FWF Konsultationsprozess Karriereprogr
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Mitte Dezember ging der mit mehreren Stakeholder-Gruppen durchgeführte Konsultationsprozess zu den künftigen FWF-Karriereprogrammen zu Ende. Aus den Konsultationen leitet der FWF ab, ein neues Early-Stage-Programm mittelfristig umzusetzen. Für das geplante Advanced-Stage-Programm heißt es vorerst noch warten und weiter konzipieren. Das FWF-Präsidium wird im Jänner 2020 über die nächsten Schritte entscheiden.

Mehr Forscherinnen an den Forschungsinstitutionen verankern und faire Bedingungen für alle Antragsteller/innen schaffen  – unter diesen Zielvorgaben kündigte der FWF in seinem Mehrjahresprogramm (pdf, 3,55MB) die Pläne für die Weiterentwicklung der Karriereentwicklungsprogramme an. Im Kern sieht der Entwurf die Zusammenführung des Lise-Meitner- mit dem Hertha-Firnberg-Programm in ein neues Early-Stage-Programm sowie die Harmonisierung des Elise-Richter- mit dem START-Programm in ein neues Advanced-Stage-Programm vor. Speziell die Integration der Frauenprogramme warf offene Fragen zur künftigen Frauenförderung auf, die von den Teilnehmenden am Konsultationsprozess intensiv diskutiert wurden.

Welche Schlüsse zieht der FWF aus dem Konsultationsprozess? 

  • Das neue Early-Stage-Programm fand in seinen Grundzügen weitgehende Zustimmung. Es wird die Einschätzung geteilt, dass die Umstellung eine Vereinfachung und Verbesserung darstellt. Die Möglichkeit der laufenden Einreichung, der höheren Flexibilität bei den Förderungssummen, der Ausbau des Frauen-Mentorings, einheitliche Antragsvoraussetzungen und nicht zuletzt mehr Budgetmittel bringen Vorteile für alle Antragsstellenden mit sich. Unter Berücksichtigung der mit den Konsultationsgruppen erarbeiteten Programmkomponenten und zusätzlichen Frauenförderungsmaßnahmen gibt es Konsens, dass im Jahr 2021 die Umsetzung bei gleichzeitiger Erhöhung des Förderungsvolumens für diese Karrierestufe beginnen könnte. Die weitere Programmausarbeitung und Kommunikation kann nach Zustimmung des FWF-Präsidiums Anfang 2020 erfolgen. Das Programm sollte zudem durch ein Monitoring begleitet werden.
  • Im Advanced-Stage-Programm sind in dem  Konsultationsprozess Punkte im Bereich des Programmdesigns sowie in Bezug auf die Höhe der notwendigen finanziellen Mittel für einen Programmstart vorläufig noch offen geblieben. Aus den Diskussionen dazu nimmt der FWF den Vorschlag mit, den Start der beiden Programmschienen zu entkoppeln. Das Advanced-Stage-Programm kann als Weiterentwicklung des START-Programms in den nächsten Monaten weiter diskutiert und konzipiert werden. Zudem ist es ein Ziel, die dafür nötige Finanzierung durch den Bund zu erwirken.
  • Die Weiterentwicklung der Gleichstellungsstandards in den Entscheidungsverfahren aller FWF-Programme soll entsprechend der Ergebnisse aus dem Konsultationsprozess vorangetrieben werden (Anti-Bias-Trainings, vertiefende Genderkompetenz in Entscheidungsgremien etc.).
  • Die Gespräche in den Arbeitsgruppen zeigten auch, dass es besonders wichtig ist, Frauenförderung und Gleichstellungsmaßnahmen als gemeinsame Aufgabe des Wissenschaftsfonds, der Forschungseinrichtungen und des Wissenschaftsministeriums (BMBWF) anzusehen, um durch eine abgestimmte Vorgehensweise gemeinsam stärkere Effekte zu erzielen.
  • Die im Konsultationsprozess vorgeschlagenen Optimierungen (z.B. Aufhebung des Territorialitätsprinzips (pdf, 108KB)) sollten auch im Programmdesign anderer FWF-Programme berücksichtigt werden. Der FWF wird diese Vorschläge in den entsprechenden Gremien diskutieren.
  • Diese Schlussfolgerungen bilden die Basis für die weitere Entscheidungsfindung im FWF-Präsidium, das Ende Jänner 2020 zusammenkommen wird.

Wer war am Konsultationsprozess beteiligt? Wie lief der Prozess ab?

Den Auftakt bildeten ganztägige Arbeitstreffen mit KollegInnen der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn und des Schweizer Nationalfonds in Bern. Parallel dazu initiierte der FWF eine strukturierte, moderierte Konsultation. Der Hauptfokus lag auf der Frage, ob und wenn ja, wie man Frauen in gemeinsamen Programmen besser fördern kann bzw. soll. Dieser ergebnisoffene Prozess umfasste verschiedene Konsultationsgruppen und bezog ExpertInnen ein. Er wurde vom Büro PlanSinn begleitet und moderiert. Es gab vier Konsultationsgruppen (VertreterInnen der Delegiertenversammlung, VertreterInnen des Kuratoriums, VertreterInnen des Richter-Netzwerkes und der Jungen Akademie sowie eine Gruppe von ausgewiesenen ExpertInnen in Gleichstellungsfragen). Die jeweiligen Personengruppen entsandten je ca. acht Mitglieder in ihre Konsultationsgruppe und nominierten im wissenschaftlichen Bereich (in Theorie und Praxis) ausgewiesene Expertinnen für Gender-Mainstreaming für die Gruppe der GleichstellungsexpertInnen. Die vom FWF als Sprecherinnen angefragten, unabhängigen Expertinnen stellten in Folge aus diesen Nominierungen die Gruppe der GleichstellungsexpertInnen zusammen. Diese vier Gruppen erarbeiteten anhand eines Fragenkatalogs Feedback und Empfehlungen zur vorgeschlagenen Neuausrichtung der Karriereprogramme.

Warum stellt die Weiterentwicklung auf eine zweistufige Karriereförderung eine Verbesserung, speziell für Frauen, dar? Welches Problem soll gelöst werden?

Im internationalen Vergleich ist die Beteiligung von Frauen bei der Antragstellung beim FWF hoch. In der frühen Karrierephase ist sie mit 45 Prozent ziemlich ausgewogen (mit Ausnahme der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer, wo Frauen noch deutlich unterrepräsentiert sind). Allerdings zeigt sich, dass Frauen deutlich weniger Mittel als Männer beantragen, was den unterschiedlichen finanziellen Ausstattungen der diversen Förderungsprogramme geschuldet ist. Derzeit führen die unterschiedlichen Laufzeiten, Förderungsmittel und Antragsbedingungen zu unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die Forschenden, sowie zu unterschiedlichen Renommees. Die Reduktion auf zwei Programmstufen soll unter Beibehaltung der Frauenförderung gleiche Chancen für unterschiedliche Förderungsbedürfnisse in der jeweiligen Karrierestufe schaffen.

Insgesamt plant der FWF im Zuge der Weiterentwicklung des Portfolios, das Budget für die Karriereförderung deutlich zu erhöhen. So sollen durch diese Harmonisierung speziell Antragstellerinnen noch besser angesprochen und bisher bestehende Nachteile für bestimmte Personengruppen und/oder Fachgebiete aufgehoben werden. Diese Form der Neugestaltung soll im Allgemeinen Karrieren besser fördern und im Besonderen zur weiteren Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen in Österreich beitragen. Für Frauen werden 50 Prozent der Projektförderungen reserviert. Zusätzlich werden frauenspezifische Fördermaßnahmen vor der Antragstellung und während der Projektlaufzeit ausgebaut bzw. implementiert. Durch die Weiterentwicklung sollen zudem neue Standards in der Gleichstellung in allen Programmen und Prozessen des FWF gesetzt werden.

Welche Überlegungen liegen der Weiterentwicklung zu Grunde?

Als Grundlage der Umstrukturierung dienen Programmevaluierungen der o.g. Programme, internationale Vergleichsstudien, die langjährige Erfahrung des FWF in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der Frauenförderung sowie aktive Mitarbeit in entsprechenden europäischen Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse aus dem Konsultationsprozess fließen ebenso in die weitere Ausgestaltung ein. Nicht zuletzt bilden die FWF-Förderungsstatistiken der vergangenen Jahre die Basis für die geplanten Programmumsetzungen.

Welche Vorteile ergeben sich im neuen Early-Stage-Programm?

Das geplante Modell bietet die Möglichkeit, laufend einreichen zu können, flexiblere Förderungssummen, eine Erhöhung des Fördervolumens, die Aufhebung des Territorialitätsprinzips (pdf, 108KB), den Ausbau des Mentoring und einheitliche Beantragungsmöglichkeiten. Die Hälfte der Projektförderungen ist für Frauen reserviert. Zusätzlich werden frauenspezifische Fördermaßnahmen vor der Antragstellung und während der Projektlaufzeit ausgebaut bzw. implementiert.

Warum überlegt der FWF ein einheitliches Advanced-Stage-Programm?

In der fortgeschrittenen Karrierestufe fallen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Renommees der existierenden Programme besonders ins Gewicht: So sprechen die Zielsetzungen des finanziell am höchsten ausgestatteten Exzellenzprogramms (START) v. a. Männer aus den Naturwissenschaften und Technik an. Das Elise-Richter-Programm ist hingegen finanziell eng gedeckelt und wird vorwiegend von Frauen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften in Anspruch genommen.

Ein einheitliches Programm (somit keine „Konkurrenzprogramme“ für Frauen und Männer auf derselben Karrierestufe) würde diese Ungleichheit beseitigen. Laufzeit und Einsatz der Mittel sind flexibel und sollen alle Erfordernisse in diesem Karrierestadium bedienen. Im Entscheidungsverfahren sollen höchste Standards bei Gleichstellungs- und Awareness-Maßnahmen angewandt werden. Da im Konsultationsprozess zum Advanced-Stage-Programm einige offene Punkte im Bereich des Programmdesigns sowie in Bezug auf die Höhe des notwendigen Budgets für einen Programmstart zu Tage getreten sind, werden die Pläne in den nächsten Monaten weiter diskutiert und ausgearbeitet.

Sind aktuell Einreichungen bei den Karriereprogrammen möglich?

2020 können die Karriereprogramme wie gewohnt beantragt werden (Lise-Meitner laufend, Firnberg-Richter-Ausschreibung im Frühjahr und Herbst, START-Ausschreibung im Herbst). Im Early-Stage-Bereich ist frühestens im Jahr 2021 mit der Umstellung auf das neue Programmdesign zu rechnen.


Weiterführende Information

scilog-Interview mit der Gleichstellungsexpertin Edith Gößnitzer zum Konsultationsprozess und den FWF-Karriereprogrammen

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