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Erforschen gemeinsam die Rolle von blutdrucksenkenden Medikamenten, um eine Wissenslücke für künftige COVID-19- Therapien zu schließen: Amelie Kurnikowski, Lukas Schmölz, Manfred Hecking (Projektleitung MedUni Wien), Judith Aberle, Rainer Oberbauer (Leiter der Klinischen Abteilung für Nephrologie & Dialyse an der Klinik für Innere Medizin III), Marianna Traugott, Marko Poglitsch (Attoquant Diagnostics), Roman Reindl-Schwaighofer, Farsad Eskandary (v.l.n.r.). © FWF/Luiza Puiu

Bestimmte blutdrucksenkende Medikamente stehen im Verdacht, zu einem schwereren Krankheitsverlauf bei COVID-19 zu führen – doch eine medizinische Bestätigung steht bislang aus. Diese Lücke schließen Forscher der Medizinischen Universität Wien und des Kaiser-Franz-Josef-Spitals: Manfred Hecking und sein Team konnten sich die ersten 400.000 Euro der Corona-Akutförderung des Wissenschaftsfonds FWF sichern. Ihre klinische Studie trägt dazu bei, COVID-19-Therapien zu verbessern.



Der Mediziner Manfred Hecking und sein Team untersuchen die bisher noch wenig erforschte Rolle von blutdrucksenkenden Medikamenten bei COVID-19-Patienten, die insbesondere von älteren Menschen mit Begleiterkrankungen eingenommen werden. In Fachkreisen wird seit Beginn der Corona-Pandemie die Empfehlung diskutiert, ob Patientinnen und Patienten, die Blutdrucksenker einnehmen, diese absetzen sollen. Zudem gibt es die Vermutung, dass Italien unter anderem auch deshalb so stark von der Pandemie betroffen war, weil viele ältere Betroffene Blutdrucksenker einnehmen. Die Annahme wird unter Medizinerinnen und Medizinern heftig diskutiert, kardiologische Fachgesellschaften haben davor gewarnt, diese wichtigen Medikamente alleine auf Verdacht hin abzusetzen. Im Detail geht es um Wirkstoffe, die auf das Renin-Angiotensin-System (RAS-Blocker) wirken. ACE2, der Viruseintrittsrezeptor für Corona in den menschlichen Körper, gehört zu diesem Hormonsystem.

Erste Ergebnisse liegen in wenigen Wochen vor
Wissenschaftliche Daten zu den molekularen Zusammenhängen und deren klinischen Auswirkungen gibt es dazu derzeit nicht. Manfred Hecking und sein Team versuchen mit der Studie diese Lücke zu schließen, um COVID-19-Therapien weltweit zu verbessern. In dem Projekt werden Forschende der Medizinischen Universität Wien, des Kaiser-Franz-Josef-Spitals sowie der Wiener Biotech-Firma Attoquant Diagnostics zusammenarbeiten. Der Wissenschaftsfonds FWF investiert rund 400.000 Euro in die Studie. „Mit der FWF-Förderung werden wir detailliert analysieren können, wie Corona das Renin-Angiotensin- System des Menschen beeinflusst. Wir erwarten erste Ergebnisse innerhalb weniger Wochen“, so Manfred Hecking zum Projekt, und weiter: „Es ist noch nicht klar, ob man durch Blutdrucksenker tatsächlich gefährdeter für das Coronavirus ist oder ob es im Gegenteil sogar eine positive Beeinflussung der Erkrankung gibt. Hier versuchen wir, eine internationale Wissenslücke zu schließen.“

Manfred Hecking ist Internist an der Medizinischen Universität Wien. Neben dem Renin-Angiotensin-System interessiert er sich für Flüssigkeitshaushalt, Diabetes nach Organtransplantation und geschlechtsspezifische Unterschiede von Menschen mit Niereninsuffizienz. Das aktuelle FWF-Akutprojekt „COVID-19 und RAS-Blockade“ ist seine zweite FWF-geförderte klinische Studie. © FWF/Luiza Puiu

„Ärzte werden durch die Ergebnisse mehr Sicherheit in der Behandlung älterer Menschen gewinnen, COVID-19 Therapien werden sich für viele Menschen verbessern. Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel, was Spitzenforschung bewirken und leisten kann“, so Bundesminister Heinz Faßmann.

„Das Projekt von Manfred Hecking und seinem Team konnte im Rahmen unserer Corona-Akutförderung im Rekordtempo bewilligt werden“, so FWF-Präsident Klement Tockner, und weiter: „Um Wissenslücken in der Coronakrise, von denen Menschen unmittelbar betroffen sind, zu schließen, bringen wir weitere exzellente Forschungsprojekte wie dieses schnell auf Schiene.“

„In insgesamt mehr als 100 COVID-19 relevanten Forschungsprojekten arbeiten Forscherinnen und Forscher der MedUni Wien derzeit an Lösungen, um mitzuhelfen, die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen und die Erkrankung besser zu verstehen. Dieses Projekt wird maßgeblich dazu beitragen“, sagt MedUni Wien-Rektor Markus Müller.

scilog-Interview "Was Corona mit Bluthochdruck zu tun hat"
Im Interview gibt Manfred Hecking Einblick in das Forschungsprojekt und dessen Bedeutung für die internationale Corona-Forschung: Zum Interview

SARS-CoV-2-Akutförderung: Einreichungen bis September möglich
Als Antwort auf die Corona-Pandemie initiierte der FWF eine SARS-CoV-2-Akutförderung – ein Fast-Track-Verfahren für Forschungsanträge, die sich mit der Prävention, Früherkennung, Eindämmung sowie der Erforschung von SARS-CoV-2 beschäftigen und besonders auf internationale Kooperation setzen. Es geht um die Eindämmung der Pandemie, um Früherkennung und Prävention, um die Ursachen und Auswirkungen, aber auch um politische, kulturelle oder ethische Aspekte. Die Einreichfrist läuft vorerst bis Ende September 2020, gefragt ist Grundlagenforschung aller Fachgebiete. Das Projekt „COVID-19 and RAS Inhibition“ von Manfred Hecking ist das erste geförderte Projekt im Rahmen der Akutförderung.

Kontakt:

Marc Seumenicht
Stv. Leiter Kommunikation, Pressesprecher
scilog.fwf.ac.at | @FWF_at | @FWFOpenAccess



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