Erik Wolfgring im Labor
Der Paläontologe und Schrödinger-Stipendiat Erik Wolfgring forschte in Australien und Mailand. © William Crawford, IODP JRSO

Ich bin Erdwissenschaftler und forsche momentan in meiner Rückkehrphase als Schrödinger-Stipendiat an der Universität Wien über Reaktionen von einzelligen marinen Mikroorganismen auf Umweltveränderungen während kreidezeitlicher Extremklimaphasen. Die Gelegenheit der Mitarbeit im International Ocean Discovery Program (IODP) vor einigen Jahren war ein entscheidender Moment in meiner Laufbahn, der mir deutlich gemacht hat, dass Internationalität eine unabdingbare und konstante Rolle in der Wissenschaft und in meinem weiteren beruflichen Werdegang einnehmen sollte.

So gab es für mich nach meiner Promotion an der Universität Wien keine Zweifel, dass ich an die Erfahrungen, die ich in einzelnen internationalen Kooperationen sammeln konnte, anknüpfen möchte. Die Mitarbeit in einer IODP-Expedition vor Australiens Westküste brachte neue Kontakte. In Australien hatten wir Sedimentkerne aus der Kreidezeit geborgen. Daraus ergaben sich die nächsten Schritte fast von selbst. Ich wusste nun, dass ich als Postdoc in der Arbeitsgruppe von Maria Rose Petrizzo an der Universität Mailand über Mikrofossilien im urzeitlichen Klimawandel forschen möchte.

Vier Wissenchaftler:innen, eine Frau und drei Männer, schauen auf Proben im Labor
Maria Rose Petrizzo (Paläontologin, Università degli Studi di Milano, Italy), Erik Wolfgring (Paläontologe, Universität Wien), Gabriel Tagliaro (Sedimentologe, Universität Texas, USA) und Matthew Jones (Physical Properties/Downhole Measurements Specialist, Northwestern University, USA) untersuchen Sedimentkerne. © Cristiane Delfina and IODP

Zeugen kreidezeitlichen Klimawandels unter dem Mikroskop

Mein Arbeitsalltag als Geologe (Mikropaläontologe) findet, sobald der spannende Teil der Beschaffung der Sedimentproben erledigt ist, vorwiegend an meinem Mikroskop und vor dem PC-Bildschirm statt. Die grundlegende Arbeit besteht aus dem Aufbereiten von Sedimentproben und natürlich der Analyse von Veränderungen in der Populationsstruktur von fossilen Markerarten, die uns Hinweise auf die Umweltbedingungen vor mehr als 65 Millionen Jahren liefern.

Der Beginn meines Auslandsaufenthaltes 2020 war noch stark vom Pandemiemanagement und damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen geprägt – so war, wie fast überall in Europa, lange Zeit auch in Mailand nur ein eingeschränkter Universitätsbetrieb möglich, was sich vor allem im fehlenden Austausch mit Kolleginnen und Kollegen äußerte. Für gut zwei Jahre hatte man somit zum Beispiel keine Möglichkeit, sich bei Konferenzen oder an anderen Universitäten zu treffen.

Kalkschalige Mikrofossilien unter dem Mikroskop
Kalkschalige Mikrofossilien aus der Kreidezeit (benthische Foraminiferen). © Erik Wolfgring

Doch trotz dieser nicht optimalen Bedingungen zu Beginn meiner Schrödinger-Erfahrung kann ich sehr zufrieden auf den wissenschaftlichen Output blicken. Der Auslandsaufenthalt gab mir die Möglichkeit, ein wenig zum besseren Verständnis urzeitlicher Extremklimata beizutragen. Auch wenn bei Weitem nicht alle Aspekte des Klimawandels im Erdmittelalter auf die heutige Situation zutreffen, so wecken die Ergebnisse der letzten drei Jahre Neugierde auf mehr Entdeckungen und liefern zahlreiche Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsvorhaben, etwa zu diesen Fragen: Inwieweit können wir urzeitliche Extremklimaphasen als Schablone für gegenwärtige Prozesse betrachten? Was können wir von der Entwicklung benthischer Lebensräume während der heißen Kreidezeit lernen?

Ziegelgebäude mit Bäumen und Fahnen im Vordergrund
Institut für Erdwissenschaften (Dipartimento di Scienze della Terra "Ardito Desio"), Universität Mailand © Erik Wolfgring

Mailand und das Umland

In der Zeit, die ich im Rahmen meiner Schrödinger-Auslandsphase in Mailand verbringen durfte, habe ich die Stadt, auch abseits der bekannten Highlights, dem Duomo, dem Letzten Abendmahl von Da Vinci und der Fashion-Week, als einladende, lebenswerte Stadt erlebt, in der es nie langweilig wird. Bedingt durch die zentrale Lage in der Po-Ebene, zwischen den Alpen im Norden und der einladenden ligurischen Riviera im Süden, hält die Region trotz meines langen Aufenthalts noch viel Unentdecktes bereit. So konnte ich weder die Stadt Mailand noch die Lombardei ausreichend erkunden. Besonders im Umland von Mailand findet man in fast jedem Ort eine Sehenswürdigkeit – von römischen Säulen und Mosaiken über mittelalterliche Kirchen und Burgen. Es gibt also auch hier noch einiges zu erforschen.  

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