liegen" können. Tatsächlich halten Quantität und Qualität unserer Ergebnisse jedem internationalen Vergleich stand. Besonders erfreulich ist, dass zunehmend JungwissenschaftlerInnen, etwa Katharina Hirschenhauser und Thomas Bugnyar nicht nur international auffallen, sondern auch als erfolgreiche FWF-Antragsteller. Schlimm allerdings, dass es an den heimischen Universitäten selbst für diesen hervorragenden Nachwuchs keine Stellen gibt.

Zumindest im Bereich der Grundlagenforschung werden die Schlaglöcher in der heimischen Universitäts- und Forschungslandschaft durch einen hervorragend funktionierenden FWF abgefedert. So zeigt sich auch durch unsere aktuelle Arbeit, dass sich die Elemente sozialen Zusammenlebens und die geistige Leistungsfähigkeit innerhalb der Wirbeltiere, von den Fischen bis zum Menschen unglaublich konvergent entwickelten. Dies erklärt sich aus dem Zusammenwirken einer äußerst strukturkonservativen Evolution mit den parallelen ökologischen Notwendigkeiten. So ergibt sich auch ein neuer, aufregender Blick auf den Menschen. Die Graugans ist dafür als vergleichende Brille sogar besser geeignet als etwa unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen.

Persönliches / Mein "Credo"

Die Grundlagenforschung schafft nicht nur Wissen, sie leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die Entwicklung des geistigen Klimas im Lande. Das besten Mittel gegen die Vorurteile der Stammtische, gegen Klaustrophobie, eine unterentwickelte Bürgergesellschaft, Obrigkeitshörigkeit und gegen das Aufkeimen eines neuen Kreationismus sind funktionierende Universitäten und eine hohe Forschungsquote. So kommt dem internationalen Austausch auf hohem Niveau, wie ihn das Schrödinger-Stipendium gewährleistet, auch in gesellschaftlicher Hinsicht eine Schlüsselrolle zu. Vordringlich wäre es natürlich, den um gutes Geld ausgebildeten Spitzenkräfte tatsächlich auch Beschäftigungsmöglichkeiten in Österreich zu bieten.

Mein persönlicher Werdegang ist eng mit dem FWF verbunden. Das Schrödinger-Stipendium war entscheidende Karrierebasis. Darüber hinaus hätte meine wissenschaftliche Arbeit und die meiner MitarbeiterInnen in den vergangenen 15 Jahren ohne FWF-Projekte schlicht nicht stattgefunden. Dem FWF obliegt dabei nicht nur die Rolle als Finanzierungsagentur. Das Gutachtersystem, so unangenehm es im Falle von Ablehnungen auch sein mag, ist eines der wenigen funktionierenden Instrumente der Qualitätssicherung in der heimischen Grundlagenforschung. Dieses System motiviert zur Weiterentwicklung, die großen Konzepte zu sehen und sich nicht in kleinen Schrebergärten einzurichten. Dieses System war sicherlich der zentraler Faktor meiner eigenen wissenschaftlichen Entwicklung und der Erfolgsgeschichte Konrad Lorenz Forschungsstelle.

Die große Stärke des FWF und damit der heimischen Grundlagenforschung liegt in seinem überwiegenden "bottom-up"-Fokus. Anträge werden strikt entsprechend ihrer Qualität (Inhalt und Antragsteller) gefördert. Die zunehmenden Bestrebungen von Wissenschaftsmanagern aller Ebenen, durch Lenkung der Mittelverteilung, sozusagen "von oben" unmittelbaren Einfluss auf die Inhalte der Forschung auszuüben, gefährdet die Grundlagenforschung im hohen Maß. Es ist daher zu hoffen, dass auch in Zukunft die Unabhängigkeit des FWF und seines Gutachtersystems gewährleistet sind.