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Sieben Spitzen-NachwuchsforscherInnen neu in das prestigeträchtige START-Programm aufgenommen.

Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle und FWF-Präsident Christoph Kratky gaben heute im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz die diesjährigen Wittgenstein-Preisträger sowie die sieben neu in das START-Programm aufgenommenen NachwuchswissenschafterInnen bekannt. Insgesamt werden in den kommenden fünf bzw. sechs Jahren den neun ForscherInnen rund 11,5 Mio. EUR für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stehen.


"Die heute ausgezeichneten Wissenschafterinnen und Wissenschafter überzeugen durch ihre Exzellenz und sind eine hervorragende Visitenkarte für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich, der – wie man an den unterschiedlichen Disziplinen sieht – in großer Breite seine Stärkefelder vorzuweisen hat", gratuliert Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle allen Preisträgerinnen und Preisträgern.

"Der FWF darf für sich in Anspruch nehmen, in Österreich eine Kultur wesentlich geprägt zu haben, in der Qualitätsorientierung und das Einwerben von Drittmitteln wissenschaftliche Tugenden darstellen. Unsere Prinzipien materialisieren sich in den beiden Programmen, Wittgenstein-Preis und START-Programm, auf besonders klare Weise und darauf sind wir sehr stolz", erklärte Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds.

Bereits zum 17. Mal wurden heuer die START- und Wittgenstein-Auszeichnungen vergeben und der Kreis der im Rahmen dieser Programme prämierten WissenschafterInnen wurde um neun Personen erweitert. Die Wittgenstein-Preise 2012 gehen an Thomas A. Henzinger, Präsident des IST Austria und an Niyazi Serdar Sariciftci, Professor für Physikalische Chemie an der Johannes Kepler Universität Linz.

Thomas A. Henzinger, geboren 1962 in Linz, promovierte im Jahr 1991 an der Stanford University im Fach Computerwissenschaften, ging danach als Postdoc an die Université Joseph Fourier in Grenoble, um ab 1996 – nach zunächst vier Jahren an der Cornell University – eine steile Karriere an der University of California in Berkeley zu machen. Diese überaus prägende Zeit in den USA wurde in den Jahren 1999-2000 durch seine Tätigkeit als Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken unterbrochen. Im Jahr 2004 kehrte Thomas A. Henzinger nach Europa zurück und wurde Professor an der EPFL, Lausanne in der Schweiz, blieb aber bis 2011 Adjunct Professor an der University of California in Berkeley. Im Jahr 2009 übernahm Thomas A. Henzinger schließlich das Amt des Präsidenten des IST Austria in Klosterneuburg bei Wien.

Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Arbeit hat sich Thomas A. Henzinger Fragestellungen in den Computerwissenschaften gewidmet, die für ihn Charakteristika der Mathematik mit jenen der Ingenieurswissenschaften verbinden. Dreh- und Angelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die Entwicklung algorithmischer Methoden, die die Zuverlässigkeit von Software verbessern. Die Methoden beruhen auf formaler Logik und mathematischen Theorien zur Modellierung und Analyse diskreter dynamischer Systeme. Besonders schwierig – und daher auch wissenschaftlich besonders interessant – sind Softwaresysteme, die aus vielen miteinander kommunizierenden Teilen bestehen. Eine weitere Herausforderung stellt sich bei Software, die zur Steuerung von kritischen – oft lebenswichtigen – Prozessen eingesetzt wird, wie dies heute in jedem Kraftfahrzeug und Herzschrittmacher der Fall ist. Thomas Henzinger und sein Team haben seit über zehn Jahren grundlegende mathematische Modelle für Prozesssteuerungssoftware erarbeitet. 
Am IST Austria sollen mathematische Methoden zur Softwaremodellierung auch interdisziplinär weiterentwickelt werden, um zur Analyse von Prozessen in lebenden Zellen und Organen eingesetzt werden zu können. Das ultimative Ziel dieser Forschung ist es, einen vollständigen Organismus in Software abzubilden. Der Wittgenstein-Preis ermöglicht es, weitere Schritte in diese Richtung zu setzen.

Niyazi Serdar Sariciftci, geboren 1961 in Konya, Türkei, ist Professor für Physikalische Chemie an der Johannes Kepler Universität Linz und leitet seit dessen Gründung das Institut für Organische Solarzellen (LIOS) an der JKU. Sariciftcis erste große Liebe gehörte nicht der Wissenschaft sondern der Musik. Bereits im Alter von neun Jahren studierte er klassische Musik am Musik-Konservatorium sowie am Österreichischen St. Georgs-Kolleg in Istanbul. Von 1980 bis 1986 absolvierte er das Diplomstudium der Physik an der Universität Wien, promovierte ebenda im Jahr 1989 und ging daran anschließend für zwei Jahre als Postdoc an das 2. Physikalische Institut der Universität Stuttgart. Ab 1992 war Niyazi Serdar Sariciftci für vier Jahre Senior Research Associate am Institute for Polymers & Organic Solids der University of California in Santa Barbara beim späteren Nobelpreisträger Alan Heeger. 1996 schließlich folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor für Physikalische Chemie an die Johannes Kepler Universität in Linz.

Im Zentrum von Sariciftcis Forschung stehen "organische Halbleiter". Er hat im Gebiet der organischen Solarzellen mit der Entdeckung der lichtinduzierten Elektronenübergänge in p-konjugierten organischen Halbleiterpolymeren und Fullerenen im Jahre 1992 bahnbrechendes geleistet. Sariciftci war der Erste, der die sogenannten "Bulk Heterojunction Polymersolarzellen" beschrieb. Aber nicht nur das: Bereits zu Beginn dieser Forschung im Jahr 1992 wurden zwei verschiedene Arten von Polymersolarzellen realisiert: 
a) Zweischichtsolarzellen mit Dünnschichten von organischen Donatoren und Akzeptoren und 
b) "Bulk heterojunction" Solarzellen, die aus einer Mischung von organischen Donatoren und Akzeptoren bestehen. Niyazi Serdar Sariciftci arbeitet heute mit neuen Konzepten und Ideen weiterhin auf dem Gebiet der organischen Solarzellen, um innovative Architekturen und Methoden mit neuen und bio-abbaubaren Materialien zu entwerfen. Eine neue Perspektive in Sariciftcis Forschung stellt die chemische Energieumwandlung und Energiespeicherung mit Kohlenwasserstoffen dar, die Probleme der Energiespeicherung von Solarenergie einerseits und CO2-Emissionen anderseits gleichzeitig lösen kann. Die Zuerkennung des Wittgenstein-Preises an Niyazi Serdar Sariciftci und seine Arbeitsgruppe wird die Möglichkeit eröffnen, in Zukunft diese neue Forschungsrichtung des "CO2-Recycling in chemische Brennstoffe mit Solarenergie" aufzumachen und zu einer neuen Forschungskompetenz in Österreich auszubauen.

Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchstdotierter und prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der seit 1996 durch den FWF vergeben wird. Wittgenstein-PreisträgerInnen stehen für wissenschaftliche Forschungsarbeiten bis zu 1,5 Mio. EUR für die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der Wittgenstein-Preis ist ein so genannter "Dry prize", das heißt, die Gelder stehen ausschließlich für die intendierte Forschung und hier insbesondere für die Anstellung junger WissenschafterInnen zur Verfügung.

Der Entscheidungsvorschlag – basierend auf Fachgutachten ausländischer ExpertInnen – wurde von der Internationalen START-/Wittgenstein-Jury zusammengestellt. Die Jury setzt sich aus renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammen, um eine bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Jan Ziolkowski, Professor für Latein des Mittelalters und Direktor der Dumbarton Oaks Research Library and Collection der Harvard University.

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden sieben Spitzen-NachwuchsforscherInnen aus 54 Bewerbungen in das START-Programm aufgenommen. Die START-Auszeichnung ist die höchstdotierte und anerkannteste Förderung für NachwuchsforscherInnen, die aufgrund ihrer bisher geleisteten wissenschaftlichen Arbeit die Chance erhalten sollen, in den nächsten sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert, ihre Forschungsarbeiten zu planen und eine eigene Arbeitsgruppe auf- bzw. auszubauen. Nach drei Jahren haben sie sich einer Zwischenevaluierung zu stellen. Die START-Projekte sind mit jeweils bis zu 1,2 Mio. EUR dotiert.

Die neu in das START-Programm aufgenommenen WissenschafterInnen – in alphabetischer Reihenfolge – sind:

Kaan BOZTUG
„ Integrative Genetik kongenitaler Defekte der angeborenen
Immunität “
ÖAW; Research Center for
Molecular Medicine – CeMM
kboztug(at)cemm.oeaw.ac.at



Sofia KANTOROVICH
„Skalenübergreifende Theorie und Modellierung dipolarer weicher Materie“
Fakultät für Physik
Universität Wien
sofia(at)icp.uni-stuttgart.de

Julia BUDKA
„Im Spannungsfeld antiker
Grenzen und Kulturen“
Gegenwärtig: Institut für
Ägyptologie, Universität Wien, Forschungsstätte für das Projekt: ÖAW, Kommission für Ägypten
und Levante
julia.budka(at)univie.ac.at



Michael KIRCHLER
„Markteffizienz und Finanzmarktregulierung –
Ein experimenteller Ansatz“
Institut für Banken und Finanzen
Universität Innsbruck
michael.kirchler(at)uibk.ac.at

Alexander DAMMERMANN
„Molekulare Analyse der Struktur
und Funktion von Zentriolen“
Max F. Perutz Laboratories
Universität Wien
alex.dammermann(at)univie.ac.at



Franz SCHUSTER
„Isoperimetrische Ungleichungen
und Integral Geometrie“
Institut für Diskrete Mathematik
und Geometrie
Technische Universität Wien
schuster(at)geometrie.tuwien.ac.at

Jürgen HAUER
„Zwei-dimensionale Laserspektroskopie von
natürlichen Lichtsammel-komplexen“
Gegenwärtig: Fakultät für Physik, Universität Wien,
Forschungsstätte für das Projekt:
TU Wien, Institut für Photonik
juergen.hauer(at)univie.ac.at

 

Sowohl das START-Programm als auch der Wittgenstein-Preis sind für alle wissenschaftlichen Disziplinen offen. Beide Programme werden seit 1996 durchgeführt.

Download
Pressemappe 2012(pdf, 2.3MB)

Kontakt:

Rückfragen
FWF, Stefan Bernhardt
Tel.: +43 1 5056740 DW 8111
Mobil: +43 664 8588797

Wien, am 12. Juni 2012

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