Lukas Wein vor der UCLA
Von Innsbruck nach Los Angeles: Der Chemiker und Schrödinger-Stipendiat Lukas Anton Wein forscht am Garg Lab an der University of California (UCLA) an neuen Synthesemethoden. © privat

Für mich war schon früh während der Doktorarbeit klar, dass ich die Chance eines Postdoc-Aufenthalts nutzen wollte, um zusätzliche internationale Erfahrungen im akademischen Umfeld sammeln zu können. Den Arbeitskreis von Neil K. Garg an der University of California, Los Angeles (UCLA) fand ich dafür besonders attraktiv, weil dort innovative Synthesemethoden entwickelt werden. Diese basieren auf den außergewöhnlichen Eigenschaften von sogenannten gespannten Zwischenstufen. Diese instabilen Verbindungen entstehen, wenn man bevorzugt linear angeordnete funktionelle Gruppen, wie zum Beispiel Allene, in kleine organische Ringsysteme einbaut, wodurch eine Ringspannung entsteht.

Neue Reaktionsmechanismen per Rechner

Bei unserer Arbeit an der UCLA werden dafür die Reaktionseigenschaften zunächst mithilfe von quantenmechanischen Berechnungen vorhergesagt und dann im Labor getestet. Meine Idee dabei war, die hohe Reaktivität nicht isolierbarer, zyklischer Allene in einer neuartigen Transformation auszunutzen. Allene sind in der organischen Chemie eine wichtige Stoffgruppe, deren Moleküle sich durch die Abfolge ihrer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Verknüpfung auszeichnen.

An der UCLA entwickle ich dafür übergangsmetallkatalysierte Kohlenstoff-Wasserstoff-Annullierungen, um komplexe multizyklische Moleküle möglichst effizient aufzubauen. Die Entwicklung derartiger Methoden ist vor allem für die pharmazeutische und (agro-)chemische Industrie von Bedeutung. Beispielsweise basiert eine Synthese des Fungizids Isopyrazam von dem auf Saatgut und Pflanzenschutzmittel spezialisierten Unternehmen Syngenta auf einer ähnlichen Technik. Aber auch die akademische Syntheseforschung profitiert von derartigen Neuerungen.

Besondere Forschungskultur

Natürlich machen sich die rund 10.000 km Entfernung zu meiner Alma Mater, der Universität Innsbruck, auch in der Wissenschaftskultur bemerkbar. Beeinflusst durch die Techniken aus der Industrie, sind Arbeitsabläufe im Garg Lab noch deutlicher auf Effizienz getrimmt. Beispielsweise werden einfache, laborsynthetische Aufgaben oftmals an sogenannte Contract Research Organizations (CROs) ausgelagert, um den Fokus auf die deutlich komplexeren Fragestellungen legen zu können. Das ist wirklich außergewöhnlich für die universitäre Forschung. Auch Geräte werden danach selektiert, Prozesse zu beschleunigen.

Trotz all dem kommt man, wie an allen prestigeträchtigen Forschungsinstituten in dem kompetitiven Umfeld der Organischen Chemie, nicht ohne einer 6-Tage-Woche aus. Da Projekte aber generell in Teams bearbeitet werden, besteht eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Man kommt gerne ins Labor. Ein anderer wichtiger Aspekt der Gruppe um Neil K. Garg ist die professionelle Weiterentwicklung. So lassen sich etwa bei den unterschiedlichsten Meetings, die Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten perfektionieren. Auch die positive Atmosphäre, u.a. durch die Verpflegung mit Bagels, Donuts und extragroßen Pizzastücken, sorgt für die notwendige Energie. Nicht zuletzt halten Spitzenforschende nahezu wöchentlich Vorträge.

Eine der ungewöhnlichsten Städte der Welt

In der viel beschworenen Stadt der Engel (Los Angeles) anzukommen, kann durchaus irritieren. Man sieht viele Obdachlose, die mit oder ohne Zelt auf dem Bürgersteig schlafen. Sie sind Sinnbild für den extrem angespannten Wohnungsmarkt in der gesamten Stadt. Die Einwohnerinnen und Einwohner, vor allem auch Studentinnen und Studenten, geben nicht selten mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete aus. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die magische Anziehungskraft von Los Angeles. In der pulsierenden Großstadt mit dem Charme der typisch kalifornischen Gelassenheit, mit der Nähe zu den Bergen und zum Meer werden Wochenenden schnell zu kurzen Abenteuerurlauben mit bleibenden Erinnerungen.

Besonders beeindruckende Erlebnisse waren für mich zum Beispiel die Konzert-Atmosphäre in der Hollywood Bowl, die Strände von Malibu, der Besuch eines Filmsets der Universal Studios, Wandern am Big Bear Lake und die kreative Küche der vielen kleinen Restaurants. Zu all diesen Orten muss man in LA tatsächlich mit dem Auto fahren, denn die weitläufige Stadt ist auf den Individualverkehr ausgelegt. Das prägt auch das Stadtbild: Die Straßen sind breit, die Grundstücke groß und genau das hat seinen Reiz. So ist die architektonische und kulturelle Vielfalt bei Fahrten entlang des Sunset oder Santa Monica Boulevards eine wahre Augenweide.

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