Werner SCHEITHAUER

Werner SCHEITHAUER

Titel/akad. Grad
Univ.Prof.Dr.med.

Website
scheithauer-kornek.com  

Schrödinger-Stipendium
J 0024, von 1984 bis 1985

Ort des Schrödinger-Stipendiums
USA San Antonio, TX

Forschungsstätte des Schrödinger-Stipendiums
University of Texas
Health Science Center in San Antonio
Drug Development Dept.  

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium
Was mache ich heute
Persönliches / Mein "Credo"

Erinnerungen an das Schrödinger-Stipendium

Bereits meine Ankunft nach rund 18-stündigem Flug von Wien nach San Antonio, Texas war beeindruckend. Prof.Dan Kisner, Vorsitzender des Gastrointestinal Committees' der South West Oncology Group, der damals weltweit grössten klinisch-onkologischen Studiengruppe, brachte mich persönlich direkt vom Flughafen zu seinem Haus um mit ihm und seiner Familie im Whirlepool bei nächtlichem Sternenhimmel im Freien mit Champagner anzustossen. Mithilfe von Freunden gelang es dann binnen 48 Stunden ein Apartment inkl. geleaster Einrichtung und ein gebrauchtes Auto, letzteres um $1000.- zu erwerben. Beeindruckend waren auch die Freundlichkeit, Umgänglichkeit und Energie ("you dont' need more than 5 hours sleep") meines dortigen eigentlichen Gastgebers & Chefs, Prof.Daniel D.VonHoff, der das Drug Development Department leitete, einige Jahre später Präsident der American Society for Clinical Oncology (ASCO) sowie auch American Association for Cancer Research (AACR) wurde und heute das Arizona Cancer Center leitet.

Man konnte Tag und Nacht direkt, ohne von einer Sekretärin daran gehindert zu werden, zu seinem Schreibtisch vordringen. Zu seinen Hobbies zählten nebst Familie und Boxen (er war ungefähr 165cm gross) Prof.McGuire, den Leiter der personell viel grösseren onkologischen Abteilung, im "wissenschaftlichen output" zu übertrumpfen. Fast ausnahmslos lag Dan VonHoffs' Team mit 200-250 Originalarbeiten pro Jahr vorne. Während meiner Tätigkeit in San Antonio gelang es mir persönlich nur 8 Arbeiten, dafür aber in Topjournalen zu publizieren. Das ging natürlich zu Lasten meiner Freizeit & meiner Wochenenden, allerdings waren die Möglichkeiten ohnedies kulturell und klimatisch ziemlich begrenzt (nur einmal vergass ich meine Sonnenbrille im Auto, die ich abends dann ziemlich deformiert und z.T. geschmolzen in der Ablage oberhalb des Armaturenbretts fand). Aufgrund der Tatsache dass im San Antonio Health Science Center einige hunderte "research fellows" aus aller Welt tätig waren, gewann ich dennoch viele Freunde, mit denen ich die spärliche Freizeit verbrachte: hin und wieder ein Flug ans Meer nach Corpus Christi oder an den Golf von Mexiko, Lebensmittelläden mit Europäischen Bezugsquellen suchen, oder aus Verzweiflung über die US Küche selbst Brot zu backen bzw. Brasilianischen Kaffee zu kochen. Irritierend waren einmalig ein Skorpion in der Badewanne, gelegentliche Tornado-Warnungen im Radio, Einladungen von Amerikanischen Freunden zu einer Grillparty (da erwartet wurde dass man sein eigenes Steak/rohes Fleisch mitbrachte), sogenannte "Baby shower" (eine Texanische Familie hat im Mittel 5 Kinder, nach einem Neuzugang wurden alle Bekannten eingeladen und brachten sinnloses Spielzeug oder Babykleidung mit, wobei jedes Präsent mit einem Getöse ausgepackt und bewundert wurde) und der 1xige Besuch der Oper von San Antonio (Flucht nach 10 Minuten und nie wieder).

Erstaunlich bis lehrreich waren das Selbstbewustsein der Amerikaner (zu jeder Frage gab es eine konkrete Antwort, auch wenn es völliger "nonsense" war; wenn man z.B. in einem Supermarkt nach dem Getränkeregal fragte, war man am besten beraten genau in der entgegengesetzten Richtung zu suchen, in die der Angestellte wies), die Unkompliziertheit des praktischen Lebens (Telefonshop, US Führerscheinprüfung, telefonisch augenblicklich realisierbare TV-Reparatur, Ausschalten der Stromzufuhr wenn man länger als 2 Tage nicht ferngesehen hatte), wie subtil sich die Amerikanischen KollegInnen auf Kongresse und Vorträge vorbereiteten (stundenlanges hearing, Kritiken und dann ein nochmaliger Probevortrag) und die Tatsache, dass alle dort ansässigen Europäer, selbst in leitender Position, im vertraulichen Gespräch mir mitteilten, dass sie wieder nach Europa zurück wollen wenn sich Gelegenheit böte. Das ist vermutlich auch der Grund warum ich trotz 3-jährigem Verlängerungsangebot seitens des Institutes schon nach 1 Jahr wieder nach Wien zurück kam. Meine Zeit am Health Science Center in San Antonio inkl. der o.g. spontane Assoziationen und vor allem das Wissen, das ich dort von hervorragenden Leuten erwerben und später weiter umsetzen durfte, möchte ich unter keinen Umständen vermissen. Internationale Erfahrung ist für eine Karriere ein absolutes Muss….

Was mache ich heute

  • Universitätsprofessor an der Abteilung für Klinische Onkologie/Universitätsklinik für Innere Medizin I im AKH Wien
  • Onkologischer Konsiliar in den A.Ö.Krankenhäusern Wr.Neustadt, Neunkirchen und Tulln
  • Councillor der European Society for Clinical Investigation (ESCI): 1988-91
  • Vorstandsmitglied der (1) Österr.Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, (2) Niederösterr.Krebshilfe, (3), Gesellschaft zur Erforschung der Biologie und Behandlung von malignen Tumoren, (4) Österr.Gesellschaft für angewandte Pharmakokinetik
  • Mitglied der Global Associates des Institute for Drug Development of the Cancer Therapy & Research Center in Texas (seit 1994)
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der (1) European Organisation for Cancer Research - Gastrointestinal Cancer Cooperative Group (EORTC - GITCCG), (2) Central European Cooperative Oncology Group (CECOG), (3) European Multidisciplinary Conference Group on Colorectal Cancer, (4) Sirtex European Medical Board, (5) Gerson Lehrman Group's Healthcare Council, und (6) Network of Advisors for academic and industry professionals
  • Co-Editor der Zeitschrift ONKOLOGIE - Int.Journal for Cancer Research and Treatment (01/99 bis 01/2005) und wiss.Beiratsmitglied des Journals für gastroenterologische und hepatologische Erkrankungen
  • Mitglied des internationalen wissenschaftlichen Kommittes der (1) Hubert Burda Foundation, (2) Fellinger Stiftung, (3) Seroussi Foundation for Cancer Research, und (4) Research & Development - Update Europe Organisation
  • Mitglied des Steering Committees der (1)Roche-koordinierten int.Studie No.16966 (FOLFOX vs. XELOX), und (2) Paneuropean Group (PETTAC) adjuvanten Rektumkarzinomstudie
  • Mitglied des wissenschaftl. Beirates bei zahlreichen nationalen und internationalen Kongressveranstaltungen
  • Gutachter bei verschiedenen wiss.Fachzeitschriften (u.a. J Clin Oncol, Ann Oncol, Cancer, Br J Cancer, Oncology)
  • Mitarbeiter/Organisator diverser postgradueller Fortbildungsveranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene

WISSENSCHAFTLICHE AUSZEICHNUNGEN:

  • Österr.Staatspreis für Rheumatologie 1987
  • Wolfgang Denk Preis der Österr.Ges.f.Hämatologie & Onkologie 1994
  • Outstanding Manuscript Award for Human Studies des Journal of Nuclear Medicine 1995
  • Mallinckrodt Award der Österr.Ges.f.Nuklearmedizin 1996
  • Bristol-Myers Squibb Preis der Österr.Ges.f.Innere Medizin 1997
  • Best Poster Award beim 27.Kongress der European Society for Medical Oncolgy 2002
  • "Eminent Scientist of the year 2005 Award - Europe" seitens des World Scientist Forums des International Research Promotion Council (IRPC)

ÖFFENTLICHE FORSCHUNGSZUWENDUNGEN:

  • Jubilaeumsfond der Österr.Nationalbank, Projekt Nr.2143 "Individualisierte Chemotherapie bei malignen Tumoren des Verdauungstraktes", 1983-85
  • Fonds zur Foerderung der Wissenschaftlichen Forschung, Projekt Nr. P-5352 "Tumor-spezifische Optimierung des human tumor stem cell assays für gastrointestinale Malignome", 1984-86
  • Erwin Schroedinger Stipendium, Projekt Nr.J-0024 "Preclinical and clinical studies on the development of new anticancer drugs", 1984-85
  • Kommission Onkologie-Krebsforschung der Universität Wien, Projekt "PH-Abhängigkeit der in vitro Chemosensitivität und Modulation der Zytostatika-resistenz", 1993-95
  • Jubliläumsfonds der Österr.Nationalbank, Projekt Nr.6587" "Stellenwert der Peptide bei der Wachstumsinhibition des Pankreaskarzinoms", 1997-98
  • Med.Wissenschaftlicher Fonds des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt Wien, 1998

WISSENSCHAFTLICHE PUBLIKATIONEN:

>180 Originalarbeiten, >60 Reviews bzw. Buchkapitel, >380 Abstrakts
(http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi - Scheithauer W)

MITGLIEDSCHAFTEN BEI INTERNATIONALEN FACHGESELLSCHAFTEN:

European Society for Medical Oncology (ESMO)
American Society of Clinical Oncology (ASCO)
American Association for Cancer Research (AACR)
New York Academy of Sciences

Persönliches / Mein "Credo"

"Internationale Erfahrung ist für eine Topkarriere ein absolutes Muss", eine Regel die in der Wirtschaft (Format, Oktober 2005) ebenso wie in der Medizin gilt. Vor genau 20 Jahren hatte ich (nach subtiler persönlichkeits- und wissenschaftlicher output-orientierter Forschungsprojektplanung) das Vergnügen eines der ersten medizinischen Auslandsstipendien seitens der Erwin Schrödinger Stiftung zu erhalten. Heute, als Universitätsprofessor an der Klinik für Innere Medizin I, Autor von >180 Originalarbeiten und der vom World Scientist Forum des International Research Promotion Councils als "Emminent Scientist of the Year 2005 for Clinical Oncology in Europe" ausgezeichnete Kliniker, denke ich gerne an meine Zeit als "research-fellow" in San Antonio/Texas zurück, die wirklich Basis meiner Karriere war.
Persönlicher Einsatz & Energie, ein auf internationaler Ebene erworbenes fundiertes Wissen plus die daraus resultierende Kontakte sind -heute noch mehr als damals-eine "conditio sine qua non" um z.B. eben als Kliniker Karriere zu machen.