Mit der Vorlage des Mehrjahresprogramms und der Weiterentwicklung seiner Karriereprogramme will der FWF mehr Forschende, insbesondere Frauen, noch besser in der Wissenschaft verankern – Konsultationsprozess läuft bis Ende des Jahres

Für die Karrieren von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern spielen heutzutage im Wettbewerb vergebene Drittmittel eine entscheidende Rolle. Förderungen „Marke FWF“ gelten aufgrund ihres transparenten und objektiven Vergabeverfahrens sowie ihres hochkompetitiven Charakters seit vielen Jahrzehnten als Maßstab für herausragende Qualität und gleichzeitig als Erfolgsmotor in der Karriereentwicklung.

Aus diesem Grund ist es seitens des FWF naheliegend, auch die Karriereförderungsprogramme regelmäßig einer Zielüberprüfung zu unterziehen und – wo notwendig – weiterzuentwickeln. Seit mehr als 30 Jahren fördert der FWF nunmehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf allen Stufen ihrer Karriereentwicklung. Diese jahrzehntelange Erfahrung sowie die begleitenden Evaluierungen von Programmen und der aktive Austausch mit Stakeholdern sind nun in die Vorlage zur Neuausrichtung des Portfolios eingeflossen.

Gute Gründe für eine Neuausrichtung

Der FWF sieht die Zeit gekommen, eine Weiterentwicklung der Karriereentwicklungsprogramme anzustreben, die gleichzeitig eine deutliche finanzielle Stärkung sowie optimierte Rahmenbedingungen mit sich bringen würde. Das Prinzip der Neuausrichtung ist es, die Programme für die adressierten Forschenden und die unterschiedlichen Fachdisziplinen gleichermaßen attraktiv zu machen. Das Programmangebot soll – so der Vorschlag – optimiert und übersichtlicher gestaltet werden. Gut funktionierende Programmkomponenten werden ausgebaut und gestärkt, Schwächen im Programmdesign behoben. Der Vielfalt und der notwendigen Flexibilität in der Grundlagenforschung wird insofern entsprochen, als etwa Programmdifferenzierungen in verschiedene Zielgruppen (Incoming, Reintegration, Frauen) bzw. verschiedene Zielsetzungen (Brain Gain, Wiedereinstieg, Gruppenaufbau, Habilitation) und damit jeweils einhergehende unterschiedliche Renomées von Programmen aufgehoben werden.

Mit einem zweistufigen Förderungsangebot sollen künftig die besten Talente im Land gehalten bzw. nach Österreich (zurück-)geholt werden. Die Förderung von Frauen bleibt ein Kernanliegen. Das neue Early-Stage-Programm (Arbeitstitel) soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Beginn ihrer Karriere dabei unterstützen, auf Basis eines eigenständigen Projekts unter bestmöglichen Bedingungen ihr Forschungsprofil zu entwickeln. Das soll ihnen gleichzeitig ermöglichen, die nötigen Kompetenzen zu erlangen, um ihren Weg in die wissenschaftliche Selbstständigkeit zu gehen. Bewährte Instrumente wie Coaching und Mentoring bleiben dabei weiterhin Bestandteil dieses Förderungsprogramms. Da Flexibilität und schnelle Förderungsentscheidungen gerade für junge Postdocs ein wesentlicher Faktor für den Verbleib in der Wissenschaft sind, soll in dem Programm zudem laufend eingereicht werden können.

Mit dem Advanced-Stage-Programm (Arbeitstitel) soll der START-Preis und das Elise-Richter- bzw. Elise-Richter-PEEK-Programm zusammengeführt und weiterentwickelt werden. Ziel ist hierbei, herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – das beinhaltet auch künstlerisch-wissenschaftlich Forschende – die Durchführung innovativer Forschungsprojekte zu ermöglichen. Das Programmdesign soll den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Fachdisziplinen optimal entgegenkommen, indem sowohl Laufzeit als auch Budget flexibel gestaltet werden können. Ziel ist es in dieser Phase der wissenschaftlichen Karriere, das Forschungsprofil der geförderten Personen weiter zu stärken und den Übergang hin zu einer Verankerung an einer österreichischen Forschungsstätte zu vereinfachen. Damit soll dem Bedürfnis nach langfristigen Karriereperspektiven in dieser fortgeschrittenen Karrierestufe entsprochen werden.

Bessere Perspektiven für Forscherinnen

Die beiden geplanten Förderungsschienen sollen nun in einem Konsultationsprozess ausgestaltet werden. Die gezielte Frauenförderung bleibt dabei auch im vorliegenden Entwurf zentrales Programmelement. Das neue zweistufige Modell soll, obwohl für beide Geschlechter gleichermaßen zugänglich, in Zukunft weiter zur Erhöhung des Frauenanteils in wissenschaftlichen Leitungspositionen in Österreich beitragen. Um dies zu gewährleisten, ist eine doppelte Frauenförderungsgarantie implementiert: einerseits sieht der Entwurf vor, die Hälfte der zu vergebenden Mittel für Frauen zu reservieren, gleichzeitig soll die Bewilligungsquote bei Frauen jene der Männer nicht unterschreiten dürfen. Aktuell übersteigt die Anzahl exzellenter Anträge von Wissenschaftlerinnen die derzeit vorhandenen Förderungsmittel. In Zukunft sollen insgesamt mehr Mittel für Frauen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden die etablierten Frauenförderungsmaßnahmen weitergeführt. Dies betrifft die Kinderpauschalen, die aktiven Netzwerkaufbaumaßnahmen, die Coaching-Workshops und die Maßnahmen zur Sichtbarmachung der erfolgreichen Frauen wie die Netzwerktreffen, Public-Relations-Aktivitäten, Rollenmodelle sowie die jährlich um den internationalen Frauentag am 8. März stattfindenden Feierlichkeiten.

Ergebnisoffener Konsultationsprozess bis Ende des Jahres

Die beiden geplanten Förderungsschienen sollen bis Ende 2019 – begleitet von einem ausführlichen Konsultationsprozess und im Einklang mit der Gender Policy des FWF – weiter ausgestaltet werden. Der ergebnisoffene Prozess wird verschiedene Arbeitsgruppen umfassen und auch internationale Expertinnen und Experten einbeziehen. Ende des Jahres sollen die FWF-Gremien auf Basis der jeweiligen Empfehlungen den zukünftigen Kurs, insbesondere im Bereich der Karriereentwicklung, festlegen. Die bestehenden Karriereprogramme laufen in der Zwischenzeit wie gewohnt weiter.

FWF Der Wissenschaftsfonds

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung, Erweiterung sowie Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

Kontakt:

Dr. Barbara Zimmermann
Leiterin Strategie – Karriereentwicklung

Marc Seumenicht
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation

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