Die hervorragende Ausbildung von NachwuchswissenschafterInnen zählt zu den wesentlichsten Voraussetzungen einer leistungsfähigen Wissenschaft. Das Pilotprogramm doc.funds ist ein neues kompetitives Förderungsinstrument zum Ausbau exzellenter, an internationalen Standards orientierter, strukturierter Doktoratsausbildung. Das Programm vergibt Förderungen zu seit mindestens 2 Jahren an einer Forschungsstätte bestehenden strukturierten Doktoratsprogrammen. Für die erste Ausschreibung standen EUR 9,57 Mio. zur Verfügung, finanziert aus Mitteln des Österreich-Fonds.

Die erste Ausschreibung stieß auf sehr hohes Interesse. Im Oktober 2016 hat der FWF zur Einreichung von Interessensbekundungen eingeladen. Insgesamt wurden 58 sogenannte Letters of Interest (LoI) eingereicht. Basierend auf der Entscheidung des FWF-Kuratoriums wurden Anfang Februar 2017 56 dieser LoIs zur Einreichung eines Vollantrages eingeladen. Mit Ausschreibungsende (31.3.2017) sind 45 Vollanträge mit einem Antragsvolumen von EUR 65,3 Mio. beim FWF eingetroffen, von denen 44 begutachtet wurden. Auf Basis der schriftlichen Begutachtung durch internationale ExpertInnen wurden 16 Konsortien zu einem Hearing am 22. und 23.11.2017 vor der doc.funds-Jury eingeladen.

Die doc.funds-Jury setzte sich aus zwölf renommierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland zusammen, um eine bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die Mitglieder der doc.funds-Jury sind in den Bereichen Biochemie, Molekularbiologie, Immunologie, Genetik, Epigenetik, Physik, Chemie, Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Politikwissenschaften, Geschichtswissenschaften und künstlerische Forschung tätig. Die Vorsitzführung lag bei Rick Rylance, Director of the School of Advanced Study and Pro-Vice Chancellor for Research, University of London.

Auf Basis der Hearings sowie der internationalen Fachgutachten hat die doc.funds-Jury in ihrer Sitzung vom 24.11.2017 einen Entscheidungsvorschlag an das FWF-Kuratorium erstellt. Dieser wurde in der 66. Kuratoriumssitzung bestätigt und damit die Förderung von nachfolgenden sieben Projekten beschlossen:


Akademie der Bildenden Künste Wien

“Artistic Research: Assemblages of Methodologies, Epistemologies, and the Arts”

Koordination: Anette Baldauf, Renate Lorenz

Das PhD-in-Practice Programm „Künstlerische Forschung: Assemblagen von Epistemologie, Methodologie und den Künsten“ ist ein strukturiertes Doktoratsprogramm das wissenschaftliche Forschung und künstlerische Forschung verbindet. Das Programm beforscht Fragestellungen die sich mit der Wissensproduktion, der Methodologie im Forschungszusammenhang und der künstlerischen Produktion beschäftigen. Im Zentrum steht dabei die Erarbeitung von Assemblagen – „kontingente Ensembles“ – die epistemische Versprechen, methodologische Strategien sowie künstlerische Praxen in ein zusammenhängendes Konzept fassen. In einer Vielzahl künstlerischer Formate und Formen (Text, Video, Installation, Performance und öffentlichem Ereignis) erkundet und erweitert das Forschungsprogramm ausgewählte Assemblagen um zu einem Verständnis von Forschung beizutragen, welches zum einen die Produktion neuer Wissensformen beinhaltet sowie auch eine neue Art und Weise darstellt, Wissen zu generieren.

https://www.akbild.ac.at/Portal/studium/studienrichtungen/phd-in-practice


Medizinische Universität Wien

“Medical Neuroscience”

Koordinator: Johannes Berger

Im Doktoratsprogramm „Medizinische Neurowissenschaften“ der Medizinischen Universität Wien haben sich 16 hochqualifizierte Neurowissenschaftler aus 10 unterschiedlichen neurowissenschaftlichen Disziplinen zusammengeschlossen, um junge angehende Wissenschaftler bestmöglich und auf höchstem Niveau im Fachbereich medizinische Neurowissenschaften auszubilden. Die Forschung befasst sich dabei mit den vier wesentlichsten Aspekten der modernen medizinischen Neurowissenschaft: i) Aufklärung von molekularen, zellulären und netzwerkbezogenen Mechanismen, die für die Funktionsweise unseres Gehirns verantwortlich sind, ii) Verständnis der molekularen Ursachen von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, iii) Identifizierung von Biomarkern, die eine frühzeitige Diagnose ermöglichen und iv) Entwicklung neuer Therapieansätze.

https://www.meduniwien.ac.at/hp/phd-neuroscience/


Medizinische Universität Wien
Veterinärmedizinische Universität Wien

"Molecular and Cellular Control of Tissue Homeostasis in Health and Disease – TissueHome”

Koordinator: Karl Kuchler

Menschliche Gewebsbarrieren, wie z.B. die Haut oder der Gastrointestinaltrakt, benötigen eine kontinuierliche Immunüberwachung und streng kontrollierte Reparatur-, Umbau- und Regenerationsprozesse, um ihre Integrität und Funktion aufrechtzuerhalten. Die Immunüberwachung wird durch eine Vielzahl von angeborenen und adaptiven Immunzellen gewährleistet, die jeweils hochspezifische örtliche oder zeitliche Funktionen in Barrieren erfüllen. Alle Funktionen müssen auf genetischer, epigenetischer und post-translationaler Ebene streng reguliert werden. Es fehlt jedoch immer noch ein gründliches Verständnis über die molekularen und zellulären Prozesse, die normale Gewebshomöostase regulieren. TissueHome ist ein interuniversitäres, interdisziplinäres Konsortium, das die molekularen und zellulären Mechanismen die für die Gewebehomöostase der Haut und des Darms wichtig sind entschlüsseln wird.

https://www.mfpl.ac.at/de/training/phd-opportunities/about.html


Medizinische Universität Innsbruck
Universität Innsbruck

"CavX - Calcium channels in excitable cells”

Koordinator: Gerald J. Obermair

Kalziumkanäle regeln eine Vielzahl wichtiger Funktionen, wie zum Beispiel die synaptische Übertragung und Plastizität, die Muskelkontraktion und die Hormon-Freisetzung. Fehlfunktionen dieser Ionenkanäle resultieren in verschiedenen neuronalen und endokrinen Erkrankungen wie Autismus, Angstzustände, Schizophrenie, Parkinson, Diabetes, Netzhauterkrankungen und verschiedene Formen von Muskelschwäche. Die Forscher des CavX Programms der Medizinischen Universität sowie der Universität Innsbruck studieren eine Reihe dieser Kalziumkanal-Funktionen und Erkrankungen. Dabei verwenden sie modernste Methoden sowie eigens dafür entwickelte Zell- und Tiermodelle.

https://phd-school.i-med.ac.at/phd-programs/doctoralprogram/neuroscience/


Universität Wien

“Forms of Normativity - Transitions and Intersections”

Koordinator: Hans Bernhard Schmid

Normativität ist ein philosophisches Kunstwort, welches die Eigenschaft des “Gesolltseins” beschreibt. Normativität durchdringt in einer großen Zahl von Formen das menschliche Leben: von instrumentellen Erfordernissen über moralische Imperative bis zu den Gesetzen der Logik. Normativität sowohl in ihren besonderen Formen als auch in ihren Grundzügen zu verstehen ist eine wichtige Aufgabe philosophischer Forschung. Die jüngere philosophische Forschung hat Fortschritte in zwei Richtungen gemacht: spezialisierte Forschung hat unser Verständnis jeder einzelnen Form von Normativität vertieft, und eher abstrakte Ansätze haben viel zur Analyse der allgemeinen Strukturen beigetragen. Das Projekt „Forms of Normativity – Transitions and Intersections (FoNTI)“ zielt darauf ab, die Lücke zwischen diesen beiden Forschungsperspektiven zu schließen. Das Verhältnis verschiedener Formen der Normativität soll dabei in spezialisierter Forschungskooperation geklärt werden.

http://ssc-phil.univie.ac.at/studien/doktorat/


Medizinische Universität Graz

“Inflammatory Disorders in Pregnancy“

Koordinator: Christian Wadsack

Laut neuesten Zahlen sind heute bereits ca. 20% der Weltbevölkerung an Fettleibigkeit oder an Typ 2 Diabetes erkrankt. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt stetig zu. Diese Gruppe der metabolisch entzündlichen Erkrankungen beeinflussen nicht nur die Schwangerschaft, sondern können sich auch auf die Gesundheit von Mutter und Kind direkt auswirken. Für diese Personen besteht ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben, an Störungen des Stoffwechsels zu erkranken. Daher ist es wichtig, jene Mechanismen, die sich negativ oder positiv auf das Ungeborene auswirken zu untersuchen und zu verstehen. Die zum großen Teil noch unbekannten dahinter ablaufenden Mechanismen beeinflussen sowohl die Mutter, die Funktion des Mutterkuchens (Plazenta), als auch das Ungeborene. Die Bearbeitung dieser komplexen Forschungsfragen erfordert das Zusammenwirken eines multidisziplinär und translational arbeitenden Forschungsteams, um kausale Zusammenhänge zu verstehen und daraus neue Therapiemöglichkeiten abzuleiten.

https://www.medunigraz.at/phd/phd-programs/molmed/

http://www.inflammation-in-pregnancy.at/


Wirtschaftsuniversität Wien

Vienna Graduate School of Finance

Koordinator: Josef Zechner

Die 2005 gegründete Vienna Graduate School of Finance (VGSF) bietet in Österreich ein hervorragendes, strukturiertes Doktoratskolleg im Bereich Finanzwirtschaft an. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich dabei mit der Finanzkrise und deren schwerwiegenden Folgen für viele Finanzmärkte. Analysiert werden insbesondere die Auswirkungen der Änderungen der Finanzmarktregulierung und der Aktivitäten von Zentralbanken auf den Bankensektor. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit neuen Finanzmarktstrukturen, insbesondere den Auswirkungen neuer Technologien auf Transparenz und Liquidität in Finanzmärkten.

http://www.vgsf.ac.at/welcome/

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