Mit der Ankündigung, die Forschungsquote auf sechs Prozent verdoppeln zu wollen, sendet Vizekanzler Michael Spindelegger in seiner "Österreich-Rede" ein wichtiges und begrüßenswertes Signal an den FWF sowie die österreichische Scientific Community.

Die Forschung in Österreich befindet sich - je nach Sichtweise - irgendwo zwischen Licht und Schatten. Die im Vorjahr von der Bundesregierung vorgestellte FTI-Strategie ist ebenso ambitioniert wie zukunftsweisend und essentiell für die heimische Forschungslandschaft. Doch in der Realität befindet sich Österreich (und der Rest Europas) in einer Finanzkrise und die Umsetzung der FTI-Strategie in der Warteschleife.

Die von Vizekanzler Spindelegger nun ins Spiel gebrachte Verdoppelung der Forschungsquote ist ein ermutigendes Signal. Forschung ist - das zeigen internationale Vergleiche deutlich - die Basis für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Investitionen in diesem Bereich sind unverzichtbar. Man kann es als überfällig bezeichnen, dass dem von vielen politischen Entscheidungsträgern propagierten Stellenwert der Forschung in Österreich auch konkrete budgetäre Taten folgen sollen.

Eine Verdoppelung der Forschungsquote von derzeit drei auf sechs Prozent würde Österreich über das Niveau führender Forschungsnationen heben. Freilich ist die Wissenschaft kein Bereich, in dem man kurzfristige Effekte erwarten darf. Umso wichtiger ist dafür die langfristige wie sichere (Budget-) Perspektive. Auch wird eine zentrale Frage sein, welchen Bereichen die geplante Erhöhung der Forschungsquote zugutekommen soll. Derzeit macht die Finanzierung der Grundlagenforschung in Österreich lediglich 0,44 Prozent des BIP aus, und ist damit niedriger als in wichtigen OECD-Benchmark-Ländern.

Für den FWF und die Grundlagenforschung in Österreich wäre die lückenlose Umsetzung der fertig ausgearbeiteten FTI-Strategie der richtige Weg in die richtige Richtung - gerade (noch) zur rechten Zeit, um die österreichische Wissenschaft in der internationalen Konkurrenz erfolgreich positionieren, und die ambitionierten Ziele zeitgerecht umsetzen zu können. Ein breiter politischer Konsens in dieser Sache wäre ein richtungsweisender, wissenschaftspolitischer Meilenstein für die Zukunft der österreichischen Wissenschaft.

Der FWF harrt in den Startlöchern, die für die Grundlagenforschung zentralen Maßnahmen der FTI-Strategie umzusetzen. Folgende Bereiche werden als zentral gesehen, um hochkarätige Grundlagenforschung in Österreich auszubauen bzw. zu stärken:

  • Steigerung der Investitionen in die Grundlagenforschung auf das Niveau führender Forschungsnationen;
  • Ausbau und Stärkung der kompetitiven und projektbezogenen Mittelvergabe;
  • flächendeckende Einführung der Abgeltung von Overheadkosten für FWF-Projekte;
  • Einrichtung von Exzellenz-Clustern.

Der "Weg zum Innovation Leader" ist somit klar skizziert. Ob man ihn betreten kann, wird sich nicht zuletzt am politischen Willen und an der konkreten Umsetzung zeigen. Ein breiter politischer Konsens wäre Österreich und seiner Wissenschaft jedenfalls zu wünschen.

Wien, 14. Mai 2012

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FWF, Dorothea Sturn

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