F 42 - Walter Pohl - Visions of Community: Comparative Approaches to Ethnicity, Region and Empire in Christianity, Islam and Buddhism (400-1600 CE)

Sprecher:
Walter Pohl

bewilligt: 2010

Universität/Forschungsstätte: Universität Wien/Österreichische Akademie der Wissenschaften

walter.pohl(at)oeaw.ac.at

www.univie.ac.at/viscom

Wie beeinflussten Universalreligionen die Herausbildung einzelner Gemeinschaften und Identitäten? VISCOM schlägt einen vergleichenden Ansatz vor, der christliche, islamische und buddhistische Beispiele in den Blick nimmt, um die Wechselwirkung zwischen religiösen und politischen „Gemeinschaftsvisionen“ im Lauf des „Mittelalters“ zu untersuchen. Alle drei Religionen dienten zur Legitimierung imperialer Herrschaft, aber sie unterstützten auch andere – lokale, regionale, städtische oder ethnische – Gemeinschaftsformen. Doch werden dabei interessante Unterschiede sichtbar: Etwa spielte Ethnizität in den drei Kulturbereichen eine verschiedene Rolle. Lag das am jeweiligen Einfluss der Religion oder in manchen Fällen eher an ihrem mangelnden Einfluss? Welche Wirkungen auf die Herausbildung neuer Gemeinschaften hatten Vorstellungen, Wahrnehmungen und kulturelles Gedächtnis, und wie wurden sie wiederum von religiösen Diskursen geprägt? Wie interagierten unterschiedliche Gemeinschaftsformen (zum Beispiel regionale und ethnische Gruppen oder Imperien)? Diese Probleme liegen im Spannungsfeld von Geschichte und Sozialanthropologie, von Europa- und Asienforschung, von politischer und Religionsgeschichte, von Forschungen über Diskurse und über Praktiken, und sind deshalb noch nicht genügend behandelt worden. VISCOM möchte diese Abstände überbrücken. Das Projekt wird auf zwei Ebenen aktiv:

* Erstens werden aufgrund (vor allem) schriftlicher Quellen eine Reihe exemplarischer Tiefenstudien über Gemeinschaftsdiskurse und ihre Wirkungen durchgeführt. Die Beispiele kommen aus Forschungsfeldern, in denen Wien besondere Stärken und internationale Verbindungen aufzuweisen hat: das frühmittelalterliche Europa; das mittelalterliche Südarabien, Iran und Tibet; das hoch- und spätmittelalterliche Mitteleuropa; sowie der spätmittelalterliche Westbalkan. Diese Projekte sollen in enger Zusammenarbeit des gesamten Teams und mit einem systematischen komparatistischen Ansatz durchgeführt werden.
* Zweitens wird über den Prozess vergleichender Forschung und Modellbildung selbst reflektiert werden. Unser Geschichtsbild hat sich schrittweise globalisiert, aber die Methoden und Modelle haben damit nicht Schritt gehalten. Ein wichtiger Punkt ist die Historisierung unserer Terminologie, um klarzumachen, was genau Begriffe wie „Religion“, „Ethnizität“, „Identität“ oder „Staat“ in bestimmten Regionen oder Zeiten bedeuten können. Die Methodologie der historischen Komparatistik, in der Mittelalterforschung und darüber hinaus braucht eine sorgfältige Revision, und das interdisziplinäre Team, das in VISCOM zusammenarbeitet, hat dazu das Potenzial. Das angestrebte Resultat geht daher über das Wissen hinaus, das aus den einzelnen Projekten zu erwarten ist. Das Projekt sucht nach einer „Best Practice“ für Interdisziplinarität und möchte zugleich die disziplinäre Forschung weiterbringen, indem neue Fragen gestellt und neue Methoden erprobt werden. Kurz, es sollte Wege zur Analyse und Rekonstruktion komplexer Gesellschaften eröffnen, die auch auf andere historische Perioden anwendbar sind.
 
Durchschnittlich beschäftigte NachwuchswissenschafterInnen
15

Höhe der FWF-Förderung
2.498.670,00 €

Internationale Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Helmut Reimitz, Department of History, Princeton University: Historiographies of Identity
  • Prof. Dr. Jonathan Lyon, Department of History, University of Chicago
  • Prof. Dr. Nicola di Cosmo, Institute for Advanced Study, Princeton: Shadows of Empire
  • Prof. Dr. Paul Dresch, University of Oxford
  • ERC Starting Grant OVERMODE – Origins of the Vernacular Mode (Dr. Pavlina Rychterova)

Principal Investigators (PI)

  • Walter Pohl, Institut für Geschichte, Universität Wien/Institut für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Andre Gingrich, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien/Institut für Sozialanthropologie, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Christina Lutter, Institut für Geschichte, Universität Wien
  • Oliver Schmitt, Institut für osteuropäische Geschichte, Universität Wien
  • Helmut Krasser, Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Vincent Eltschinger, Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Sprecher des SFBs
Walter Pohl, Institut für Geschichte, Universität Wien/Institut für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften

walter.pohl(at)oeaw.ac.at

Stellvertreter: Andre Gingrich

Website:
www.univie.ac.at/viscom

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Kontakt
FWF – Der Wissenschaftsfonds
Haus der Forschung
1090 Wien, Sensengasse 1
T: +43/1/505 67 40-0, F: +43/1/505 67 39
office(at)fwf.ac.at
Sabine Haubenwallner
DW 8603, sabine.haubenwallner(at)fwf.ac.at