Der FWF führte 2014 in einer Pilotphase die Möglichkeit der Zertifizierung von Verlagen ein. Die wesentlichen Ziele, die der FWF bei Verlagen mit dieser Maßnahme erreichen wollte, waren:

  • Peer-Review: Etablierung eines eigenen Qualitätssicherungsprozesses zur Auswahl der wissenschaftlichen Publikationen und Einführung von Standards für das Peer-Review-Verfahren,
  • Transparenz: Schaffung von Transparenz bei Serviceleistungen, der Kostengestaltung von Büchern und deren Open-Access-Veröffentlichung,
  • Open-Access: Einhaltung einheitlicher Standards bei der Open-Access-Archivierung von Büchern.  

Erste Erfolge konnten in allen drei Bereichen erzielt werden: Die Bedeutung der Qualitäts-sicherung für Buchpublikationen wird sowohl von Verlagen als auch von AutorInnen vermehrt anerkannt. Die Etablierung einheitlicher Standards bei der Open-Access-Archivierung von Publikationen und auch die Kostentransparenz werden von einigen Verlagen mitgetragen. In der Studie “A landscape study on open access of monographs” wird die Zertifizierung von Verlagen durch den FWF als positive Initiative im Bereich der Schaffung von Transparenz bei Serviceleistungen und Kosten und bei der Einführung von Standards bei Peer-Review-Prozessen hervorgehoben.

Die Erfahrung aus drei Jahren Antragstellung mit zertifizierten Verlagen zeigt dem FWF jedoch, dass das Erreichen einzelner Etappenziele die Weiterführung des Pilots nicht rechtfertigt; es traten immer wiederkehrende Probleme bei der Beantragung mit zertifizierten Verlagen auf, die das System insgesamt in Frage stellten. Die Nachteile überwogen die Vorteile.

Eine der Schwierigkeiten ist beispielsweise die vom FWF angestrebte Einhaltung der Prozessgerechtigkeit zwischen Anträgen, bei denen der FWF die Begutachtung durchführt, und solchen, die mit Begutachtung durch zertifizierte Verlage beantragt werden. Als Basis einer fairen Entscheidung sind vergleichbare Gutachten Voraussetzung. Diese Vergleichbarkeit kann aber nur gewährleistet werden, wenn einheitliche Kriterien im Peer-Review-Verfahren berücksichtigt werden. So ist die Einhaltung von Befangenheitsregelungen ebenso Voraussetzung, wie die Begutachtung von gesamten Manuskripten und fundierte Stellung-nahmen von internationalen ExpertInnen zur wissenschaftlichen Qualität der geplanten Publikationen. Da der FWF in diesem Bereich immer wieder Nachbesserungen verlangen musste, verzögerte sich die Entscheidungsfindung und für Antragsteller fällt der ursprünglich intendierte Vorteil der Entscheidungsbeschleunigung bei Beantragung mit zertifizierten Verlagen weg.

Ein anderes Problem ergibt sich aus den Erfahrungsberichten einiger AutorInnen, die zeigen, dass Serviceleistungen von Verlagen zwar transparent gemacht, aber nicht immer im gewünschten Maße durchgeführt werden.

Natürlich gibt es diese Probleme nicht mit allen zertifizierten Verlagen, aber die Häufung von Schwierigkeiten hat den FWF veranlasst, die Möglichkeit der Zertifizierung mit 1. Jänner 2018 einzustellen. Bestehende Zertifizierungen bleiben für die Dauer der vereinbarten Laufzeit (fünf Jahre ab Zertifizierung) erhalten.

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