Alpbach2019 01
Gastgeber/innen und Impulsgeber/innen: Klement Tockner (FWF), Jacks Stilgoe (University College London), Ulrike Felt (Universität Wien), Meredith Broussard (New York University), Barbara Weitgruber (BMBWF), Tim O’Brien (Microsoft), Patrice Chazerand (DIGITAL EUROPE) und Sepp Hochreiter (JKU Linz).

Der Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz bietet für Politik und Verwaltung neue Möglichkeiten. Welche Maßnahmen müssen jetzt durch die Politik umgesetzt werden, um die positiven Effekten nützen zu können und Risiken gering zu halten? Wer reguliert künftig die Codes und Algorithmen, die in unser Leben vordringen? Wer übernimmt die Verantwortung? Über neueste Entwicklungen und Konsequenzen diskutierten internationale Impulsgeberinnen und Impulsgeber auf Einladung des BMBWF und des FWF bei den Alpbacher Technologiegesprächen.

In einem Punkt waren sich die Expertinnen und Experten schnell einig: eine kollektive Reflexion über Künstliche Intelligenz (KI) und mögliche Formen ihrer Regulierung sei dringend notwendig. Denn KI wird, so wie kaum eine andere technische Entwicklung, weitreichende Änderungen in allen Bereichen der Gesellschaft nach sich ziehen.

Das Abwägen der Chancen und Risiken dieser Entwicklung bildete den roten Faden in der Debatte. KI-Technologie kann wie Strom oder Internet in praktisch jedem Bereich des Lebens eingesetzt werden. Das macht sie so einflussreich. Vor allem die Tendenz, menschliche Entscheidungen an Algorithmen abzugeben, wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgiebig diskutiert. Der Sozialwissenschaftler Jack Stilgoe vom University College London appellierte, sich nicht ausschließlich auf Algorithmen zu verlassen, da dies die Gefahr birgt, dass menschliche Fähigkeiten unterschätzt werden und langfristig in den Hintergrund rücken. Die Künstliche Intelligenz sollte keine Entscheidungen eigenständig treffen, sondern lediglich die Grundlage für Entscheidungen liefern, ergänzte Sepp Hochreiter, Leiter des AI-Lab an der JKU Linz. Seiner Meinung nach müssen Letztentscheidungen immer beim Menschen liegen. Tim O’Brien, General Manager bei Microsoft ergänzte, dass Algorithmen im Prinzip nur Mathematik sind, die eigentliche Herausforderung liege darin, die Qualität der zugrundeliegenden Daten weiter zu verbessern und in weiterer Folge Prinzipien für einen verantwortlichen Umgang mit neuen KI Technologien zu entwickeln.

Meredith Broussard, Professorin für Datenjournalismus von der New York University, fordert mehr Diversität innerhalb der KI-Entwickler/innen-Teams, um diskriminierende Effekte der Algorithmen zu reduzieren.

Die Impulsgeberinnen und Impulsgeber griffen auch KI-Anwendungen auf, die bereits jetzt großflächig eingesetzt werden, wie beispielsweise die automatische Gesichtserkennung. Meredith Broussard, Professorin für Datenjournalismus von der New York University, kritisierte den vorherrschenden „Techno-Chauvinismus“. Mit diesem Begriff beschreibt sie die Vorstellung, neue Technologien seien die Lösungen für all unsere Probleme. In ihrem Statement ging sie besonders auf die unbewussten Vorannahmen ein, die KI-Entwicklerinnen und -Entwickler in Algorithmen festschreiben. Mehr Diversität innerhalb dieser Teams wären dringend notwendig, um diskriminierende Verzerrungen in den Algorithmen, wie sie auch in der Gesichtserkennung zu Tage treten, zu reduzieren. Die Politik müsse viel stärker als bisher darauf achten, dass es hier nicht zu Diskriminierungen kommt. Die Philosophin Paula Boddington von der Cardiff University forderte diesbezüglich ein, dass wir als Gesellschaft immer hinterfragen müssen, inwiefern Künstliche Intelligenz Menschen in ihrem eigenständigen Handeln fördert oder dieses möglicherweise einschränkt.

Patrice Chazerand von der Interessensvertretung der europäischen Digitalindustrie „DIGITAL EUROPE“ streicht in Alpbach die Anstrengungen der digitalen Wirtschaft zur Selbstregulierung hervor.

Patrice Chazerand von der Interessensvertretung der europäischen Digitalindustrie „DIGITAL EUROPE“ strich die Anstrengungen der digitalen Wirtschaft zur Selbstregulierung hervor und sprach sich für die Etablierung ethischer Richtlinien aus. Er forderte einen gesetzlichen Rahmen, der Menschenrechte, Selbstbestimmung und Datenschutz im Bereich der Künstlichen Intelligenz gewährleistet – und erntete damit die Zustimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Das Publikum diskutierte unter der Moderation von FWF-Präsident Klement Tockner mit den internationalen Impulsgeberinnen und Impulsgebern.

 

Mehr Informationen

Überblick über die Kernaussagen aller Alpbacher Breakout Sessions(pdf, 134KB) (in English)

Programm der Alpbacher Technologiegespräche

 

 

Zurück zur Übersicht