Mit Beginn des Jahres 2015 hat der FWF nach intensiven Diskussionen mit den Forschungsstätten bzw. basierend auf den Ergebnissen einer Umfrage unter der Scientific Community seine Verfahren und Richtlinien angepasst sowie transparenter gestaltet.

Ausgangspunkt der nun implementierten Änderungen waren unter anderem häufig geäußerte Anliegen, Vorstellungen und Wünsche der Scientific Community sowie der Forschungsstätten, welche 2014 an das FWF-Präsidium im Zuge seiner Roadshow an allen österreichischen Universitäten und großen außeruniversitären Forschungsstätten herangetragen wurden, sowie die Ergebnisse aus der FWF-Wissenschafterbefragung 2013. Zur Umsetzung wurde eine Vielzahl an empirischen Studien einbezogen, welche der Wissenschaftsfonds in den letzten Jahren in Auftrag gegeben hatte. Sowohl die Ergebnisse der Wissenschafterbefragung als auch die in Auftrag gegebenen Studien sind frei zugänglich und können auf der FWF-Website nachgelesen werden (www.fwf.ac.at/de/ueber-den-fwf/publikationen/publication-types/13/). In den gesamten, sich über ein gutes Jahr ziehenden Änderungsprozess war darüber hinaus das FWF-Kuratorium aktiv eingebunden und brachte seine Expertise gestalterisch mit ein, um schlussendlich jene Maßnahmen zu identifizieren, die realisierbar, praktikabel und finanzierbar waren.

Was wurde geändert?
Im Sinne einer Vereinfachung wurden die Begutachtungsformulare neu strukturiert und die Fragen an die Gutachterinnen und Gutachter sowohl reduziert als auch klarer formuliert. So wurde zum Beispiel die Beurteilung der Anträge in den Gutachten überarbeitet, sie enthält nun keine Zahlenskala mehr, sondern sieht für die Gutachterinnen und Gutachter eine textlich ausformulierte und definierte Einteilung in fünf verschiedene Bewertungskategorien vor (exzellent, sehr gut, gut, durchschnittlich, unzureichend). Jede Gutachterin bzw. jeder Gutachter soll künftig zu jedem einzelnen Beurteilungspunkt Stellungnahmen und dazugehörige Bewertungen sowie ein abschließendes Statement inklusive einer Gesamtbeurteilung abgeben. Auch bei den Ablehnungsgründen fand eine Überarbeitung bzw. Ausdifferenzierung statt, hier geben nunmehr fünf Kategorien (statt bisher vier) ein detaillierteres und somit besser einzuordnendes Feedback für Antragstellerinnen bzw. Antragsteller. Im Rahmen der Entscheidungsmitteilung wurden bisher die numerische Bewertung sowie ein vertraulicher Abschnitt des Gutachtens nicht an die Antragstellerinnen und Antragsteller weitergeleitet. Zukünftig werden sowohl die schriftlichen Stellungnahmen als auch sämtliche Beurteilungen vollinhaltlich der Antragstellerin bzw. dem Antragsteller übermittelt. Mit dieser neuen Qualität an Informationen in diesem künftig transparenteren Verfahren können sich Antragstellerinnen und Antragsteller ein wesentlich besseres Bild über das Zustandekommen der Entscheidung machen. Auf der anderen Seite wird es ihnen ermöglicht, auf dieser Faktenbasis dem FWF Feedback zu geben oder auch Kritik zu äußern.

Als weitere Maßnahme wurden Antragsvoraussetzungen klarer formuliert, vor allem was Anforderungen an die Publikationsleistungen betrifft. Auch hier orientiert sich der FWF an internationalen Entwicklungen bzw. bereits vorhandenen Regelungen (wie z.B. des ERC). Gerade im Bereich der Publikationsleistungen hat sich jedoch der Tenor nicht maßgeblich geändert, es wurden zumeist Unklarheiten bzw. Interpretationsspielräume beseitigt. Die schon bisher zulässigen und zu begründenden Ausnahmefälle sind von der Überarbeitung jedenfalls unberührt geblieben.

Des Weiteren haben sich das Präsidium und das Kuratorium des FWF nach mehreren intensiven Diskussionsrunden dazu entschlossen, zeitlich begrenzte Antragssperren für Projekte einzuführen. Dabei werden Projekte, welche zum zweiten Mal in überarbeiteter Form eingereicht und abgelehnt werden (i.e. die dritte Ablehnung derselben Projektidee) in Zukunft für insgesamt zwölf Monate nicht mehr eingereicht werden können. Unmittelbar eine 12-monatige Sperre erfahren Projekte, welche mit dem (schlechtesten) Ablehnungsgrund C5 abgelehnt werden. In beiden Fällen gilt: es betrifft immer nur das jeweilige Projekt, aber niemals die antragstellende Person!

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass beim FWF mehr als zwei Drittel aller Anträge im laufenden Verfahren eingereicht werden können, d.h. ohne jährliche oder halbjährliche Deadlines, wie es bei vielen anderen Förderungsorganisationen üblich ist. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt beim FWF – trotz sinkender Rücklaufquoten bei den Gutachterinnen und Gutachtern – seit Jahren etwas über vier Monate. Das ist bei vergleichbaren Verfahren ein internationaler Spitzenwert.

Neben den bereits geäußerten Beweggründen für diese mit Jahreswechsel vorgenommenen Änderungen sei noch ein weiteres Motiv genannt. Die allgemein bekannte angespannte Budgetsituation des FWF, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu weiter sinkenden Bewilligungsquoten in den nächsten Jahren führen wird, erfordert es, gewisse Maßnahmen zu setzen, welche eine realistische Balance zwischen der steigenden Nachfrage seitens der Scientific Community und dem budgetär Möglichem erzeugen, und dem FWF die Fortführung seiner zentralen Aufgabe ermöglichen: die Förderung der Grundlagenforschung und seiner Wissenschafterinnen und Wissenschafter in Österreich.

An den nun vorgenommen Änderungen wurde lange gearbeitet und jede einzelne Maßnahme ausführlich diskutiert. Einige Anliegen und Vorstellungen der Scientific Community oder der Forschungsstätten konnten nicht realisiert werden, da sie aus FWF-Sicht entweder nicht möglich, nicht praktikabel oder zu kostenintensiv gewesen wären. Dies war beispielsweise bei der Frage nach einem Rebuttal-Verfahren der Fall, welches in der Wissenschafterbefragung stark eingefordert wurde, im derzeitigen FWF-System aber nicht umgesetzt werden kann. Ein Rebuttal-Verfahren benötigt Fachpanels, deren Mitglieder – im Unterschied zu den Referentinnen und Referenten des FWF-Kuratoriums – auch gutachterlich tätig sein können. Aus dem gleichen Grund lässt der FWF, im Gegensatz zu anderen nationalen wie internationalen Förderungsorganisationen, nahezu alle Projekte international begutachten. Der Anteil der Absetzungen (das sind Anträge, welche formale Antragsvoraussetzungen nicht erfüllen und aus diesem Grund nicht begutachtet werden) liegt beim FWF bei nur rund ein bis zwei Prozent. In Anbetracht der seit Jahren stetig wachsenden Projektnachfrage sowie der zunehmenden nationalen wie internationalen Konkurrenz um die qualifiziertesten Gutachterinnen und Gutachter vermindert sich diese Personengruppe relativ gesehen jedoch kontinuierlich. Dieser Trend ist international wie national seit Jahren zu beobachten. Zuletzt stellte Science Europe in seinem European Research Area (ERA) Position Paper vom November 2014 fest, dass das internationale Peer-Review-System derzeit das geeignetste – wenn auch bei weitem nicht ein perfektes – Instrument zur Begutachtung von wissenschaftlichen Projekten bzw. deren Exzellenz ist und diskutiert offen über alternative Möglichkeiten. Auch der FWF wird sich in Zukunft weiterhin mit internationalen Beispielen und Alternativen auseinandersetzen und sich mit seinen ERA-Partnern über Entwicklungen und Möglichkeiten austauschen sowie diese aktiv mitgestalten.

Dem FWF ist es, wie in der Vergangenheit auch, ein besonderes Anliegen, einer sachlichen Diskussion sowie konstruktiven Rückmeldungen, Anliegen und Wünschen jederzeit offen gegenüberzustehen

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