Wassertropfen fällt auf gelb-blau-beleuchtete Wasseroberfläche und verursacht konzentrische Kreise

In seiner jüngsten Bewilligungsrunde bringt der Wissenschaftsfonds FWF 176 Forschungsprojekte mit einem Volumen von 57,7 Millionen Euro auf den Weg. Neben den Projekten in den etablierten Programmen standen erstmals gezielt transdisziplinär ausgerichtete Forschungsvorhaben im Programm #ConnectingMinds zur Entscheidung. Fünf Teams konnten sich im zweistufigen Entscheidungsprozess durchsetzen und erhalten nun insgesamt rund 4,6 Millionen Euro, um ihre Forschungsideen umzusetzen. Ebenfalls Premiere feiert das Programm doc.funds.connect, wo fünf neue Doktoratsprogramme mit je einer Million Euro finanziert werden. Darüber hinaus starten zwei neue Corona-Forschungsprojekte in Graz und Wien.

An Österreichs Forschungsstätten kommen in den nächsten Wochen zahlreiche neue Forschungsprojekte ins Rollen. In seiner jüngsten Bewilligungsrunde bringt der Wissenschaftsfonds FWF 176 Projekte mit einem Bewilligungsvolumen von 57,7 Millionen Euro auf den Weg. Insgesamt wurden 772 Anträge mit einem Volumen von 240,4 Millionen Euro eingereicht, die Bewilligungsquote nach Summe lag somit bei 24,0 Prozent.

Die Einzelprojekte als „Rückgrat“ der FWF-Förderungen machten wieder den größten Anteil der Bewilligungen aus. Bei einer Antragssumme (inkl. der Klinischen Forschung) von 111,7 Millionen Euro konnten 29,4 Millionen Euro bewilligt werden, was einer Bewilligungsquote von 26,3 Prozent entspricht. Im Bereich der Internationalen Programme sind teilweise noch die abschließenden Entscheidungen der Partnerorganisationen abzuwarten. Die Karriereprogramme spielen eine zentrale Rolle im Förderungsportfolio des FWF. Im Outgoing-Programm „Schrödinger“ konnten mit einer Bewilligungssumme von 0,8 Millionen Euro 34,6 Prozent der Einreichungen reüssieren. Im Incoming-Programm „Meitner“ lag die Bewilligungssumme bei 5,8 Millionen Euro, was einer Erfolgsquote von 23,6 Prozent entspricht.

Auch in der Herbst-Sitzung des FWF-Kuratoriums mussten wieder hervorragend evaluierte Projekte im Gesamtumfang von 13,8 Millionen Euro ausschließlich aufgrund fehlender Budgetmittel abgelehnt werden („approved, but not funded“).

Alle neu bewilligten Forschungsprojekte finden Sie online unter: https://pf.fwf.ac.at/de/wissenschaft-konkret/project-finder

Alle Statistiken zur aktuellen Bewilligungsrunde des FWF-Kuratoriums finden Sie online unter: https://www.fwf.ac.at/de/ueber-den-fwf/foerderungsstatistiken/


Schwerpunkt transdisziplinäre Forschung mit #ConnectingMinds

Ziel des Programms ist die Förderung von Teams, die wissenschaftliches und gesellschaftliches Wissen verbinden, um den anstehenden sozialen, technologischen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen gerecht zu werden. Im zweistufigen Antragsverfahren konnten sich zunächst von 56 Anträgen elf Forschungsvorhaben für die zweite Entscheidungsrunde qualifizieren. Von diesen werden nun fünf Projekte vom FWF mit insgesamt 4,6 Millionen Euro gefördert werden und es Forschenden von Österreichs Universitäten ermöglichen, eng mit Expertinnen und Experten von Organisationen wie Caritas, Pro Mente oder Vier Pfoten zusammenzuarbeiten.

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „Caring Robots/Robotic Care“

Wissenschaftliche Leitung: Sabine Theresia Köszegi (Technische Universität Wien)
Projektpartner: Caritas Wien, Technisches Museum Wien
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 5 Jahre

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „Open Innovation Nursing Lab“

Wissenschaftliche Leitung: Manuela Hödl (Medizinische Universität Graz)
Projektpartner: Caritas Graz-Seckau
Fördervolumen: 0,6 Euro | Projektlaufzeit: 5 Jahre

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „COwLEARNING for sustainable beef and dairy supply“

Wissenschaftliche Leitung: Marianne Penker (Universität für Bodenkultur Wien)
Projektpartner: Ernährungsrat Wien, Vier Pfoten, Land schafft Leben, Netzwerk Kulinarik, Rinderzucht Austria
Fördervolumen: 1,1 Millionen Euro | Projektlaufzeit: 5 Jahre

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „Co-designing perinatal mental health support in Tyrol“

Wissenschaftliche Leitung: Jean Lillian Paul (Medizinische Universität Innsbruck)
Projektpartner: Frühe Hilfen Tirol, Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Eltern-Kind-Zentrum Schwaz, Innocence in Danger, Pro Mente Tirol, Elternbildung Tirol, Krankenhaus St. Vinzenz Zams und weitere Partner  
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 5 Jahre

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „Unlocking the Muse: Transdisciplinary approaches to understanding and applying the intersection of artistic creativity and Parkinson’s disease“

Wissenschaftliche Leitung: Matthew Pelowski (Universität Wien)
Projektpartner: ParkinsonsNet, De Nieuwe Creatieven (Niederlande)  
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 5 Jahre

Weitere Details zu den geförderten #ConnectingMinds-Projekten finden Sie hier.
 

Premiere für doc.funds.connect: Gemeinsame Doktoratsausbildung zwischen Universitäten und Fachhochschulen

Das erstmals entschiedene Programm doc.funds.connect fördert die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen an den Universitäten und stärkt gleichzeitig die Forschungskompetenz der Fachhochschulen. In Kooperation mit der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) umgesetzt, wurden nun vom FWF-Kuratorium fünf doc.funds.connect-Projekte mit je einer Million Euro bewilligt. 25 Forschende werden in Graz, Linz, Salzburg, Wien und Wiener Neustadt ihre mehrjährige Ausbildung in hochinnovativen Forschungsfeldern absolvieren können.

Doktoratsprogramm „doc.hci – Designing Meaningful Human-Technology Relations“

Beteiligte Partner: Universität Salzburg, Fachhochschule Salzburg
Koordination: Alexander Meschtscherjakov (Universität Salzburg)
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 4 Jahre

Doktoratsprogramm „Human-Centered Artificial Intelligence“

Beteiligte Partner: Fachhochschule Oberösterreich, Universität Linz
Koordination: Ulrich Bodenhofer (Fachhochschule Oberösterreich)
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 4 Jahre

Doktoratsprogramm „MatureTissue“

Beteiligte Partner: Fachhochschule Technikum Wien, Technische Universität Wien
Koordination: Andreas Teuschl (FH Technikum Wien)
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 4 Jahre

Doktoratsprogramm „PAIR – Pre-clinical Ion Beam Research“

Beteiligte Partner: Fachhochschule Wiener Neustadt, Medizinische Universität Wien, Veterinärmedizinische Universität Wien
Koordination: Dietmar Georg (Medizinische Universität Wien)
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 4 Jahre

Doktoratsprogramm „Doctoral School for Dependable Electronic-Based Systems“

Beteiligte Partner: Fachhochschule Joanneum, Technische Universität Graz
Koordination: Christian Vogel (FH Joanneum)
Fördervolumen: 1 Million Euro | Projektlaufzeit: 4 Jahre

Weitere Details zu den geförderten doc.funds.connect-Projekten finden Sie hier.
 

Weitere zwei Akutprojekte zur Coronapandemie bewilligt

Als Antwort auf die Coronapandemie initiierte der FWF eine SARS-CoV-2-Akutförderung – ein Fast-Track-Verfahren für Forschungsanträge, die sich mit der Prävention, Früherkennung, Eindämmung sowie Erforschung von SARS-CoV-2 beschäftigen und besonders auf internationale Kooperation setzen. In der Kuratoriumssitzung konnten nun zwei weitere Akutprojekte bewilligt werden:

Christian Gehrke

Institut für Volkswirtschaftslehre
Universität Graz
„Agent-based Economic Epidemiology“

Patrick Mellacher, Helene Hinterreither und Christian Gehrke (v.l.n.r.) untersuchen ökonomische und epidemiologische Folgen des Coronavirus unter verschiedenen Politikszenarien.

Agentenbasierte Modelle (ABM) haben sich als besonders nützliche Methode zur Untersuchung komplexer zeitgenössischer Phänomene erwiesen. Epidemiologische ABM spielen in der aktuellen Covid-19-Krise eine wichtige Rolle bei der Erklärung und Vorhersage von Infektionsdynamiken. In der ökonomischen Epidemiologie, die gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen gleichzeitig betrachtet, werden ABM jedoch erst vereinzelt genutzt. Eines dieser Modelle wurde von Patrick Mellacher am Graz Schumpeter Centre der Uni Graz entwickelt. Ein von Christian Gehrke geleitetes Team wird dieses Modell erweitern, um es auf neue Fragestellungen anzuwenden: Wie wirkt sich eine komplexere epidemiologische Modellierung auf politische Handlungsempfehlungen aus? Welche Dynamiken sind mit der „Corona-Skepsis“ verbunden? Welche sozioökonomischen Folgen verursacht eine Pandemie, insbesondere für die Lage der Frauen?

Lea Ann Dailey

Department für Pharmazeutische Wissenschaften
Universität Wien
„Inhalation von Naturstoffen gegen Lungeninfektionen“

Lee Ann Dailey (li.) und Ulrike Grienke (re.) untersuchen die Bioverfügbarkeit von Naturstoffmischungen gegen Influenza, SARS-CoV-2 und Pneumokokken nach inhalativer Gabe.

Akute Atemwegsinfektionen (ARI) sind die am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten und die dritthäufigste Todesursache weltweit. Der Mangel an wirksamen Behandlungen, Arzneimittelresistenzen und die drohende Gefahr von Pandemien unterstreichen die Notwendigkeit der Entwicklung von therapeutischen Anti-ARI-Wirkstoffen. Antivirale Naturstoffe dienen dabei als vielversprechender Ausgangspunkt für die Entwicklung multifunktionaler antiviraler Arzneimittel. Untersuchungen deuten darauf hin, dass durch die inhalative Verabreichung von Naturstoffmischungen höhere Wirkstoffkonzentrationen in der Lunge direkt am Ort der Infektion erreicht werden können. Ziel dieses Projekts ist es, die Bioverfügbarkeit von Naturstoffmischungen gegen Influenza, SARS-CoV-2 und Pneumokokken nach inhalativer Gabe zu untersuchen.


Über das FWF-Kuratorium

Das Kuratorium des FWF setzt sich aus dem Präsidium des Wissenschaftsfonds sowie Fachreferentinnen und Fachreferenten zusammen. Primäre Aufgabe des Kuratoriums ist die Entscheidung über die Förderung von Forschungsvorhaben.

Sämtliche Mitglieder des FWF-Kuratoriums finden sich unter:
https://www.fwf.ac.at/de/ueber-den-fwf/organisation/kuratorium/

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