Im Bild v.l.n.r: Dietrich Haubenberger, ASciNA-Präsident; Simone Poetscher, OSTA; Daniela Weiskopf, Junior PI Awardee; Peter Asenbaum, Young Scientist Awardee; Bundesminister Heinz Faßmann, BMBWF; Astrid Gillich, Young Scientist Awardee; Daniela Gandorfer, Young Scientist Awardee; Christof Gattringer, FWF-Präsident © Office of Science and Technology Austria – Washington

Immunologin Daniela Weiskopf, Literaturwissenschaftlerin Daniela Gandorfer, Physiker Peter Asenbaum und Zellbiologin Astrid Gillich erhielten ASciNA Awards.

Vier in den USA tätige österreichische Forschende wurden Samstagabend zum Abschluss des vom Office of Science and Technology Austria (OSTA) organisierten Austrian Research and Innovation Talk (ARIT) in Washington DC von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann ausgezeichnet.

Die für exzellente Arbeiten vergebenen ASciNA-Awards gingen an die Immunologin Daniela Weiskopf, die Literaturwissenschaftlerin Daniela Gandorfer, den Physiker Peter Asenbaum und die Zellbiologin Astrid Gillich. Die vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft mit einem Preisgeld von 10.000 Euro (Junior PI) bzw. heuer ausnahmsweise drei Mal 5.000 Euro (Young Scientist) dotierten Preise werden vom Netzwerk „Austrian Scientists and Scholars in North America“ (ASCINA) ausgeschrieben und durch eine vom Wissenschaftsfonds FWF beschickte internationale Fachjury begutachtet.

Mit den Preisen „würdigen wir junge österreichische Forschende, die den Sprung ins Ausland gewagt haben und im Rahmen ihrer Forschungsarbeit an renommierten Universitäten und Forschungsinstitutionen in Nordamerika herausragende wissenschaftliche Leistungen erbracht haben“, betonte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann. Er verwies auf die Bedeutung internationaler Kooperation und Vernetzung sowie die „Bedeutung des Beitrags von Wissenschaft und Forschung vor dem Hintergrund der komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen, von Gesundheit und Klima bis hin zu Menschenrechten“.

Erkältungen und SARS-CoV-2

Dieses Jahr wurde Daniela Weiskopf in der Kategorie „Junior Principal Investigator“ ausgezeichnet. Ihre Publikation „Selective and cross-reactive SARS-CoV-2 T cell epitopes in unexposed humans“ erschien im April 2021 in der Fachzeitschrift Science.

Daniela Weiskopf absolvierte ihr Masterstudium im Bereich Mikrobiologie und Immunologie an der Universität Innsbruck und ihr Doktorat im Bereich Immunologie an der Medizinuniversität Innsbruck. Seit 2009 arbeitet sie am renommierten La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien, wo sie seit 2020 als Research Assistant Professor tätig ist. Schwerpunktmäßig hat sich Daniela Weiskopf in ihrer Forschung dem Verständnis der T-Zell-Reaktion auf virale Pathogene gewidmet und die letzten 12 Jahre damit verbracht, infektiöse Viren zu untersuchen, die für die menschliche Gesundheit und Krankheit relevant sind.

Ihre ausgezeichnete Publikation widmet sich, ganz aktuell, der möglichen Rolle der T-Zellen in der menschlichen Immunantwort auf das SARS-CoV-2-Virus, das die Infektionskrankheit Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom (SARS) hervorruft.

Quantenzustände im freien Fall

In der Kategorie „Young Scientist“ hat sich die Jury aufgrund der hohen Leistungsdichte dieses Mal entschieden, drei anstatt der sonst üblichen zwei Preisträger und Preisträgerinnen auszuzeichnen. Peter Asenbaum studierte Physik an der Universität Wien. Anschließend absolvierte er das Doktorat im Doktoratskolleg Complex Quantum Systems der Universität Wien und promovierte 2014. Danach forschte er am Department of Physics der Stanford University, kehrte jedoch nach Österreich zurück und ist derzeit als Postdoc-Forscher am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der Gruppe von Markus Aspelmeyer tätig.

Sein wissenschaftlicher Artikel „Atom-Interferometric Test of the Equivalence Principle at the 10−12 Level“ ist in den Physical Review Letters 2020 erschienen. Er beschäftigt sich mit der Frage, ob die Schwerkraft lokale Messungen beeinflusst. Das Äquivalenzprinzip (EP), das besagt, dass alle gravitativen Effekte lokal verschwinden, ist die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie und anderer geometrischer Gravitationstheorien. Die meisten theoretischen Vereinigungsversuche, die die Schwerkraft an das Standardmodell koppeln, führen zu EP-Verstößen. Asenbaum und seine Kolleg/inn/en berichten jedoch von einem Versuch mit einem atominterferometrischen Test, der auf dem 10-12-Niveau im Einklang mit der Null-Verletzung des EP steht und somit eine deutliche Verbesserung gegenüber der bisherigen EP-Tests mit Quantenzuständen darstellt.

„Ethik des Rechtsdenkens“

Daniela Gandorfer studierte Germanistik und Rechtswissenschaften an der Universität Wien und absolvierte ein Master- und Doktoratsstudium in vergleichender Literaturwissenschaft an der Princeton University, im Zuge dessen sie auch an der UC Berkeley mit Judith Butler studierte. Derzeit ist Gandorfer als Post-Doctoral Scholar an der UC Santa Cruz tätig, wo sie mit Quantenphysikerin und Philosophin Karen Barad arbeitet. Sie ist Gründerin und Co-Direktorin des Logische Phantasie Lab, einem interdisziplinären Forschungsinstitut, das sich der umfassenden Untersuchung von rechtlichen und sozialen Ungerechtigkeiten widmet.

Ihr bei Duke University Press erscheinendes Manuskript „Matterphorics: On the Laws of Theory“ artikuliert eine Theorie, insbesondere Rechtstheorie, die sich eng mit den komplexen materiellen und diskursiven Verschränkungen von normativen Systemen mit wissenschaftlichen und philosophischen Interpretationen der Welt auseinandersetzt. An der Schnittstelle von Rechtstheorie und Wissenschafts- und Technologiestudien, insbesondere Quantenphysik und Kryptotechnologien (Blockchain), zeigt Gandorfer zudem die ethische Dringlichkeit der Entwicklung eines neuen Rechtsdenkens vor dem Hintergrund sich rapide entwickelnder Formen der „tech governance“ und deren Potenzial für soziale und materielle Ungerechtigkeiten auf.

Blutgefäße der Lungenbläschen

Astrid Gillich studierte Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ihr Doktorat in Stammzellbiologie absolvierte sie an der University of Cambridge, bevor sie 2012 als Postdoctoral Researcher und dann als Research Scientist an die Stanford University School of Medicine wechselte. Seit 2021 ist sie Principal Investigator bei Calico Life Sciences in San Francisco, wo sie ein Labor zur Erforschung von Gewebe-, Alterungs- und Krankheitsbiologie in der Lunge und/oder im Gefäßsystem leitet. Die ausgezeichnete Publikation „Capillary cell-type specialization in the alveolus“ erschien im Nature Magazin und zeigt, dass die Kapillargefäße der Lungenbläschen aus zwei Zelltypen aufgebaut sind. Ein Zelltyp ist auf den Gasaustausch spezialisiert, der zweite Zelltyp ist eine Stammzelle, die für die Erneuerung der Blutgefäße sorgt. Ein besseres Verständnis der Rolle der Kapillarzelltypen bei der Entstehung von Lungenkrankheiten könnte zur Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Reparatur der Blutgefäße führen.

Das Netzwerk österreichischer Forschender in Nordamerika ASciNA wurde 2002 in Washington, D. C., gegründet und hat weltweit über 1200 Mitglieder. Neben den ASciNA Awards stellen das ASciNA-Mentoring-Programm und die lokale Vernetzung in den ASciNA-Chapters in den USA, Kanada und Mexiko zentrale Aktivitäten des Netzwerkes dar.

Links:

ASciNA-Awards

Office of Science and Technology Austria (OSTA)

Austrian Research and Innovation Talk (ARIT)

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