Mitte August genehmigte die Tiroler Landesregierung rund 400.000 Euro für zwei Forschungsprojekte, die vom FWF begutachtet und als förderungswürdig eingestuft wurden. Dank einer Kofinanzierung durch die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (NFTE) werden diese Mittel verdoppelt, somit können insgesamt 800.000 Euro gefördert werden. Die beiden Projekte von der Universität Innsbruck beschäftigen sich mit dem Antikörperdesign und der Entwicklung von Biotherapeutika sowie dem Widerstandsverhalten gegen algorithmisches Management.

Die Kofinanzierung durch die Nationalstiftung ist eine Form der komplementären Finanzierung von Forschungsinitiativen. Für jeden investierten Euro eines Bundeslands finanziert der FWF aus Mitteln der Nationalstiftung einen Euro dazu und schafft so einen beträchtlichen Hebel. Der FWF hat Kooperationsvereinbarungen mit allen österreichischen Bundesländern mit Ausnahme von Wien. Seit 2014 konnten dank dieses Kofinanzierungsmodells rund 40,9 Millionen Euro bewilligt werden. Davon entfielen knapp 20,5 Millionen Euro auf das Bundesland Tirol, die Hälfte der Mittel wurde dabei vom Bundesland getragen.

„Dem Land Tirol wurden auch diesmal zwei Projekte vorgeschlagen, die als exzellent begutachtet wurden“, hält Wissenschaftslandesrätin Annette Leja fest. Spitzenforschung ist für sie eine Expedition in die Zukunft. „Mit der Förderung des Landes werden zwei Forschende auf die Reise geschickt, um innovative Erkenntnisse einerseits für die Antikörper des Immunsystems und andererseits für das algorithmische Management am Arbeitsmarkt zu gewinnen. Ich wünsche Klaus Liedl und Ulrich Remus, den beiden hier tätigen Professoren der Universität Innsbruck, gemeinsam mit ihren Teams viel Erfolg bei ihrer Forschung“, so Landesrätin Leja.

Auch FWF-Präsident Christof Gattringer unterstreicht die besondere Rolle Tirols. „Das Bundesland Tirol war beim Kofinanzierungsmodell von Anfang an mit dabei und hat so den Forschungsstandort massiv und nachhaltig gestärkt“, so Gattringer. „Dieser langjährige Einsatz zeigt das herausragende Engagement, das Tirol in der Grundlagenforschung setzt“, so Gattringer abschließend.

Antikörperdesign und die Entwicklung von Biotherapeutika

© Anna Fiechtner

Am Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie der Universität Innsbruck erforscht Klaus Liedl mit seinem Team in seinem Projekt sogenannte Paratopzustände von Antikörpern. Antikörper sind zentrale Bestandteile des Immunsystems, die für die spezifische Abwehr von Pathogenen wie Viren oder Bakterien verantwortlich sind. Ihre Bedeutung wird aufgrund der aktuellen Entwicklung der Coronapandemie offensichtlich: Ein besseres Verständnis der Bindeeigenschaften hilft, die Erkennung von Pathogenen wie SARS-CoV-2 besser zu verstehen, vorherzusagen und sogar dazu zu verwenden, die Spezifität therapeutischer Antikörper gegen Pathogene und deren Mutationen perfekt abzustimmen. Die von Klaus Liedl gewonnenen Erkenntnisse werden weitreichende Auswirkungen auf das Gebiet des Antikörperdesigns und die Entwicklung von Biotherapeutika haben.

Widerstandsverhalten gegen algorithmisches Management

© Andreas Friedle

Ulrich Remus vom Institut für Wirtschaftsinformatik, Produktionswirtschaft und Logistik der Universität Innsbruck beschäftigt sich in seinem Projekt mit dem vielfältigen Widerstandsverhalten, auf das die neue Technologie von intelligenten Algorithmen stößt. Sein Fokus liegt auf der sogenannten Gig-Economy, also jenem Teil des Arbeitsmarkts, bei dem zeitlich befristete Aufträge flexibel und kurzfristig vergeben werden. Ziel von Ulrich Remus und seinem Team ist es, ein differenziertes Verständnis der Mechanismen zu erlangen, die hinter dem Widerstand von Gig-Workern gegen die Steuerung und Kontrolle durch Algorithmen stehen. Seine Erkenntnisse bilden eine dringend benötigte Grundlage für weitere Forschung in diesem Bereich, wie zum Beispiel die sozioemotionalen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf Arbeitnehmende sowie ethische Überlegungen zum Einsatz von algorithmischem Management.

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