© T. Gabriel/studio grau, Nele Rein (Wissenschaft im Dialog)

"Bildung ist der entscheidender Faktor dafür, wie es künftigen Generationen gehen wird"
(Wolfgang Lutz, Wittgensteinpreisträger 2010)

Exemplarisch für Österreichs Nachhaltigkeitsforschung wird auf der MS Wissenschaft das, auch vom FWF geförderte Forschungsprojekt "Die Weltbevölkerung der Zukunft – wie beeinflussen gesellschaftliche Entwicklungen das Leben auf der Erde?" präsentiert. 

Wolfgang Lutz und sein Team am Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (IIASA, VID/ÖAW, WU) gehen der Frage nach, wie viele Menschen auf der Erde leben werden und wie es ihnen in Zukunft gehen wird. Dafür müssen sie vieles wissen: Anzahl, Geschlecht und Alter der Menschen, wie lange sie zur Schule gegangen sind, ihre Gesundheit, ihren Umgang mit Umwelt und Klimaschutz und vieles andere mehr.

 

Was die Besucherinnen und Besucher auf der MS Wissenschaft erwartet

Das interaktive Exhibit ist eine Bildschirmstation, gestalterisch umgesetzt als Element einer Stadtkulisse (Hauswand mit Fenster). Den Besucherinnen und Besuchern wird der Eindruck vermittelt, in das Arbeitszimmer einer Wissenschafterin des Wittgenstein Centre zu sehen und ihr bei ihrer Arbeit am Computer über die Schulter zu schauen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfahren, dass diese Wissenschafterin eine Demographin ist und sehen, wie sie arbeitet und welche "Instrumente" sie für ihre Forschung verwendet.

 

Erleben, wie mit Zukunftsszenarien und Bevölkerungspyramiden mögliche Entwicklungen vorhergesagt werden können

Zwei wichtige Instrumente der Demographen sind Zukunftsszenarien und Bevölkerungs-pyramiden. Mit Zukunftsszenarien entwerfen die Demographen vereinfachte Modellwelten, in die sie viele Annahmen über mögliche gesellschaftliche Entwicklungen einfließen lassen und deren Auswirkungen "durchspielen". Die Besucherinnen und Besucher können für einzelne Regionen (Europa, Afrika, China, die ganze Welt) vier Szenarien interaktiv studieren:

  • Die "Nachhaltige Welt" (optimistische Annahme, dass in Politik, Wirtschaft, aber auch im Verhalten der Menschen die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit gestellt werden);
  • die "Welt bei Fortsetzung der derzeitigen Trends" (die Entwicklungen verlaufen im Wesentlichen so weiter, wie bisher. Das bedeutet, die Richtung stimmt, aber alles geht sehr viel langsamer als im Szenario Nachhaltigkeit);
  • die "Welt mit nur langsamer Entwicklung" (in dieser Welt gibt es kaum Entwicklung. Die gegenwärtigen Unterschiede zwischen den Regionen bleiben bestehen oder verschärfen sich sogar. Auch die reichen Länder haben kaum Wirtschaftswachstum. Die Geburtenrate in den armen Ländern bleibt sehr hoch);
  • die "Ungleiche Welt" (In der ungleichen Welt gibt es extreme Unterschiede zwischen arm und reich. Es gibt eine kleine globale Elite, die sehr reich ist und einen Großteil der Ressourcen verbraucht. Die große Masse der Weltbevölkerung dagegen bleibt relativ arm und ist sehr anfällig für Krisen und Katastrophen).

 

Bevölkerungspyramiden

zeigen, wie sich ein Szenario auf die Weltbevölkerung auswirken würde: die Altersgruppen von Frauen und Männern von 0 bis 100 Jahren mit ihrem Bildungsstand (Anzahl der Schuljahre) sind übereinander angeordnet. Im Laufe der Zeit können diese Pyramiden stark ihre Form verändern, etwa wenn sich die Bevölkerung verändert. Das passiert, erläutert Wolfgang Lutz, Leiter des Wittgenstein Centre, "wenn zum Beispiel weniger Kinder geboren werden und es deshalb relativ mehr ältere Menschen gibt. Oder wenn Frauen einen besseren Bildungsstand erreichen und es daher weniger gibt, die nie oder nur wenige Jahre eine Schule besucht haben."

 

Sich selbst ein Bild machen, wie sich unser Verhalten auf die Welt von Morgen auswirkt

Den Besucherinnen und Besuchern wird anhand unterschiedlicher Beispiele und Vergleiche (Europa, Afrika, Welt, China) interaktiv erlebbar gemacht, welche Konsequenzen die Veränderung wesentlicher Parameter eines Zukunftsszenarios für die demografische Entwicklung (Bevölkerungspyramide) mit sich bringen, etwa im Vergleich Europa/Afrika und Europa/China, jeweils bei "Fortsetzung der Trends", sowie im Vergleich Europa/Afrika im Szenario "Nachhaltige Welt". Aber auch, wie sich die Welt im Vergleich der Szenarien "Nachhaltige Welt" und "Welt mit nur langsamer Entwicklung" entwickeln würde und welch enorme Entwicklungsunterschiede sich für Afrika in einer "Nachhaltigen Welt" im Vergleich zu einer "Welt mit nur langsamer Entwicklung" ergeben. Und was passiert, wenn sich Europa im Szenario "Nachhaltige Welt", Afrika gleichzeitig aber im Szenario "Ungleiche Welt" entwickelt.

 

Erwiesen: Bildung als Schlüssel für ein gutes Leben künftiger Generationen

Dabei weisen Lutz und sein Team eindrucksvoll nach, dass Bildung der Schlüssel für u. a. gesundes Altern, Langlebigkeit und Wirtschaftswachstum ist und unseren Umgang mit dem Klimawandel verbessert. Lutz: "In Regionen, in denen das Bildungsniveau höher ist, geht es den Menschen besser." Eine besondere Rolle kommt dabei den Frauen zu: "Es ist Tatsache, dass die Bildung junger Frauen entscheidend dafür ist, wie stark die Bevölkerung wächst, denn dies hängt in erster Linie von der Entwicklung der Geburtenrate ab. Auch "Bildung auf breiter Basis, also eines Basiswissens der breiten Masse (statt Bildung von Eliten) ist", so Lutz, von großer Bedeutung. Sie habe positive Konsequenzen für Wirtschaftswachstum, gesundes Altern und Langlebigkeit und erhöhe auch die Anpassungsfähigkeit an den bereits unvermeidbaren Klimawandel. "Unsere Daten zeigen, dass auch heute schon Bildung dazu befähigt, sich besser gegen die Gefahr von Naturkatastrophen zu schützen. Gerade wenn man noch nicht weiß, welche Klimagefahren in bestimmten Regionen genau zu erwarten sind, ist Befähigung zur Selbsthilfe durch Basisbildung eine sichere und gute Investition." (Lutz)

 

Wien, 13. September 2012

Kontakt:

Wolfgang Lutz,Leiter des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (IIASA, VID/ÖAW, WU),Wittgensteinpreisträger 2010,Tel.: +43(0) 2236 807 294, +43(0) 2236 807 280 (Katja Scherbov),lutz@iiasa.ac.at

Mag. Stefan Bernhardt, MBA
FWF - Der Wissenschaftsfonds
Tel.: +43-1-5056740-8111

Dr. Monika Bannert
Projektleitung MS Wissenschaft in Österreich im Auftrag des FWF
Tel.: +43-664-2100618
m.bannert(at)pr-expert.at

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