Katherine Bates von der Medizinischen Universität Innsbruck wird in ihrem vom Land Tirol kofinanzierten Akutprojekt die Ischgler Bevölkerung weiter untersuchen, um die Art und das Anhalten der Symptome infolge einer COVID-19-Infektion zu bewerten. Im Bild (v.l.n.r.): Katherine Bates; Landesrat Bernhard Tilg; Wegene Borena, Projektleiterin der Antikörperstudie (Ischgl-Studie 2); FWF-Vizepräsident Gregor Weihs; Hanno Ulmer, Leiter des Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck © FWF/Dominik Pfeifer

Der Wissenschaftsfonds FWF bringt zwei weitere Corona-Forschungsprojekte auf Schiene, darunter ein mit dem Land Tirol kofinanziertes Projekt. Die Epidemiologin Katherine Bates (Medizinische Universität Innsbruck) erforscht in einer Ischgl-Follow-up-Studie die Art und das Anhalten der Symptome infolge einer COVID-19-Infektion. Die Theaterwissenschaftlerin Silke Felber (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) richtet ihren Fokus auf die politischen und kulturellen Implikationen von SARS-CoV-2 und analysiert die paradoxe (Un-)Sichtbarkeit, die Frauen angesichts der aktuellen Krise erfahren. 

„Ein funktionierendes Ineinandergreifen der Erkenntnisse aus Grundlagenforschung, angewandter Forschung sowie klinischen Studien spielt in der Corona-Forschung eine zentrale Rolle. Jeder einzelne Beitrag aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen ist in der globalen Anstrengung, die Pandemie in den Griff zu bekommen, wichtig und kann uns den entscheidenden Schritt vorwärtsbringen“, so FWF-Vizepräsident Gregor Weihs zur Lage der weltweiten Corona-Forschung. Bislang wurden über hundert COVID-19-bezogene Anträge beim FWF eingereicht, davon wurden 14 Akutprojekte mit einer Gesamtsumme von knapp sechs Millionen Euro innerhalb einer Bearbeitungszeit von durchschnittlich zwei Monaten bewilligt.

Folgestudie in dem Gebiet, wo das Virus in Österreich erstmals auftrat 

Portrait von Katherine Bates

Katherine Bates (Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck) untersucht in ihrer Ischgl-Follow-up-Studie jenes Gebiet, in dem das Coronavirus in Österreich erstmals auftrat.

© Katherine Bates


Mit der Ischgl-Follow-up-Studie wurde ein Akutprojekt bewilligt, das sich in das Gebiet begibt, wo das Coronavirus in Österreich erstmals auftrat. Die Demografin und Epidemiologin Katherine Bates vom Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck wird an der sogenannten Ischgl-Studie weiterarbeiten, einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie, die im April 2020 infolge des COVID-19-Ausbruchs unter der Leitung von Dorothee von Laer, der Direktorin des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck, begann. Die Studie ergab, dass 42 Prozent der Ischgler Bevölkerung Antikörper auf das Coronavirus entwickelt hatten, was darauf hindeutet, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt mit dem Virus infiziert waren. Katherine Bates wird in Zusammenarbeit mit Hanno Ulmer, dem Leiter des Departments für Medizinische Statistik, sowie mit dem Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck ein Teilprojekt der Ischgl-Studie leiten. Das Projekt untersucht die Ischgler Bevölkerung in Abständen von sechs und zwölf Monaten seit April, um die Art und das Anhalten der Symptome infolge einer COVID-19-Infektion zu bewerten. Zusätzlich will die Studie Erkenntnisse dazu gewinnen, welche weiteren gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen die Pandemie auf die Gemeinde hatte. 

Das Akutprojekt von Katherine Bates wird vom Land Tirol kofinanziert. „Das SARS-CoV-2-Virus hat eine weltweite Pandemie ausgelöst und viele Gesundheitssysteme unterschiedlicher Nationen an ihre Leistungsgrenzen gebracht. Österreich und vor allem das Bundesland Tirol war relativ früh von dieser Pandemie betroffen. Für mich ist es entscheidend, das Gesundheitssystem so auszurichten, dass es nicht an seine Leistungsgrenzen gelangt. Die Wissenschaft leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung dieser Pandemie. Die bereits durchgeführte Ischgl-Studie ist die Basis für diese Folgestudie und bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Gesundheit, das Wohlbefinden und die sozioökonomischen Auswirkungen von COVID-19-Erkrankten zu vergleichen. Darüber hinaus wird die Studie sich mit offenen Fragen hinsichtlich COVID-19-Reinfektion befassen“, so Landesrat Bernhard Tilg. Und er betont: „Je mehr wir über das Virus wissen, desto besser kann auf erneute Herausforderungen in der Krise reagiert werden. Daher ist es mir als Gesundheits- und Wissenschaftslandesrat besonders wichtig, dass die Forschungsarbeiten im Bereich von SARS-CoV-2 bestmöglich durch das Land Tirol unterstützt werden.“

Die (Un-)Sichtbarkeit von Frauen in der Corona-Krise

Portrait von Silke Felber

Das Akutprojekt von Silke Felber (Institut für Kulturmanagement und Gender Studies der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) richtet den Fokus auf die politischen und kulturellen Implikationen von SARS-CoV-2 und reagiert auf die paradoxe (Un-)Sichtbarkeit, die Frauen angesichts der aktuellen Krise erfahren.

© Andrea Klem


In ihrem Corona-Forschungsprojekt richtet die Theaterwissenschaftlerin Silke Felber vom Institut für Kulturmanagement und Gender Studies der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien den Fokus auf die politischen und kulturellen Implikationen von SARS-CoV-2. Sie analysiert die paradoxe (Un-)Sichtbarkeit, die Frauen angesichts der aktuellen Krise erfahren. Einerseits nehmen Frauen als „Systemerhalterinnen“ und „Heldinnen des Alltags“ innerhalb der diskursiven Auseinandersetzung mit COVID-19 eine äußerst dominante Rolle ein. Andererseits sind sie als Politikerinnen und Expertinnen momentan auffallend unterrepräsentiert. Ausgehend von dieser Beobachtung untersucht Silke Felber die Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung im Hinblick auf die gegenwärtige Krise und fragt danach, welche genderspezifischen Rollenbilder und -stereotype in diesem Zusammenhang implementiert bzw. reaktualisiert werden. Die Ergebnisse dieser dramaturgischen und diskursanalytischen, mithin transdisziplinären Studie werden gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnerinnen und -partnern in einen historischen und globalen Kontext gesetzt. 

FWF-Akutförderung: beschleunigtes Verfahren ohne Qualitätsabstriche 

Als unmittelbare Antwort auf die Corona-Pandemie initiierte der FWF im März 2020 die SARS-CoV-2-Akutförderung – ein Fast-Track-Verfahren für Forschungsanträge, die sich mit der Prävention, Früherkennung, Eindämmung sowie Erforschung von SARS-CoV-2 beschäftigen und besonders auf internationale Kooperation setzen. Angesprochen sind darüber hinaus Projekte, die ihr Forschungsinteresse auf technische, ökologische, ökonomische, politische, rechtliche, medizinische, kulturelle, psychologische oder ethische Implikationen von SARS-CoV-2 richten. Die Expertise nahezu aller Fachgebiete der Grundlagenforschung ist in der aktuellen Situation gefragt.

FWF Der Wissenschaftsfonds 

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung, Erweiterung sowie Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

Kontakt:

Marc Seumenicht
Stv. Leiter Kommunikation, Pressesprecher
scilog.fwf.ac.at | @FWF_at | @FWFOpenAccess

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