Geheimnisse der Erdkruste - Österreich ist Mitglied bei internationalem Tiefbohrungsprogramm ICDP

Seit Ende 2001 ist Österreich - vertreten durch den FWF und die Österreichische Akademie der Wissenschaften - Mitglied beim internationalen kontinentalen Tiefbohrungsprogramm ICDP.

International organisierte wissenschaftliche Bohrungen zum Verständnis von geologischen Prozessen nahmen ihren Anfang Ende der 60er Jahre, als GeowissenschafterInnen mit der Erforschung der Ozeanböden von Bohrschiffen aus begannen. Die Ergebnisse dieser internationalen Tiefseebohrungs-Programme führten zu einem grundsätzlichen Wandel vom Bild der Erde, aber der Schlüssel zum Verständnis der Erde muss auf den Kontinenten gesucht werden. Deshalb ist die Erforschung der Festlandskruste durch kontinentale Tiefbohrungen besonders wichtig.

Resultate von Projekten an einer Stelle der Welt können anderswo verwertet werden. Daher - und auf Grund der hohen Kosten von Bohrprogrammen - ist internationale Kooperation unbedingt nötig. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 1998 das ICDP ins Leben gerufen. ICDP wird durch Beiträge von nationalen Forschungsfonds und Akademien finanziert. Momentan sind außer Österreich China, Deutschland, Island, Japan, Kanada, Mexiko, Polen, die Tschechische Republik und die U.S.A. Vollmitglieder. Zusätzlich sind noch die UNESCO, ODP und Schlumberger Inc. als sogenannte "Corporate Affiliates" Mitglieder. Weitere Länder verhandeln momentan um die Aufnahme.

Viele Projekte sind jetzt in der aktiven Phase. Bohrungen werden unter anderem durchgeführt in: Hawaii (Bildung einer Inselkette), San Andreas-Verwerfung in den USA (Erdbebenentstehung), Chicxulub-Meteoriteneinschlagkrater in Mexiko (Zusammenhang von Impakt und Massensterben), Unzen-Vulkan in Japan (Bohrung in einem aktiven Vulkan), Lake Titicaca in Bolivien und Lake Malawi in Malawi (Paläoklimatologische Untersuchungen), und Mallik in den Northwest Territories in Kanada (Gashydrate als mögliche Energiequelle).

Durch Österreichs Mitgliedschaft beim ICDP haben österreichische WissenschafterInnen Gelegenheit, bei ICDP-Projekten mitzuarbeiten und auch selbst Anträge für Bohrprojekte (oder Teilbereiche von Projekten) zu stellen.

Bereits jetzt gibt es eine Beteiligung von österreichischer Seite an zwei Projekten: Prof. Dr. Christian Köberl vom Institut für Geochemie der Universität Wien (www.univie.ac.at/geochemistry/) ist als "Team Leader" des Bereichs "Geochemie" am Chicxulub-Bohrprojekt beteiligt und ist Hauptantragsteller eines neuen Projektes, bei dem eine Serie von Tiefbohrungen im Bosumtwi-Meteoritenkrater in Ghana durchgeführt werden sollen. Dabei handelt es sich um eine internationale Kooperation mit etwa 20 WissenschafterInnen-Teams aus der ganzen Welt. Sowohl die Untersuchung des Meteoritenkraters als auch paläoklimatische Fragestellungen werden im Projekt behandelt.

Details zum ICDP und zu allen laufenden Projekten finden Sie auf der ICDP-Website unter www.icdp.gfz-potsdam.de.

Wien, am 11. Jänner 2002