Warum Open Access ?
Die Open-Access-Bewegung legitimiert sich zunächst einmal aus ihren Argumenten:

  • "Öffentliches Gut" Wissenschaft: Es gehört zur beruflichen wie auch zur ethischen Verpflichtung der öffentlich geförderten Wissenschaften ihre Erkenntnisse nicht nur zu publizieren, sondern auch der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.
  • Wettbewerb der Ideen: Erst ein freier Zugang zu den Ergebnissen der Wissenschaft, an denen alle Interessenten teilhaben können, gewährleistet eine stetige Weiterentwicklung und auch Diffundierung in die Gesellschaften.
  • Vitalisierung des Publikationsmarktes: Open-Access-Publikationsmodelle können helfen, den vorhandenen Markt mit seinen wenigen sehr großen Anbietern aufzubrechen und damit die Anschaffungskosten für wissenschaftliche Publikationen zu stabilisieren.
    www.jisc.ac.uk/publications/reports/2009/economicpublishingmodelsfinalreport.aspx
    http://www.rin.ac.uk/system/files/attachments/sarah/Activities-costs-flows-summary.pdf
  • Revolution der wissenschaftlichen Kommunikation: Mit Open-Access-Publikationsmodellen lassen sich völlig neue Darstellungsformen (u.a. Visualisierungen, Verlinkungen, Datenintegration) wie auch neue Formen der Qualitätssicherung (z.B. open oder dynamic peer review) realisieren.

Was konnte bisher mit Open-Access erreicht werden?
Im Bereich von Open-Access konnten in den letzten Jahren einige spektakuläre Erfolge erzielt werden. Einige Fakten in aller Kürze:

  • "Gold Road": Von ca. 25.000 Fachzeitschriften veröffentlichen über 4.800 nach dem Open-Access-Modell (sogenannte "Gold Road"). Als "Gold Road" wird die primäre Veröffentlichung des wissenschaftlichen Textes in einem Open-Access-Medium bezeichnet. Offenkundig eröffnen sich damit also auch wieder Nischen auf einem Markt, der von einer Handvoll Großanbieter dominiert ist: www.doaj.org/
  • "Green Road": Die Mehrzahl aller Verlage (inkl. aller Großverlage) erlauben mittlerweile eine zeitgleiche oder zeitnahe frei zugängliche Selbstarchivierung der elektronische Kopien (postprint) eines Artikels, der in einer konventionellen Zeitschrift erschienen ist (sogenannte "Green Road"): romeo.eprints.org/stats.php (Dieser Link ist nicht mehr aktuell)
  • Freikaufoption: Alle internationalen Großverlage bieten mittlerweile für alle oder einen Teil ihrer Zeitschriften eine "Freikaufoption" an, d.h. der Artikel kann gegen Bezahlung (i.d.R. durch Förderorganisationen wie dem FWF) mit der Publikation frei zugänglich gemacht werden: http://www.sherpa.ac.uk/romeo/PaidOA.php
  • Open Access Policies: Über 40 Förderorganisationen weltweit (darunter der FWF) haben Mandate zu Open Access für ihre Förderungen formuliert: www.eprints.org/openaccess/policysignup/
  • Repositorien: Fast 1.500 Ablagearchive (Repositorien) für Open Access Publikationen wurden weltweit eingerichtet, darunter für die Naturwissenschaften arXiv, für die Sozial-und Geisteswissenschaften das Social Science Research Network (SSRN), für den Bereich der Lebenswissenschaften PubMedCentral, jenen der Wirtschaftswissenschaften Research Paper in Economics (Repec) oder den Computerwissenschaften CiteSeer.
  • Zitationsvorteile: Mehrere Studien konnten mittlerweile zeigen, dass Publikationen, die frei zugänglich sind, einen signifikant höheren Wahrnehmungsgrad haben.

Wo liegen die Herausforderungen für Open-Access?

  • Komplexität: Die vielen unterschiedlichen Politiken der Verlage, was in Bezug auf Open Access erlaubt ist, ist zeitraubend. Sie führen ebenso zur Überforderungen wie zum Entstehen redundanter Ablagearchive.
  • Lobbying: Zwar fehlt es nicht an Bekenntnissen der Wissenschaftsorganisationen zu Open Access, jedoch aber insbesondere auf internationaler Ebene aber an gemeinsamen Stellungnahmen und Initiativen gegenüber den Großverlagen und der Politik.
  • Kulturunterschiede: Die Open-Access-Bewegung hat sich bisher v.a. auf Disziplinen konzentriert, in denen Zeitschriftenpublikationen vorherrschend sind. Bereiche aber wo Bücher oder Sammelbandbeiträge dominant sind, werden kaum berücksichtigt.
  • Forschungsdaten: Viele wissenschaftliche Erkenntnisse sind ohne zugrundliegende Forschungsdaten nicht denkbar. Allerdings fehlt es an Politiken und disziplinenspezifischen Standards, dass und wie diese frei zugänglich gemacht werden sollen.
  • Systemwechsel: Die Vision, dass letztlich alle wissenschaftliche Publikationen frei zugänglich sind, lässt sich nur verwirklichen, wenn ein neues Finanzierungsmodell etabliert wird. Das heißt, wenn nicht mehr für Subskriptionen gezahlt wird, sondern für jede einzelne Publikation ("Gold Road"). Dafür fehlt es jedoch noch an ausreichenden Fördermodellen.

Was bleibt zu tun und wie reagiert der FWF ?
Seit der Unterzeichnung der "Berlin Declaration" ist sich der FWF darüber bewusst, dass Open Access zunächst kein Kosteneinsparungsprogramm sein kann, sondern in der Übergangsphase sogar Mehrkosten verursachen wird. So wurden dann auch seit Anfang 2004 die Kosten für Open Access bei Zeitschriftenpublikationen übernommen und mittlerweile auf alle Programme des FWF ausgedehnt. Dies ist eine Grundvoraussetzung, reicht aber allein nicht aus, um den angeführten Herausforderungen von Open Access zu begegnen. Daher hat der FWF wie auch andere Wissenschaftsorganisationen eine Reihe weiterer Maßnahmen für die Zukunft gesetzt:

a) Valide Ablagesysteme - Die PubMed-Initiative
Der Erfolg von Open Access hängt auch davon ab, dass Publikationen auffindbar, verknüpfbar und auswertbar sind. Hier haben einige fachspezifische Repositorien wie Arxiv, RePeg, CiteSeer, SSRN oder PubMedCentral Standards gesetzt. Während die ersteren aber im Wesentlichen Preprints archivieren, besteht die revolutionäre Leistung von PubMed und dem Unterrepositorium PubMedCentral in der frei zugänglichen Volltextarchivierung von referierten Publikationen.

Momentan sind über PubMed ca. 19 Mio. bibliographische Angaben zugänglich, fast 2 Mio. davon sind über PubMedCentral als Volltext frei verfügbar. Dadurch hat PubMed in den Lebenswissenschaften faktisch den Status "der" bibliographischen Datenbank erlangt. Möglich wurde dies u.a. durch die Unterstützung des National Institute of Health (NIH) und aller relevanten britischen Förderorganisationen in den Lebenswissenschaften (u.a. Wellcome Trust, BBSRC, MRC). Zentrales Anliegen dieser Organisationen ist es, den Volltextanteil der Publikationen in PubMedCentral signifikant zu heben. Daher verpflichten das NIH und die britischen Förderorganisationen die FördernehmerInnen, ihre Publikationen via PubMedCentral (bzw. UKPMC) frei zugänglich zu archivieren und stellen dafür die entsprechenden Mittel zur Verfügung. So werden für die FördernehmerInnen Projektkonten eingerichtet, über die die Publikationen archiviert werden können. Darüber hinaus sind Verknüpfungen zu Gene-, Protein- und chemischen Datenbanken wie auch zu Forschungsdaten und Patendatenbanken möglich. Schließlich sind für alle Publikationen bibliometrische Abfragen via Web of Science, Scopus und PubMed vorgesehen.

Die britischen Förderorganisationen haben nun ihre europäische Partner eingeladen, sich am weiteren Ausbau zu beteiligen. Der FWF hat das als einer der ersten Förderorganisationen aufgegriffen und wird ab März 2010 Partner des Konsortiums. Das bedeutet, dass noch im März allen FWF-Projekten, deren Ende nicht mehr als 3 Jahre zurück liegt, ein Projektkonto bei UKPMC angeboten wird, in dem alle aus dem Projekt hervorgegangen Publikationen archiviert werden können. Der FWF hat bereits detaillierte Informationen an die die betreffende Community gesendet.
Für Details siehe auch pubmed.pdf(pdf, 202KB)

b) Lobbying gegenüber Politik und Verlagen - Der Europäische Forschungsraum
Nationale Open-Access-Initiativen sind begrüßenswert und notwendig, zumal sich hierzu in Österreich bisher noch sehr wenige Wissenschaftsorganisationen durchringen konnten. Erwähnenswert ist aber, dass der Rat für Forschung- und Technologieentwicklung (RFTE) in seiner Strategie 2020 empfohlen hat, dass bis 2020 "… alle öffentlichen Forschungs-ergebnisse in Österreich (vor allem Publikationen, Forschungsprimärdaten etc.) frei im Internet zugänglich …" sein sollen.

Angesichts einer internationalisierten Wissenschaft und globalisierter Großverlage werden nationale Initiativen jedoch nicht ausreichend sein. Daher haben die Dachorganisationen der europäischen Fördergeber (EUROHORC's und ESF) in ihrem Strategiepapier "Vision on a Globally Competitive ERA and their Road Map for Actions" eine gemeinsame Open Access Policy als eines der 10 wichtigsten Ziele für den Europäischen Forschungsraum definiert. Der FWF wird sich hier sehr aktiv einbringen. Vorstellbar wäre z.B., einigen hochrangigen Publikationsorganen durch Übergangsförderungen den Einstieg in ein langfristig tragfähiges Open-Access-Modell zu ermöglichen und damit Rollenmodelle für andere Zeitschriften zu etablieren.

) Kulturunterschiede - Open Access auch für Bücher
Da vor allem die geisteswissenschaftlichen Publikationsformen wie Bücher, Sammelbände oder Proceedings bisher im Rahmen der Open-Access-Politiken vernachlässigt wurden, hat der FWF seit Oktober 2009 zwei neue Fördermodelle initiiert. Zum einen können nun alle Publikationsformen also auch Monographien, Sammelbände und Proceedings, die bis 3 Jahren nach Ende aus FWF-Projekten hervorgehen und ein Peer-Review-Verfahren aufweisen, Kosten für Open Access beantragen. Zum anderen zahlt der FWF im Programm Selbstständige Publikationen den Verlagen einen Open-Access-Zuschuss, wenn sie gewährleisten, dass die Publikation auch im Internet frei zugänglich gemacht wird.

d) Forschungsdaten
Forschungsdaten, die mit FWF-Mitteln erhoben und/oder ausgewertet werden, sollen - soweit rechtlich möglich - nach der Erstverwertung durch die ProjektleiterInnen und ProjektmitarbeiterInnen gemäß disziplinspezifischen Standards spätestens 2 Jahren nach Projektende in disziplinspezifischen oder institutionellen Repositorien frei zugänglich gemacht werden.

Diese Maßnahmen sollen helfen, den Systemwechsel schrittweise weiter voranzutreiben. Es ist klar, dass dies die knappen Ressourcen Zeit und Geld strapazieren wird. Letztendlich profitieren vom Gewinn aber alle: die WissenschafterInnen, weil die Informationsflüsse vereinfacht und transparenter gestaltet werden können, die Öffentlichkeit, weil ihre Teilhabe an der ihr finanzierten Wissenschaft ermöglicht wird und auch das Verlagswesen, weil der Wettbewerb am Publikationsmarkt belebt wird.

Für weitere Informationen, siehe auch:
Open Access Policy des FWF

Kontakt:

Dr. Falk Reckling

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