Michael JANTSCH

Michael JANTSCH

Titel/akad. Grad
Dr.

Website
http://www.mfpl.ac.at/index.php?cid=651
http://www.univie.ac.at/sfbrna/  

Schrödinger-Stipendium
J 0376, von 1989 bis 1991

Ort des Schrödinger-Stipendiums
USA Baltimore, MD

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
Carnegie Institution of Washington
Dept. of Embryology  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Zur Zeit meiner Dissertation an der Universität wien war die molekularbiologische Forschung in Österreich noch in den Kinderschuhen. Das Studium der Genetik war gerade erst im Aufbau begriffen und spezifielle Lehrveranstaltungen zu diesem Thema wurden nur vereinzelt angeboten. Zwar beschäftigte sich meine Dissertation mit molekularen Fragestellungen, im Vordergrund stand aber doch sehr oft die Bewältigung technischer Schwierigkeiten und die Etablierung "neuer" Methoden wie DNA-Sequenzierung, Erstellen von DNA-Banken etc.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass mir der Beginn meines Auslandsaufenthaltes an der Carnegie Institution of Washington in Baltimore, Maryland, wie eine technische und kulturelle Revolution vorkam. Der technische Stand der Forschung liess die wissenschaftliche Fragestellung in den Vordergrund rücken. Dazu kam die amerikanische Mentalität und die finanzielle Ausstattung der Forschungsinstitution, welche nahezu jedes wissenschaftliche Problem lösbar erscheinen liess. Auch das Traditionsbewusstsein der Forschungsstätte, welche viele bekannte Forscher beherbergt hatte und wo Untersuchungen durchgeführt wurden, die in Lehrbücher Einzug fanden, schaffte eine sehr selbstbewusste Atmosphäre.
Während mich dieses Umfeld anfangs einschüchterte, erkannte ich bald die vielen Möglichkeiten, die es mir ermöglichten neue Fragestellungen in einem stimulierenden und unterstützenden Umfeld zu bearbeiten und sogar erstmals selbst zu entwickeln. Bei der Diskussion von Ergebnissen und der aus heutiger Sicht zögerlichen Planung neuer Experimente bekam ich sehr oft zu hören "just do the experiment". Diese Aufforderung zum Experimentieren nahm ich bald an und versuche heute an meine Studenten weiterzugeben. Die unbekümmerte Annahme neuer Herausforderungen ist sicher ein Grundbaustein des Erfolges in der Forschung.
Neben den wissenschaftlichen Möglichkeiten hat mir mein Aufenthalt in den USA auch den Zugang zur amerikanischen Mentalität und zu Freunden ermöglicht. So freue ich mich jedesmal, wenn ich den Besuch von Konferenzen in den USA mit einem Treffen alter Freunde verbinden kann.

Was mache ich heute

Nach fast vier Jahren in den USA kehrte ich 1993 nach Österreich zurück, wo mir in der damaligen Abteilung für Zellbiologie und Genetik (Prof. Schweizer) am Botanischen Institut der Universität Wien ein Posten als Univ. Assistent angeboten wurde.
Dank der wissenschaftlichen Freiheit in der Abteilung und der finanziellen Unterstützung durch vom FWF geförderte Forschungsprojekte war es mir möglich, mein in den USA begonnenes Forschungsprojekt, die Charakterisierung RNA-bindender Proteine, in Wien weiter zu bearbeiten und auszubauen. Stand anfangs die Charakterisierung einer neuartigen RNA-Bindungsdomäne, welche mittlerweile in vielen Proteinen gefunden wurde, im Vordergrund, beschäftigt sich meine heutige Forschung primär mit der Funktion des RNA-editings, einer post-transkriptionellen Veränderung der RNA, und deren Einfluss auf das Kodierungspotential und die Funktion von RNAs.
Die eigenständige Forschung erlaubte mir im Jahre 2001 die Habilitation zum Universitätsdozenten im Fach Genetik und den Aufbau einer Arbeitsgruppe, welche mittlerweile 10 WissenschaftlerInnen umfasst.

Persönliches / Mein "Credo"

Das Erwin Schödinger Post-Doctoral Fellowship bietet, gemeinsam mit anderen, vergleichbaren internationalen Stipendien jungen WissenschaftlerInnen nach Beendigung ihres Studiums die einzigartige Gelegenheit, ohne grosses Risiko neue wissenschaftliche Richtungen in einem anderen kulturellen Umfeld zu erkunden.
Wohl die meisten jungen ForscherInnen stehen nach der Dissertation vor der Frage, wie und ob eine Karriere in der Wissenschaft zu realisieren oder überhaupt anzustreben ist. Während der Dissertation steht ja zumeist nicht die Entwicklung wissenschaftlicher Theorien sondern die Bewältigung und Beantwortung einer vorgegebenen Fragestellung im Vordergrund. Daraus ergibt sich verständlicherweise die Ungewissheit, ob man selbst die richtigen Fragen stellen und diese als GruppenleiterIn auch erfolgreich bearbeiten können wird.
Diese grundsätzliche Frage für sich selbst zu klären und das eigene Potential zu erkennen und auch zu entwickeln, stellt aus meiner Sicht den wesentlichsten Teil eines Post-Doctoral Aufenthaltes dar. Das richtige wissenschaftliche Umfeld spielt natürlich eine wichtige Rolle. Stimulierende Kontakte und das nötige Mass an Freiheit fördern die spielerische Komponente in der Wissenschaft, welche es einem schliesslich auch ermöglicht, eigene Ideen zu entwickeln. Die Möglichkeit diese zu verfolgen und auch nach Beendigung eines Post-Docs weiter zu bearbeiten ist ohne Zweifel ein wesentlicher Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere.
Doch auch wenn sich im Laufe des Post-Docs andere Perspektiven ergeben, wird sich ein Auslandaufenthalt auf den weiteren Werdegang sicher positiv auswirken. Ich denke daher, dass das Erwin Schrödinger Post-Doctoral fellowship in jedem Fall eine wertvolle Investition in junge WissenschaftlerInnen ist, die nach Möglichkeit genutzt werden sollte.